"Eine Art Heimat geben"

+
In der Übergangsklasse werden 15 Schüler verschiedener Nationen unterrichtet.

Landsberg – Mit der Entscheidung des Stadtrats für die Sanierung der Landsberger Mittelschule ist Schulleiter Christian Karlstetter schon mal eine große Last von den Schultern gefallen. Doch Zeit zum Durchatmen hat er kaum, denn im Schulbetrieb warten weitere Aufgaben auf ihn und seine Kollegen. Die größte davon ist derzeit die Integration von rund 110 Schülern mit Migrationshintergrund.

570 Kinder und Jugendliche besuchen aktuell die Mittelschule Landsberg, verteilt auf die Standorte Schlossberg und ehemalige Fritz-Beck-Schule. 110 von ihnen sind Nicht-Deutsche, 30 bis 35 sprechen und verstehen die Sprache noch nicht einmal ansatzweise. „Viele Kinder kommen aus den Krisengebieten wie Syrien oder Afghanistan, es sind aber auch viele EU-Ausländer dabei wie Spanier, Italiener und Rumänen“, erzählt Christian Karlstetter. Deren Eltern kommen nach Deutschland, um dort Arbeit zu finden. Wie also integriert man diese in den regulären Schulalltag? 

An der Mittelschule gibt es derzeit zwei Möglichkeiten. Im letzten Jahr konnte mithilfe der Hirschvogel-Stiftung ein Deutschkurs angeboten werden, an dem 15 Schüler im Alter von 12 bis 17 Jahren aus insgesamt zehn Nationen teilnahmen. Großteils mit diesen Kindern und Jugendlichen wurde in diesem Schuljahr eine Übergangsklasse eingerichtet, in der der überwiegende Teil der Schüler nach dem Lehrplan der 8. Klasse unterrichtet wird. „Die Schüler blühen dort förmlich auf und sind hochmotiviert zu lernen“, begeistert sich Karlstetter. Ziel sei nach dem Schuljahr der Übertritt in die Regelklassen. 

Unterstützt wird die Lehrkraft der Übergangsklasse vom Verein „Alt hilft Jung“. So unterstützt Dieter Schmid ehrenamtlich eine Gruppe der Übergangsklasse bei der Sprachpraxis, drei Damen des Vereins gestalten 14-tägig einen Nachmittag für die Gruppe, immer mit dem Ziel, den Schülern ihre neue Heimat und deren Kultur näherzubringen. Zudem unternimmt die Übergangsklasse viel mit den anderen Klassen, beispielsweise im Januar bei einer Fahrt ins Schullandheim. Leider reiche die Kapazität nur für eine Übergangsklasse, bedauert der Direktor, der von diesem Konzept voll überzeugt ist. Daher müsse man die anderen ausländischen Schüler in den Regelklassen unterrichten, wo sie insbesondere von einem Förderlehrer unterstützt werden. „Das Problem ist natürlich auch, dass viele Schüler während des Schuljahres dazu kommen. Da müssen die Lehrer quasi jedes Mal wieder bei Null anfangen“. 

Zudem seien manche der Neuankömmlinge traumatisiert. „Wir sind natürlich keine Psychologen. Unsere Kollegen besuchen zwar Fortbildungen zum Umgang mit traumatisierten Kindern, aber therapieren können wir niemanden. Alles was wir versuchen ist, den Kindern zu zeigen, dass sie willkommen sind und ihnen in der Schule eine Art Heimat zu bieten.“ Da zeige sich die Schulfamilie geradezu vorbildlich, das Miteinander von Deutschen und Nicht- Deutschen funktioniere sehr gut, auch dank vieler gemeinsamer Projekte und Feste und nicht zuletzt dank eines „sehr engagierten Kollegiums“, wie Karlstetter betont, und eines klaren Konzepts. „Wir betreiben hier keinen Aktionismus, es steckt schon ein Konzept dahinter“. 

Und dieses Konzept stellt sich mittlerweile einer neuen Herausforderung. 13 junge Männer, sogenannte „unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge“, die vom SOS-Kinderdorf betreut werden, werden seit kurzem in den Räumen der Mittelschule unterrichtet, zwar ebenfalls von einer Lehrkraft des SOS-Kinderdorfes, aber Schulhof und Gemeinschaftsräume werden ge- meinsam mit den Mittelschülern genutzt. „Wir werden da ebenfalls versuchen, Nahtstellen zu finden, damit die Integration klappt“, meint Karl- stetter. Er ist jedenfalls stolz auf seine Schüler und die Kolleginnen und Kollegen, die den vielen „Neuen“ eine gute Auf- nahme ermöglicht haben. „Ob es immer so gut klappen wird, weiß man nicht, aber wir sind da auf einem guten Weg“.

Patricia Eckstein

Meistgelesene Artikel

Vollgas auf eisiger Piste

Reichling – Frostiges Motorsportspektakel unter Flutlicht: Am Freitag, 20. Januar, richtet der MSC Reichling wieder die Zugspitzmeisterschaft im …
Vollgas auf eisiger Piste

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Noch ein Protest-Kunstwerk

Holzhausen – Wie einst Asterix und seine Gallier gegen die Römer kämpfen Daniel Fusban und seine Holzhauser Mitbürger gegen die übermächtige …
Noch ein Protest-Kunstwerk

Kommentare