Schneewittchen mal anders

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Mit „Schneewittchen steht Kopf“ brillierten Groß und Klein des Theaters Schondorf zugunsten des Dießener Kinderhospiz’ „Theotinum“.

Schondorf – Die Aufregung war Autor und Regisseur Holger Schmidt-Lutz aus Utting an diesem Premierennachmittag in der Grundschule durchaus anzumerken. Auch wenn, wie er selbst zitiert, das Lampenfieber den Respekt des Künstlers vor dem Publikum darstellt, wäre sie wegen der Leistung des Ensembles in „Schneewittchen steht Kopf“ absolut unnötig gewesen. 

Was wäre eigentlich im Märchen passiert, wenn...? Dieser Frage gehen die Theaterspieler in Schondorf auf höchst humorvolle Art nach. Schon der Titel „Schneewittchen steht Kopf“ verrät, dass da einiges anders verläuft als erwartet: „Das mit viel Humor und Liebe zum Detail neu geschriebene modernisierte Grimm-Märchen nimmt so manche zeitgeistige Marotte unserer heutigen Welt aufs Korn“, wusste Alex Dorow das Stück zu beschreiben.

Die königliche Stiefmutter (Alexa Dorow, herrlich böse und hinterhältig) ist nicht nur eitel und rücksichtslos, der Jäger (Thomas Eichinger, überzeugend intrigant und spöt- tisch) nicht ganz so hilfsbereit und gutherzig. Und Schneewittchen, glaubwürdig für Jung und Alt dargestellt von Madeleine Engmann? Selbst bei ihr verlaufen die Ereignisse nicht so, wie wir das aus dem Grimm-Märchen kennen.

Zentrum des Geschehens sind die Zwerge. Eine Gruppe sehr unterschiedlicher Gnome, die offensichtlich nichts Ernst nehmen, untereinander heftig zanken und gnadenlos auch über ihren Oberzwerg (Kurt Bergmaier) spotten. In deren Charakterrollen kann der Nachwuchs des Theatervereins glänzen: Das Alter der jungen Darsteller reicht von 15 bis zu fünf Jahren. Besonders der jüngste (Julius Dorow) sorgte durch sein ungekünsteltes Spiel immer wieder für Heiterkeit. Sein Vater Alex Dorow, der bei den Kriminalstücken des Theater-Schondorf Regie führt und eine solche Rolle auch in diesem Märchen spielt, brachte den besonderen Charme des Stückes für die Darsteller auf den Punkt: „Familientheater anstatt Theater in der Familie.“ Das Besondere an dieser Aufführung sei die Bandbreite der Schauspieler: der jüngste fünf, der älteste über 70 – und ganze Familien spielen mit.

Denen steht die intrigante und verlogene Welt des Hofes gegenüber, an dem selbst das Spiegelbild der Königin (gespielt von der mit ihrem mimischen Können so brillanten Simone Elsässer) der eitlen Königin Widerspruch und verdeckten Spott bietet. In einer Ballszene bei Hofe, für die unter der Anleitung und Choreografie von Dr. Brigitte Lingnau-Zimny aus Riederau eigens ein Menuett eingeübt wurde, zeigt auch die höfische Gesellschaft, dass der Begriff „Hof“ nichts mit „höflich“ zu tun hat.

Meisterhafte Kostüme

Wie schon in mehreren Stücken zuvor, begeistern wieder einmal die Kostüme, für die Christel Gebhardt (Dießen) verantwortlich zeichnet. So trägt die Königin in der Ballszene ihr als Meisterstück angefertigtes Kostüm für die „Königin der Nacht“ aus Mozarts Zauberflöte. Die Mützen der Zwerge jedoch sind echte Unikate, welche die Zwerge höchstpersönlich unter der Anleitung von Ulrike Peters (Finning) gefilzt haben. Eingebettet ist die Vorstellung in Kulissen, die von Gerd Hoffmann (2005) und Andreas Klocker (1999) für andere Theaterstücke gemalt wurden und auch hier einen passenden Rahmen bieten.

Vorgesehen sind in Schondorf noch zwei weitere Vorstellungen, am 10. und 11. Mai, jeweils um 16 Uhr. Karten können im Internet auf der Homepage des Vereins (www.theater-schondorf.de) reserviert werden. 

Wie der Vorstand wissen ließ, wird der Verein am 17. Und 18. Mai noch je eine Vorführung für die Kinder der Platanenschule und der Katharinenschule in Landsberg geben, um diese Brennpunktschulen besonders zu unterstützen. Zu diesen nicht öffentlichen Vorführungen erhalten die Kinder der jeweiligen Schule mit ihren Eltern und Lehrern freien Eintritt.

Nicht für den eigenen Verein, sondern für das in Dießen am Ammersee entstehende Kinderhospiz „Theotinum“ werden die Zwerge allerdings – wie auch in Schondorf – im Anschluss an die Aufführungen um Spenden bitten. Der Verein hofft für dieses Projekt auf große Spendenbereitschaft beim Publikum sowie bei den Lehrern und Eltern der beiden Landsberger Grundschulen.

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