Tradition als Publikumsmagnet

Albert Fichtl gießt kein Öl ins Feuer, sondern Wasser. Es hat einen ähnlichen Effekt: Die Flammen lodern auf. „Das Wasser verhindert, dass die Kohle zu einem Klumpen zusammenklebt“, erklärt der Landmaschinenmechaniker aus Kaltenberg. Eigentlich sind Traktoren und Mähdrescher Fichtls täglich Brot, doch auf dem Geltendorfer Dreschfest hat er es mit ganz anderen Arbeitsgeräten zu tun: Neben der qualmenden Esse steht ein altertümlicher Amboss, schwere Schmiedehämmer liegen bereit, und Fichtl verwandelt sich vom modernen Mechaniker in einen Schmied verflossener Zeiten.

Ein echter Vertreter dieser Zunft, der das Handwerk in jungen Jahren noch auf traditionelle Weise ausgeübt hat, ließ sich für die Veranstaltung nicht mehr auftreiben. Auch der Wagner, der auf früheren Dreschfesten stets sein Handwerk vorführte, musste diesmal aus gesundheitlichen Gründen absagen. Die altertümliche Dampfmaschine fiel während der Vorführung mit einem Dichtungsschaden aus. „Ein Stück Tradition verliert sich“, bedauert Ewald Kapfhammer, Kommandant der Geltendorfer Feuerwehr, die das Dreschfest organisiert. Trotzdem war das Fest heuer das vielleicht erfolgreichste aller Zeiten. „So schönes Wetter und so viele Besucher wie noch nie,“ bilanziert der Geltendorfer Anton Leitenstorfer, der seit dem Start 1996 kein Dreschfest verpasst hat. Gut 3000 Besuchern kamen zum Liebich-Hof in der Riedgasse. Und sie bekamen einiges zu sehen – von den Vorführungen verschiedener Dreschtechniken bis hin zum Kampf Mensch gegen Maschine, einem Wettmähen zwischen vier Vertretern des Vereins „Ramsacher Sensenschinder“ und einem Traktor. In weniger als einer Minute mähen beide das Gras auf der jeweils ein Ar großen Fläche nieder, wobei die vier Sensenmänner ein respektables Remis gegen Hans-Georg Liegsalz mit seinem John-Deere-Bulldog zustande bringen. Dieter Rebholz aus Emmering ist mit seinen Kindern aufs Dreschfest gekommen, um ihnen zu zeigen, wie früher auf dem Bauernhof gearbeitet wurde. „Ein Feld vor unserem Haus“ war bisher der einzige Bezug der Familie zur Landwirtschaft. In einem Winkel des Veranstaltungsgeländes ziehen derweil Miniaturtraktoren, kleine Bagger und Kipplaster ihre Bahnen, pflügen Furchen, heben Gruben aus, laden Erde ab. „Die Modelle sind alle handgefertigt und haben gut und gerne den Wert eines Kleinwagens“, erklärt Aloisia Nassl vom Augsburger Modellbauverein Rubber Duck. Zum Leidwesen der umstehenden Kinder: Sie müssen auf ein eigenhändiges Ausprobieren verzichten.

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