Überleben im Mulm

Forstwirtschaftsmeister Knoblich vom Forstbetrieb Landsberg sägt ein geeignetes Stammstück aus der umgestürzten Eiche. Foto: AELF

Eine Rettungsaktion für einen seltenen Käfer ist vergangene Woche im Westerholz über die Bühne gegangen. Für den dort lebenden Eremit ließ die Bayerische Staatsforsten das Teilstück einer mächtigen Eiche wieder aufrichten.

Wie Eva-Maria Birkholz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürstenfeldbruck (AELF) auf Anfrage des KREISBOTEN berichtet, fanden die AELF-Mitarbeiter Gero Brehm und Remigius Hammerl bereits im September im Westerholz bei Kaufering Überreste des Eremiten. Es handelt sich dabei um einen seltenen einheimischen Käfer. „Sie entdeckten Fragmente des etwa vier Zentimeter langen, schwarz glänzenden Juchtenkäfers in einer Baumhöhle einer mächtigen, umgesturzten Eiche“, so Birkholz weiter. Zur Rettung der noch im Stamm lebenden Larven habe dann der Forstbetrieb Landsberg von den Bayerischen Staatsforsten am vergangenen Freitag ein Teilstück der Eiche wieder aufgestellt. Zuvor sägte Forstwirtschaftsmeister Jürgen Knoblich aus dem liegenden Baumriesen einen knapp vier Meter langen, besonders mulmreichen Abschnitt des Stammes heraus, den der Friedberger Holzrücker Lorenz Treffler dann wieder aufrichtete. Denn nur im trockenen Mulm, dem sich zersetzenden toten Holz, eines stehenden Stammes können die Larven überleben und sich zum Käfer weiterentwickeln. Die Eremiten sollen dann, so die Hoffnung des zuständigen Revierleiters Klaus Wehr, neue Brutbäume besiedeln und damit diese Art am Leben erhalten. Das altbaumreiche Westerholz biete dafür beste Voraus­- setzungen. Der Eremit komme im Landkreis Landsberg lediglich noch im FFH- und Naturschutzgebiet „Seeholz und Seewiesen“ bei Riederau vor. Der "Juchtenkäfer" Der zur Unterfamilie der Rosenkäfer gehörende Eremit (Osmoderma eremita) und seine Larven leben in Baumhöhlen alter, dicker Laubbäume. Die Männchen posieren häufig am Eingang der Baumhöhle und verströmen hierbei einen Duft, der die Weibchen anlockt und nach Juchtenleder riecht, weshalb der Eremit auch als „Juchtenkäfer“ bezeichnet wird. Naturnahe Wälder mit dicken Altbäumen gibt es nur noch wenige. Der Eremit ist deshalb selten geworden und gilt als stark gefährdet. Er unterliegt als prioritäre Art dem strengen Schutz der Europäischen Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Richtlinie.

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