Weg vom Frontalunterricht

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In einzelnen Zimmern ist das neue Lernkonzept bereits in Grundzügen umsetzbar, doch es sollen mehr werden.

Landsberg – Wie sind die landkreiseigenen Schulen aufgestellt, wo bestehen Defizite und wann wird wie viel investiert? Diese Fragen rücken vor allem in den kommenden Jahren immer mehr in den Vordergrund, wenn es an die Realisierung des Schulentwicklungsprogramms geht. Am Dienstag vergangener Woche machte der Kreisausschuss im Landsberger Ignaz-Kögler-Gymnasium (IKG) Station, um sich einen Überblick zu verschaffen. Neben einigen kleineren bis mittleren Handlungsfeldern könnte insbesondere die Etablierung eines neuen Lernkonzepts weitreichende Maßnahmen notwendig machen.

Direktorin Ursula Triller, Stellvertreter Leonard Storz und Direktoratsmitarbeiterin Mechthild Wand zählten eine Vielzahl an Dringlichkeiten auf, doch das übergeordnete Ziel hoben sie von Anfang an klar hervor: Das IKG will sich ein neues pädagogisches Konzept auf die Fahnen schreiben. Weg vom lehrerzentrierten Unterricht, hin zu mehr Eigeninitiative und Individualität. Von freiwillig terminierten Prüfungen, Freiarbeit und Selbstverantwortung war die Rede und der Chance, auf die immer heterogenere Schülerschaft gezielt einzugehen. Denn gesellschaftliche Veränderungen, wie die Abkehr von der „traditionellen Familie“, und höhere Übertrittszahlen hätten die Anforderungen an den Unterricht spürbar verändert: „Während der eine schon neues ‚Futter‘ will, braucht der andere noch, bis der Groschen fällt“, berichtet Triller. Diesem Umstand trägt die Schule Rechnung: Das neue Konzept wird in kleinerem Umfang bereits erprobt, außerdem soll ab kommendem Schuljahr die gebundene Ganztagsbetreuung eingeführt werden.

Bühne frei also, für einen modernen Unterricht? Nicht ganz, denn die teils veralteten Räumlichkeiten limitieren die Realisierung arg. „Die Flächen sind da, müssten aber neu geplant werden“, fasst Wand zusammen. Denn Lage und Gestalt der Klassenzimmer ist auf Frontalunterricht ausgelegt. So sind beispielsweise in den alten Gebäudeteilen aus den Fünfzigerjahren großzügige Gänge angelegt, die eigentlich für Unterricht genutzt werden könnten – erlaubt ist das aber nur sehr eingeschränkt, um keine Fluchtwege zu versperren.

Daneben findet sich ein Sammelsurium weiterer Defizite: Ein hörbares Problem im Gebäude ist der Geräuschpegel; es hallt. Ferner bedingt die Aufnahme eines musischen Zweigs einen dritten Musiksaals, den es aktuell aber noch gar nicht gibt. Auch der Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern leidet unter dem veralteten Gebäudezuschnitt: Hörsäle mit abfallendem Gestühl machen Gruppenarbeit am Platz unmöglich, die Übungsräume sind zu klein.

Die neuen Gebäudeteile, die im Jahr 2002 in Modulbauweise errichtet wurden, sind auch schon nicht mehr auf dem neuesten Stand: Auch hier ist das neue Lernkonzept nur schwer umsetzbar, im Sommer herrschen unangenehme Temperaturen. Die mit der Einführung des G8 eingerichtete Mensa ist räumlich stark beengt und ungut geschnitten, der Weg von der Küche zum Spülbecken führt quer durch die Reihen der Esstische und die Ausgabe ist zu klein dimensioniert. Weitere Punkte der Mängelliste: Im Verwaltungstrakt teilen sich Lehrer und Mitarbeiter oft dasselbe Büro. Kranke Schüler, die darauf warten, von ihren Eltern abgeholt zu werden, müssen mit der Liege in der Bibliothek vorlieb nehmen, die ihrerseits auch noch nicht ganz im digitalen Zeitalter angekommen ist. Für die Aula sind die Wünsche der Schulleitung bescheidener: Eine Abgrenzung zum vorbeiführenden Hauptdurchgang soll her.

Zusammenfassend summiert Triller: „Die Schule wurde vor nicht langer Zeit umgebaut und renoviert, an die heute erstrebenswerten Vorstellungen aber in keinster Weise angepasst.“ Landrat Thomas Eichinger zog sein erstes Fazit mit den Worten: „Das IKG bildet viele Möglichkeiten im Bestand, die trotz der Fülle an Maßnahmen relativ einfach realisierbar wären.“

Rasso Schorer

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