Trachtler ohne Festveranstalter:

Das nächste Gaufest fällt aus

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Allein beim Festumzug am Sonntag wurden für das diesjährige Lechgau-Trachtenfest in Apfeldorf 4000 Festzeichen verkauft. Im kommenden Jahr wird es so einen prächtigen Festzug nicht geben.

Landkreis – Erstmals wird es im kommenden Jahr kein Gaufest im Lechgau geben. Nicht mehr alle Trachtenvereine sind offensichtlich in der Lage, eine derart aufwändige Veranstaltung zu stemmen, und zwar personell wie finanziell. Am Rande schwingt noch der Unmut wegen traditionsferner Veranstaltungen wie dem Spider Murphy Gang-Auftritt im Juli beim Gau-Trachtenfest in Apfeldorf mit.

Was sich bei den Nachbarn im Huosigau schon seit Jahren abzeichnet, trifft im kommenden Jahr erstmals auch den Lechgau: Während die Gaufeste 2016 (Steingaden) und 2017 (Reichling) bereits vergeben sind, fand sich bei der Gau-Herbstversammlung kein einziger Bewerber, der das Gaufest 2015 ausrichten kann und will.

Einen Grund sieht Franz Multerer in der Bevölkerungs-Struktur: „Die drei Stadtvereine sind ein bisschen schwach“, erläutert der Vorstand des Trachtenverbandes. Der Lechgau ist mit 19 Vereinen einer der kleinsten im Bayerischen Trachtenverband. Speziell die städtischen Vereine sind mittlerweile nicht mehr so gut aufgestellt, die Mitgliederzahlen in Landsberg, Kaufbeuren und Neu-Ulm liegen jeweils bei unter 100, während die ländlichen Vereine im Schnitt 300 Mitglieder haben, der stärkste Verein, Alpenrose Peiting, zählt sogar knapp 400. „Bei uns stehen die Kommunen einfach noch besser dahinter“, so Multerer. Im städtischen Bereich müsse hingegen jeder Handgriff bezahlt werden, was die Durchführung eines Gaufestes mit vielen tausend Beteiligten für die Vereine dort nahezu unmöglich macht.

Doch nicht nur zahlreiche Helfer – vom Aufbau des Festzeltes bis zum Verkauf der Festzeichen – werden bei den Gaufesten benötigt. Rein finanziell ist die Veranstaltung durchaus ein Risiko. Zwar will Multerer keine konkreten Zahlen nennen, aber allein jede Musikkapelle, die beim großen sonntäglichen Umzug dabei ist, bekommt ein Handgeld, ebenso wird ein Betrag für die Festwagen fällig. 150 bis 200 Euro sind angeblich im Lechgau für eine Blaskapelle üblich, bis zu 150 Euro für einen Festwagen, wobei der Fahrer oftmals mehr bekommt. Am Beispiel des letztjährigen Gaufestes in Apfeldorf mit 20 Blaskapellen, sechs Trommlerzügen und elf Festwagen kommt da schnell eine größere vierstellige Summe zusammen. Plus Festzelt, plus Versicherungen, plus Bereitstellung von Sanitätern, und und und.

Diese Ausgaben werden auch ganz schnell verregnet. Warum also nicht in Zeiten, in denen nicht mehr alle Trachtenvereine mit der Unterstützung traditionsbewusster Bevölkerung gesegnet sind, ein Gaufest finanziell durch publikumsträchtige Rahmenveranstaltungen auf sichere Füße stellen? Diesbezüglich Schlagzeilen machten im Juli nicht nur die Ruhpoldinger, die sich LaBrassBanda zum Gautrachtenfest eingeladen hatten. „Skandal im Sperrbezirk“ hieß es wohl auch hinter den Kulissen in Apfeldorf. Eine Woche vor dem Gaufest trat die Spider Murphy Gang im Festzelt auf – zeitlich getrennt zwar, aber dennoch auf Einladung und unter der Regie der Apfeldorfer Trachtler.

Franz Multerer, dem Ankündigungen in der Zeitung wie „Wenn die Spider Murphy Gang die Bühne betritt, ist das Lechgaufest gerettet“, gegen den Strich gehen, bleibt bei seiner Kritik, dass Veranstaltungen eines Trachtenfestes zu den Zielen in der Vereinssatzung und dem Leitbild des Bayerischen Trachtenverbandes passen sollten. Wobei er feststellt: „Wir sind nicht gegen diese Gruppen, wir sind selbst überall unterwegs gewesen, aber es geht um die Darstellung nach außen.“ Zudem argumentiert Multerer, dass die Vereine mit großem Rahmenprogamm ebenso baden gehen können.

Auch wenn es kein Lechgaufest 2015 gibt, ist der Terminkalender für die Lechgau-Trachtler schon gut gefüllt. Ganz nach dem Motto „Nix ist zu wenig“ (Multerer) haben sich die Illachtaler Rottenbuch bereiterklärt, ein Gauvereine-Treffen im Herbst 2015 zu veranstalten, das sich direkt an den Fohlenmarkt anschließt. Geplant ist ein Kirchenzug, eine Festmesse und am Nachmittag ein Gaujugendtag. Vielleicht bleibt es ohnehin bei der einjährigen Gaufest-Pause: Neben den Zusagen der Vereine Almfrieden Steingaden und Wurzbergler Reichling für 2016 und 2017, feiern gleich sechs Trachtenvereine im Lechgau im Jahr 2021 ihr 100-jähriges Bestehen: Apfeldorf, Hofstetten, Kaufbeuren, Rottenbuch, Seestall und Westendorf – Grund genug, um groß zu feiern.

Elke Robert

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