Jubiläum im s'Maximilianeum

Der Papst erklärt die Welt

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Der Mann aus der Anstalt: Max Uthoff begeisterte sein Publikum im ausverkauften Stadttheater. Der Kabarettist war einer der Höhepunkte des s’Maximilianeums-Jubiläum.

Landsberg– Atemberaubend schnell purzeln die Wörter aus Max Uthoffs Mund: Der Kabarettist, bekannt aus „Die Anstalt“, begeisterte im Stadttheater mit seinem aktuellen Soloprogramm „Gegendarstellung“: über die ungerechte Gesellschaft, unfähige Medien und unsägliche Politiker. Nach dem Trio Miller-Schafroth-Scharri am Abend zuvor hat Max Uthoff der Kleinkunstbühne s’Maximilianeum zum 25-Jährigen ein weiteres glänzendes Kabarett-Highlight geschenkt.

Uthoff mit Megaphon betritt von hinten die Bühne: „Wer immer wieder dasselbe sagt, hat recht.“ Er will aufklären über die Machenschaften der Politik und Zweifel säen gegenüber Glaubensätzen und Mythen. Dabei ist keiner vor ihm sicher: Schröder spricht er „die Selbstkritik eines Bonobos in der Brunft“ zu, „Winnie die Bürste Kretschmann ist der feuchte Traum jedes Reaktionärs“ und Gabriel schlicht „too big to fail“. Nicht zu vergessen die bayerischen Politiker, bei denen der Unterhaltungswert die Kompetenz bei weitem überlappe: Seehofer mit Ideentourette und Söders Gier nach dem Ministerposten: „Die ist meine Arbeitsunfähigkeitsversicherung.“ Generell bestehe die CSU aus Kraftlacken, die Grünen seien zum „ideologischen Kirschkernkissen des Wohlstandbürgers“ verkommen, und wer die SPD mit dem Wort links in Verbindung bringe, müsse schon sehr viel Stechapfeltee getrunken haben. Nur zwei erhalten Uthoffs Lob: Sahra Wagenknecht mit ihrer Kritik an Merkels Wirtschaftspolitik. Und, völlig unerwartet, der Papst. Denn der erkläre tatsächlich die Welt: „Kapitalismus braucht Kriege. Aber weil man einen Weltkrieg nicht führen kann, führt man regionale Kriege.“

In Uthoffs Sprechgalopp löst eine Pointe die nächste ab, ausgefeilte Wortkombinationen mit Biss und Tiefgang. Er ist Atheist. Oder doch Agnostiker? Ach was, „Agnostiker sind Atheisten ohne Eier.“ Währenddessen sein großer Gegner der Kapitalismus ist – irgendwie auch eine Religion: Gotteshäuser als Banken, heilige Tiere habe man mit Bulle und Bär. Und das übersinnliche Wesen? Natürlich der freie Markt. Ein System nach dem anderen zerlegt der Münchner Kabarettist mit lustvollem Zynismus in seine Einzelteile. Es geht um Drogen, Volksmusik und Drehzahlmesser. Und auch der amerikanische Präsident in spe, das „einarmige, leseschwache Opossum“, bekommt sein Fett ab.

Am Ende wird Uthoff ernst. Und wütend, denn „der soziale Friede braucht Wut“. Inzwischen beurteile man Menschen nach ihrer wirtschaftlichen Leistung. Schröder – „die rote Null“ – habe mit seiner Agenda ganze Arbeit geleistet: Der Arbeitslose werde zum Feind, man kürze Menschen das Existenzminimum – in einem der reichsten Länder der Welt. „Und das Gehirn von Kathrin Göring-Eckardt trinkt Bier in einer Bar im fernen Süden – zusammen mit Joschka Fischers Gewissen.“ Das Publikum wirkt aufgerüttelt. Und applaudiert begeistert.

Susanne Greiner

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