"Pulverfass" für die Jugend?

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Nicht gerade ein Juwel inmitten schöner Wohnhäuser: das Jugendhaus JUZ in der Uttinger Dyckerhoffstraße.

Utting – Was macht die Uttinger Jugend in ihrer Freizeit? Braucht sie überhaupt noch einen offiziellen Treff wie das in die Jahre gekommene und kaum noch genutzte Jugendhaus (JUZ) in der Dyckerhoffstraße? Diese und andere Fragen zum Thema Jugendarbeit beschäftigte den Uttinger Gemeinderat in seiner letzten Sitzung.

Chillen, ständig mit dem Smartphone alle Zugänge zur medialen Welt nutzen, zuhause am Computer online mit anderen World of Warcraft spielen, sich Twilight-DVDs reinziehen – das Freizeitverhalten der Jugend hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Wen juckt da noch ein Tischkicker oder eine Dartscheibe in einem Jugendtreff?

So mussten auch die Gemeinderäte konstatieren, dass das JUZ wohl seinen Zenit überschritten und keine Zukunft mehr hat. Da es seit längerem kaum noch genutzt wird, hatte der Haushaltsausschuss beschlossen, das gemeindeeigene Haus 2016 abzureißen und das Grundstück zu verkaufen. Trotzdem wollte man der Jugend weiterhin einen Treffpunkt bieten und war auf der Suche nach einer Alternative. Bis zum Abriss könne man das JUZ als Begegnungsstätte für Vereine, Senioren oder Asylbewerber nutzen.

Eine mögliche Alternative für einen neuen Jugendtreff präsentierte Bürgermeister Josef Lutzenberger mit dem Gewölbekeller im ehemaligen Hotel-Gasthof „Seefelder Hof“, der früheren Kneipe „Pulverfass“. Was nicht gerade auf Gegenliebe der Gemeinderäte stieß. „Warum überhaupt einen neuen Jugendtreff anmieten, wenn der alte schon kaum genutzt wird?“ hieß es in der Debatte. Es wurde bemängelt, dass das ehemalige „Pulverfass“ keine Fenster habe, nicht behindertengerecht zugänglich sei und wohl den aktuellen Brandschutzbestimmungen nicht standhalten würde.

Als Manko wurde auch die Unterbringung von 60 Asylbewerbern in Seefelder Hof bewertet, überwiegend junge Männer aus Syrien. „Ich würde meine Tochter nicht in den Jugendtreff dorthin schicken“, resümierte eine Gemeinderätin das heikle Thema.

Trotz aller Skepsis – neuer Jugendtreff ja oder nein und Standort Ortsmitte im Gewölbekeller der Flüchtlingsunterkunft – kam der Gemeinderat zu dem Ergebnis, die Alternativ-Lokalität wenigstens zu besichtigen, um sich ein abschließendes Urteil zu bilden. Außerdem wolle man mit Jugendlichen und entsprechenden Organisationen sprechen, wie weit Bedarf da ist und ob mit Eigeninitiative zu rechnen sei.

Dieter Roettig

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