Bürgerbefragung Landsberg 2035

83 Prozent sagen: "Ich bin Landsberger"

+
Ulrike Degenhardt (Stadt Landsberg) und Ralf Stappen vom Kommunalberater „SP Group“ sagen „Danke“ für die große Beteiligung an der Umfrage.

Landsberg – Das hat selbst Oberbürgermeister Mathias Neuner nicht für möglich gehalten: An der Bürgerbefragung zur Zukunftsentwicklung Landsbergs haben 2.151 Personen teilgenommen. Die Lenkungsgruppe des Strategieprojekts „Unser Landsberg 2035“ wäre mit einem Drittel davon schon zufrieden gewesen. Aber das ist nicht die einzige kleine Sensation, die Ulrike Degenhardt (Stadt Landsberg) und Ralf Stappen vom Kommunalberater „SP Group“ am Donnerstag im Sportzentrum der Öffentlichkeit vorstellten. Die Auswertung der achtseitigen gelben Fragebögen zeigt nämlich: Die Landsberger sind anspruchsvoll, aber hochzufrieden. Und das gilt auch für die Zugezogenen.

„Hier sehen Sie die Wachstumsdynamik der Stadt“, kommentierte Stappen die erste der vielen Graphiken, die die Bürger an diesem Abend zu sehen bekamen. Auf die Frage „Ich bin hier geboren“ antworteten nämlich nur 26 Prozent der Befragten mit „Ja“. 74 Prozent sind zugezogen, davon 38 Prozent aus beruflichen und 40 Prozent aus familiären Gründen. Gleich als nächstes Chart kam die Antwort auf die Frage: „Wo arbeiten Sie?“ Auffällig ist: 45 Prozent der Teilnehmer arbeiten nicht in der Stadt und nicht im Kreis Landsberg, ein Drittel davon fährt sogar zur Arbeit nach München.

Man muss diese beiden Zahlen vorausschicken, um die Bedeutung der nächsten Werte einschätzen zu können. Obwohl an der Umfrage viele Bürger teilnahmen, deren Bindung zur Lechstadt noch gar nicht so lange besteht und vielleicht wegen des Arbeitsplatzes außerhalb der Stadt gar nicht so intensiv ist, sind 90 Prozent mit der Lebensqualität in Landsberg zufrieden. Und 83 Prozent sagen: „Ich verstehe mich als Landsberger“.

Lebensqualität sehr gut

Das muss eine Stadt erstmal schaffen, wissen auch Degenhardt und Stappen, die sich über Ergebnisse ähnlicher Umfragen andernorts informiert hatten. Das Gleiche gilt für die Zufriedenheit der Bürger in ihrem Wohngebiet oder Ortsteil. 76 Prozent „identifizieren sich“ damit, 85 Prozent halten die dortige Lebensqualität für „sehr gut“. 75 Prozent loben das Erscheinungsbild und die Gestaltung ihres Viertels. Auf die Gesamtstadt bezogen schätzen die Bürger: Landsberg ist sauber und gepflegt (87 Prozent), traditionsbewusst (92 Prozent), wirtschaftsstark (87 Prozent) und sicher (86 Prozent).

91 Prozent der Befragten halten Bürgerbeteiligung bei größeren Projekten für wichtig oder sehr wichtig. In welchen Bereichen diese Projekte stattfinden sollen, verrieten die Befragten ebenfalls. An erster Stelle steht der Wunsch nach mehr Auswahl beim Wohnraum, egal ob es um Miete oder Eigentum geht. Mit dem Angebot an Mietwohnungen sind nur 18 Prozent der Landsberger zufrieden; die Hälfte aller Einwohner ist damit sogar ausdrücklich unzufrieden. „Das ist der stärkste Unzufriedenheitsfaktor in der gesamten Befragung“, ergänzte Stappen. Dies bestätigt die Politik des Stadtrats und der Stadtverwaltung, an vielen Stellen in Landsberg weiteren Wohnraum zu schaffen. Dabei befürworten 50 Prozent der Bürger die Erschließung neuer Baugebiete; nur jeder Dritte ist der Meinung, dass Nachverdichtung hingenommen werden kann.

Nicht radfahrerfreundlich

Sehr unzufrieden sind die Befragten mit der Radwegesituation in der Stadt. Nach ihrer Meinung ist Landsberg nicht radfahrerfreundlich (55 Prozent). Der Zustand und der Ausbau des Radwegenetzes sei unzureichend (62 Prozent). Es fehle auch an sicheren Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, zum Beispiel E-Bikes (57 Prozent). Mit der Berücksichtigung der Belange der Radfahrer sind 62 Prozent „weniger zufrieden“ oder unzufrieden.

In der anschließenden Fragerunde bemängelte ein Bürger, dass gar nicht nach dem PKW-Verkehr gefragt worden sei – es gebe ja dauernd Stau, insbesondere wenn ein Schulbus am Hauptplatz Fahrgäste aufnehme. Angaben dazu finden sich aber in den zusätzlichen Ideen, Kritikpunkten und Vorschlägen, die die Bürger im Fragebogen machen konnten. Die summieren sich nach Einschätzung der Planer auf etwa 200 Seiten Text. „Werden diese Anmerkungen veröffentlicht?“ wollte ein Teilnehmer wissen. Der Oberbürgermeister nickte: Ja, das veröffentlichen wir.

Ein überraschend positives Ergebnis erzielte der Bereich „Kultur“. Mit der Anzahl der Kulturangebote sind 88 Prozent der Landsberger zufrieden, mit der Qualität 86 Prozent. Auch das Thema „Sport“ erzielte gute Werte. 85 Prozent finden die Sportangebote gut. Für nicht sehr gelungen halten die Landsberger hingegen die „Integration der Flüchtlinge“. 46 Prozent sind damit weniger oder nicht zufrieden. Ralf Stappen sagte dazu: „Das spiegelt wohl die Stimmungslage wider“. Allerdings: Viele haben die Frage nicht beantwortet, denn genau genommen hat die Integration noch nicht so richtig begonnen.

Das Fazit: Die Stadt Landsberg kann mit dem äußerst repräsentativen und äußerst positiven Ergebnis der Befragung hochzufrieden sein. Gleichzeitig wurde aber auch eine Agenda erkennbar: Die Landsberger wollen mehr Wohnungsbau, bessere Radwege, mehr Chancen für Jugendliche, mehr Arbeitsplätze für Akademiker und haben auch viele andere Wünsche. Und vor allem wollen sie mitreden. Mit ihrer Beteiligung an der Umfrage haben sie das eindrucksvoll gezeigt.

Werner Lauff

Meistgelesene Artikel

Mit High-Tech auf Raserjagd

Landsberg – Wird in Landsberg besonders brav Auto gefahren? Diesen Schluss legen die Zahlen nahe, die Ordnungsamt-Chef Ernst Müller am Mittwochabend …
Mit High-Tech auf Raserjagd

Umbau für eine "strahlende Zukunft"

Landsberg – Aus Irland direkt in die Lechstadt: Richard Kingston (CMC Capital) hat am Mittwoch mit Erfolg für das neue Lechland-Center geworben. Eine …
Umbau für eine "strahlende Zukunft"

Wieder das eigene Wasser

Kaufering – In jüngster Vergangenheit sahen sich die Bürger von ihrer Marktgemeinde unzureichend mit Informationen versorgt. Für den nicht …
Wieder das eigene Wasser

Kommentare