Im blauen Kosmos

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Verfremdungseffekt: Christian Wahl, Maler und Bildhauer aus Dießen, übermalt historische schwarzweiß Fotografien auf Leinwand.

Dießen – Am Himmel vor dem Haus flattert weithin sichtbar Nanni Weixlers „Blaues Wunder“, eine 40 Quadratmeter große Fahne aus blauem Seidenorganza, und am Straßenrand weist eine überlebensgroße tiefblaue Figur aus der Bildhauerwerkstatt von Josef Lang den Weg: Mit der Ausstellung „Blau“ ist im Blauen Haus an der Prinz-Ludwig-Straße 23 wieder kulturelles Leben eingekehrt. Wie sehr dies gewünscht und gebraucht wird, zeigte am Freitagabend der große Ansturm zur Ausstellungseröffnung.

„Genau so haben sich die Macher der Ausstellung diesen Abend vorgestellt“, freute sich Christiane Graf, gemeinsam mit den zahlreich anwesenden Künstlern und dem Publikum. Die aus einer Uttinger Künstlerfamilie stammende Textildesignerin betreibt seit einem Jahr das ehemalige Kultcafé im Blauen Haus, das ab sofort „Hauscafé“ heißen wird. Sie ist Mitinitiatorin der Ausstellung „Blau“ und derzeit noch Mieterin des Ausstellungsaales, der ab Juli von der Gemeinde verwaltet und für Kunstprojekte zur Verfügung gestellt wird. „Bis dahin nehme ich die Möglichkeit wahr, ganz viele Künstler zu zeigen und hoffe, dass es dann seitens der Gemeinde so fortgeführt wird“.

Diese Absicht der Gemeinde bezeichnete Kunsthistoriker Dr. Thomas Raff in seiner kurzen Ansprache als weitsichtig und lobenswert. Hinsichtlich der aktuellen Ausstellung freute sich Raff besonders über die gelungene Präsentation der zahlreichen und vielfältigen Arbeiten von mehr als 30 teilnehmenden Künstlern aus der Region: „Allein die Hängung ist Kunst“. So grüßt zum Beispiel aus der westlichen oberen Raumecke Hajo Düchtings herbstlicher Drache „Orpheus“ und korrespondiert auf wundersame Weise mit Martin Gensbaurs Ölgemälde „Issing“, das in der gegenüberliegende oberen Raumecke seinen Platz gefunden hat, ein Platz, der in Russland Ikonen vorbehalten war, wie der Künstler erzählt – vergleichbar mit dem Herrgottswinkel in Bayern.

Interessante Perspektiven und Blickachsen ergeben sich auch dank der Säulen und Objekte in der Raummitte. Hier befindet sich zum Beispiel Nanny Weixlers „Blaue Säule“ aus zarten, hellblauen Organza-Bahnen, das zentral platzierte Gemälde „barbeau (Kornblume)“ von Heidi Wolf, eine weitere überlebensgroße, aus einem Stamm geschlagene grünblaue Figur aus der Werkstatt des Landsberger Bildhauers Josef Lang – wie zur Entspannung Kopf und Hände in den Nacken gelegt blickt der hölzerne Mann in den Himmel - sowie Nue Ammanns „interaktive Text-Installation Blaupause“ in Form einer Strandbad-Umkleidekabine: Tritt man ein, sieht man sich im Inneren mit umlaufenden Schriftzügen konfrontiert, die formal als Strudel angeordnet sind und in die Tiefe ziehen: Versinken, eintauchen, eins werden – Gedanken zu Blau als Erfahrung der Entgrenzung.

Zum Verweilen laden auch die zahlreichen Werke ein, die ringsum die Wände schmücken, wie zum Beispiel das Ölbild „Planet Blue“ von Inge Frank. „Als Künstlerin mache ich was ich will – also erschaffe ich mir einen friedlichen blauen Planeten“, sagt sie. Oder der Zyklus „Venezia“ von Christian Wahl. Der Maler und Bildhauer hat alte Postkarten, die er in einem Antiquariat in der Lagunen-Stadt erworben hat, kopiert, vergrößert und übermalt.

Einen ganz eigenen Akzent setzen die Fotografien. So zum Beispiel von Christoph Franke, der sich nach 25 Jahren als professioneller Fotograf in die künstlerische Fotografie verliebte und der Farbe Blau mit einer blauen Luftmatratze und zwei blauen, zum Trocknen aufgehängten T-Shirts unter dem Titel „Sehnsucht“ ein sommerlich anmutendes Denkmal setzt.

Zu entdecken gibt es viel, wenn man sich hineinziehen lässt in die Sogwirkung der Farbe Blau im Blauen Haus. Die Ausstellung ist bis zum 24. November, jeweils mittwochs bis samstags von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

Ursula Nagl

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