Ein trauriges Ende

In den eiligen Bemühungen um die potenzielle Übernahme des Nachwuchses durch den HCL geht derzeit fast unter, dass mit dem EV Landsberg immerhin erst einmal noch ein Landsberger Traditionsverein offiziell abgewickelt werden muss. Damit das möglichst ordentlich vonstatten geht, macht sich Hans-Jürgen Böttcher noch einiges an Arbeit – sieht sich aber wieder einmal der Rolle als Einzelkämpfer gegenüber.

„Der Briefverkehr läuft ganz normal weiter. Die Post wird selbstverständlich weiter geöffnet und bearbeitet“, sagt Ex-EVL-Vorsitzender Böttcher gegenüber dem KREISBOTEN, „auch unsere ehemalige Geschäftsstellen-Mitarbeiterin arbeitet noch weiter mit, was ich ganz toll finde. Wir bringen das ordentlich zu Ende, hier verschwindet niemand einfach so.“ Für die Abwicklung wird der ehemalige Vorstand nach eigener Auskunft auch noch in den nächsten Wochen zur Verfügung stehen. „Ein Freund von mir beginnt im Sommer mit dem zweiten Bauabschnitt von Ferienresidenzen im Chiemgau, da werde ich von 1. Juli an bis Januar oder Februar mitarbeiten und mich wirtschaftlich erst mal wieder aufbauen. Da komme ich her, ich bin ehrlich gesagt auch froh, wenn ich da wieder hinkomme. Aber vorher will ich hier die Dinge geregelt haben.“ Dazu gehört auch, dass Spendenquittungen für die Gelder ausgestellt werden, die bis zuletzt noch in den EVL gesteckt wurden. Böttcher: „Für alles, was die Zeit bis einschließlich März betrifft, sollen die Leute zu mir kommen, dann regeln wir das.“ Auch für den Nachwuchs hat er ein offenes Ohr. „Uwe Köhn möchte sich mit mir treffen. Ich will und kann mit dem Landsberger Eishockey in Zukunft in offizieller Funktion nichts mehr zu tun haben, aber wenn ich ihm helfen kann, werde ich das tun. Er ist in schwierigen Zeiten immer zu mir gestanden und hat mir geholfen, wenn sonst niemand mehr da war. Das gebe ich jetzt natürlich zurück.“ Ähnlich versöhnlich zeigt sich Böttcher gegenüber seinem ehemaligen Stellvertreter Josef Keller. „Aufgrund der vollmundigen Zusage von Jochen Mörz, auf jeden Fall schnell 20000 bis 40000 Euro Sponsorengelder zu besorgen, hat Keller ein Darlehen von 10000 Euro an den Verein gegeben. Er ist Familienvater und muss dafür jetzt jeden Monat 500 Euro abdrücken, was für ihn nicht leicht ist. Ich habe das damals befürwortet und an Mörz geglaubt, dafür muss ich mich jetzt ehrlich bei Josef Keller entschuldigen.“ Keinerlei Reaktionen Auf seinen Stellvertreter Mörz, der derzeit noch das einzige offizielle Vorstandsmitglied des EVL ist, ist Böttcher dagegen nicht mehr gut zu sprechen. „Er wollte offiziell zurücktreten, das hat er nicht getan. Ich rufe ihn seit Wochen an, schicke SMS, ich versuche, in jeder Form mit ihm Kontakt aufzunehmen, bekomme aber keinerlei Reaktion. Das ist nicht in Ordnung.“ Ebenso wirft er den Fanclubs Fahnenflucht vor: „Wir mussten noch eine Wohnung auflösen. Da war die Unterstützung der Fanclubs vereinbart. Zum Schluss sind jetzt diese 400 Euro an mir hängen geblieben. Da gab es klare Zusagen, da bin ich im Stich gelassen worden, obwohl man in der Pflicht war.“ Für die Zukunft des Eishockeys in Landsberg sieht Böttcher allerdings nicht schwarz. „Kielhorn (Franchisenehmer für sieben Märkte bei McDonald's; er hat bereits bis 2013 im Voraus Sponsorengelder an den EVL bezahlt, d. Red.) ist natürlich von der Situation nicht erbaut. Er ist aber auch nicht wirklich böse, ich mache Werbung für ihn in den nächsten Jahren ohne Provision, ich denke, man könnte ihn ansprechen.“ Ähnliches gelte für den langjährigen EVL-Sponsor Aktien-Brauerei in Kaufbeuren: „Wenn es irgendwie weitergeht, glaube ich, dass die Aktien mit im Boot ist.“ Die Schlussabrechnung für den EVL sieht Böttcher ebenfalls nicht so düster wie befürchtet: „Die Zahlen, die im Umlauf sind, stimmen meiner Meinung nach nicht. Es werden zum Schluss 300000 bis 350000 Euro sein, die übrig bleiben, mehr wird das nicht.“ Obwohl das Insolvenzverfahren über den EVL noch nicht öffentlich eröffnet wurde, gibt es offenbar bereits eine Verfahrensnummer, unter der ehemalige Trainer und Spieler ihre ausstehenden Zahlungen anmelden können. Böttcher: „Sowohl Dave Rich als auch einige Spieler haben mir gesagt, dass sie wohl von dieser Stelle ihr Geld bekommen werden.“ Derzeit prüft das Amtsgericht Augsburg aber noch, ob man überhaupt ein Verfahren eröffnet; angesichts der geringen Masse scheint das fraglich. Damit würde der EV Landsberg einfach aus dem Vereinsregister gelöscht.

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