"Und ’ne Buddel voll Rum!"

Heimfahrt nach bestandenem Abenteuer: Carsten Dittrich (oben), Jan Mixsa und ihre Figuren. Foto: Eckstein

Zwei Schauspieler mit Taucherbrille und -flossen watscheln auf die Bühne. Warum? Klar, weil das Stück am Meer spielt. Doch schon bald fliegen die hinderlichen Utensilien weg und Carsten Dittrich sowie Jan Mixsa wirbeln durch Stevensons abenteuerliche Geschichte, dass auch die (Schiffs-)fetzen fliegen.

Spannend, aber düster und bedrohlich – so dürften die meisten Erwachsenen ihre Lektüre von Robert Louis Stevensons Klassiker „Die Schatzinsel“ in Erinnerung haben. Doch die beiden Puppenspieler zeigten am Sonntagabend im Stadttheater mit viel Phantasie und Virtuosität, dass auch eine Menge Spaß und Klamauk darin stecken kann. Aus einer Handvoll Leitern und einem weißen Tuch zaubern sie die Kneipe „Admiral Benbow“, die „Hispaniola“ und natürlich die Insel selbst. Sie schlüpfen in verschiedenste Rollen und erwecken die charakteristisch gestalteten Klappmaulpuppen zum Leben. So entsteht eine ganz eigene, fesselnde Version der Abenteuer des jungen Jim Hawkins, der zufällig eine Schatzkarte findet und bei der Schatzsuche auf allerlei schräge Gestalten trifft – allen voran den Bösewicht Long John Silver, mit dem ihn eine seltsame Freundschaft verbindet. Mit einfachsten Mitteln und selbst gesungenen Seemannsliedern entsteht auf der Bühne eine überzeugende Piraten-Atmosphäre, die kleine und große Zuschauer in den Bann zieht, die vielen eingebauten Gags zielen auf den Humor von Klein und Groß. Während sich die Kinder über den zitternden Jim und den schwäbelnden Kapitän Smollett – er wäre lieber Weinbauer geworden – kringelig lachen, amüsieren sich die Eltern über Zitate aus „Enterprise“ oder „Cats“. Dabei jagt eine originelle Idee die nächste, ohne dass die Spannung zu kurz kommt. Dass ein Abenteuerroman nicht ohne Kürzungen für ein einstündiges Figurenstück adaptiert werden kann, versteht sich von selbst. Doch die Geschichte funktioniert bestens auch ohne die zahllosen Verwicklungen und gegenseitigen Überfälle, die sich bei Stevenson mitunter ein wenig langatmig lesen – und, da es ein Kinderstück ist, auch gewaltfrei, denn, wie Jim den alten Piraten John Silver ermahnt: „Waffen sind Mist“! Carsten Dittrich, in Landsberg zuletzt mit den „Wilden Kerlen“ zu Gast, und Jan Mixsa, der auch Regie führte und das Bühnenbild entwarf, haben die Zuschauer im Stadttheater mit Spielfreude, viel Phantasie und Originalität und ihre überragenden Spielkünste für eine Stunde wirklich auf die Schatzinsel mitgenommen. Und entließen ihr Publikum erst nach einem gemeinsam geschmetter­- ten „Johoho – und ‘ne Buddel voll Rum!“

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