Die Traditionen pflegen

Der Musikwissenschaftler und Kirchenmusiker und Bernhard Kölbl ist der neue Münsterorganist in Dießen. Foto: Nagl

Der Ausblick von der Orgelempore des Marienmünsters in das mehr als 70 Meter lange Kirchenschiff ist überwältigend – vorbei an goldenen Stukkaturen, kunstvollen Deckenmalereien und Seitenaltären wandert der Blick zum „Dießener Himmel“ mit seinen 28 Seligen und Heiligen aus dem Grafengeschlecht der Dießener und Andechser: „Ich freue mich, dass die Königsorgel die vielfältigen Eindrücke, die diese Kirche vermittelt, musikalisch widerspiegeln kann“, lobt Bernhard Kölbl das Instrument, das er ab sofort zum Klingen bringen darf. Der 34-jährige promovierte Musikwissenschaftler und Kirchenmusiker ist Dießens neuer Münsterorganist und er freue sich auf seine anspruchsvolle Aufgabe.

Geboren und aufgewachsen ist Bernhard Kölbl in Wielenbach. Er hatte Glück, denn seine Eltern legten Wert darauf, dass ihre Kinder eine „solide musikalische Grunderziehung“ erhalten. Kölbl erlernte das Orgelspiel bei Elmar Geiger in Peißenberg. Der hauptamtliche Kirchenmusiker prägt seit vielen Jahren das musikalische Spektrum der Pfarreiengemeinschaft Peißenberg, die bekannt ist für ihr vielfältiges kirchenmusikalisches Angebot. „Die Unterrichtsjahre in Peißenberg waren prägend für mich“, erinnert sich Kölbl. „Eigentlich wollte ich einfach Orgelspielen lernen, aber Elmar Geiger hat mich komplett in die Kirchenmusik einbezogen, deren liturgische und verkündende Funktion mich schnell faszinierte. Von diesen Erfahrungen zehre ich bis heute.“ Es folgte ein Studium der katholischen Kirchenmusik und Instrumentalmusik am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg. In München schloss er das Studium der Musik- und Theaterwissenschaft an, praktische Erfahrungen als Organist und Chorleiter in Augsburg, Pähl und Wielenbach kamen hinzu. Außerdem gab Bernhard Kölbl solistische Konzerte als Organist und wirkte an zahlreichen Konzerten auf der Orgel und am Cembalo mit. Im Rahmen seiner neuen Tätigkeit als Münsterorganist steht für ihn allerdings weniger die musikalische Selbstverwirklichung im Vordergrund. Stattdessen freue sich darauf, die ganze Breite der kirchlichen Orgelmusik auf der Königsorgel zum Klingen zu bringen. „Das ist ja auch so ein bisschen der Auftrag, den die Kirche dem Kirchenmusiker ins Stammbuch geschrieben hat: Wir sind für eine vielhundertjährige, an die Liturgie gebundene Tradition verantwortlich, die wir pflegen sollen“, erklärt der Organist. „Was das Konzertleben betrifft“, so Kölbl weiter, „wird die Verantwortung in nächster Zeit im Wesentlichen bei denjenigen bleiben, die das bis jetzt auch ganz hervorragend organisiert haben. Damit werde ich vorerst nur dann zu tun haben, wenn ich angefragt werde.“ In der angestrebten Konstellation kann Bernhard Kölbl, der vor allem an Wochenenden und Feiertagen mit wöchentlich 17 Stunden nebenamtlich als Organist tätig sein wird, seinen Hauptberuf als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Musikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München fortsetzen. Um die Anforderungen des kirchenmusikalischen Lebens zu bewältigen, soll dem neuen Organisten bald ein weiterer Kirchenmusiker zur Seite gestellt werden. Ganz besonders freue sich der neue Münsterorganist auf die erste große Herausforderung an der Königsorgel – die musikalische Ausgestaltung der Ostermesse. Für welches Orgelwerk er sich entscheiden wird, kann er noch nicht sagen: „Im Moment habe ich noch drei Varianten zur Auswahl.“

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