"Bericht aus Berlin"

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Theaterleiter Florian Werner berichtet vom Berliner Theatertreffen. Rechts Moderatorin und TILL-Vorsitzende Sabine März-Lerch.

Landsberg – Schon die Autoren der griechischen Antike bedienten sich dem Botenbericht, um dem Publikum Geschehnisse zu vermitteln, die sie nicht selbst erlebt haben. Einen „Botenbericht“ vom Berliner Theatertreffen gab es für die Zuhörer am Mittwoch im Foyer, die der Einladung des Theaterfördervereins TILL gefolgt waren.

Wohin bewegt sich das Theater, wie sind die Trends? Auf diese Frage gibt Florian Werner, dem TILL die Reise nach Berlin ermöglicht hat, eine abschlägige Antwort. Die Inszenierungen des Theatertreffens seien zwar die zehn „bemerkenswertesten“ Inszenierungen, aber kein repräsentativer Querschnitt durch die deutschsprachige Theaterlandschaft. Trotzdem sei das Theatertreffen „impulsgebend“. 

Einen Trend könne man allerdings feststellen, die Orientierung zu einer stark körperbetonten Spielweise. „Die körperlichen Anforderungen an die Schauspieler sind gestiegen, sie müssen zum Teil artistische Fähigkeiten besitzen“, meint Werner. Das beherrschende Thema des diesjährigen Theatertreffens sei das Spiel mit der Form. Susanne Kennedy treibt die Enge des Stücks „Fegefeuer in Ingolstadt“ von Marieluise Fleißer ins Extrem, indem sie ihre Akteure in einem engen Raum statisch agieren lässt, nicht mal selbst sprechen lässt, sondern ein Playback einspielt. Frank Castorf vermischt in seiner Inszenierung „Reise ans Ende der Nacht“ Theaterformen mit Elementen des Reality-TV zu einer Art Multimedia-Event und schafft damit eine ganz neue, eigene Form, bei der der Inhalt zum Teil in den Hintergrund rückt, wie Florian Werner erklärte. Eine Diskussion, an der sich einige der Zuschauer, angeregt von Moderatorin Sabine März-Lerch, gerne beteiligte. 

Darf der Inhalt hinter der Form verschwinden? Die Produktion des Wiener Burgtheaters – „Die letzten Zeugen“ eine Kombination aus Lesung und Darstellung „echter“ Zeugen. Eine komplette Aufhebung der Grenzen bedeutet die Produktion „Rimini-Protokoll“, eine Installation verschiedener Räume, in denen die Zuschauer selbst agieren, filmen und selbst gefilmt werden, vermischt mit Einspielungen. „Im Prinzip spielt es aber für mich keine Rolle, ob es ,Theater‘ ist oder nicht, wenn es ein intensives Erlebnis ist“, fasst Werner zusammen. 

Als „Bonbon“ und logische Fortführung der Diskussion gaben die Regisseure Ion C. Thoma (zuletzt im Stadttheater mit „Faust, die Frauen und das Wasser“) und Wolfgang Nägele („Unsere Jungs“) einen Ausblick auf die nächsten Produktionen, mit denen sie in Landsberg zu Gast sein werden. Thomas „Ballade der Mädchen vergangener Zeit“ basiert auf den Erzählungen seiner Mutter, einer nach Sibirien deportierten Bäuerin und dem Tagebuch eines in Auschwitz internierten Mädchens. Nägeles Collage „Nimmersatt“ spielt mit den verschiedenen Facetten des Themas „Macht“. Auch das Stadttheater wird eine Eigenproduktion auf die Bühne bringen, die sich mit den beiden berühmten Landsbergern Hubert von Herkomer und Alois Wolfmüller befasst.

Patricia Eckstein

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