Gehen Sie nicht über Los, sondern...

Reiten Sie direkt ins Gefängnis!

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Kein Geld, aber ein krankes Pferd – diese Kombination brachte eine 53-Jährige aus dem Landkreis Landsberg jetzt ins Gefängnis.

Dießen/Landsberg – Kein Geld, aber ein krankes Pferd – diese Kombination hat eine 53-Jährige vor das Amtsgericht Landsberg gebracht. Die Frau hatte im Juni 2014 ihre Stute in einer Pferdeklinik am Ammersee behandeln lassen, blieb den größten Teil der Rechnung aber schuldig. Wie sich in der Verhandlung herausstellte, stand sie schon seit einiger Zeit finanziell am Abgrund und hatte den Überblick über ihre Schulden längst verloren.

„Keine Ahnung“, räumte die Angeklagte freimütig ein, als Richter Alexander Kessler sie nach der Gesamthöhe ihrer Verbindlichkeiten fragte. Die Bürokauffrau hatte ihren Job verloren und lebte von Hartz IV, was sie aber nicht davon abhielt, ein Pferd zu halten und in einem Mietstall unterzubringen. Als die Stute eine Kolik bekam, brachte sie sie in die Klinik nach Dießen. Die Tatsache, dass sie die Kosten nicht würde bezahlen können, behielt sie wohlweislich für sich – und machte sich dadurch des Betrugs schuldig.

Nach vier Tagen Behandlung mit Infusionen waren rund 1.000 Euro fällig. Die 53-Jährige holte das Pferd wieder ab und zahlte 300 Euro in bar, der Rest ist bis heute offen. Die Stute habe gar nicht ihr gehört, erklärte die Angeklagte vor Gericht. Sie sei ihr lediglich von der Eigentümerin überlassen worden. Vergeblich hoffte sie, diese werde zu den Tierarztkosten etwas dazugeben. „Aber sie hat mich im Stich gelassen.“

Die Tierklinik übergab den Fall an eine Inkassofirma, wodurch die Kosten inzwischen weiter gestiegen sind. Und offenbar waren der sechsfach vorbestraften Frau noch weitere Gläubiger auf den Fersen. Um dem Gerichtsvollzieher zu entgehen, zog sie in kurzen Abständen immer wieder um „wie eine Getriebene“, so Kessler. Zuletzt hatte sie gar keinen festen Wohnsitz mehr und landete prompt wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. „Ich wusste nicht, was ich zuerst zahlen soll“, sagte die Angeklagte. Da

 Pferd von damals hat sie inzwischen nicht mehr, wohl aber ein anderes, das in einem neuen Stall steht. Durch das Reiten habe sie einen Bekanntenkreis, „sonst habe ich niemanden“.

Vor Gericht gab sich die gebürtige Bobingerin einsichtig. „Ich suche mir in Zukunft lieber eine Reitbeteiligung, das ist wesentlich günstiger.“ Sie wolle auch eine Schuldnerberatung und therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Dazu wird sie nun im Gefängnis Gelegenheit bekommen. Staatsanwalt Andreas Roth forderte sieben Monate Haft, Verteidigerin Anita Trautwein maximal sechs Monate. So lautete dann auch das Urteil. Dass angesichts des Vorstrafenregisters keine Bewährung mehr in Frage kam, darin waren sich alle einig.

„Sie reiten in Haft“, wandte sich Richter Alexander Kessler an die Adresse der Angeklagten. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Ulrike

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