Verantwortung für den Sport – Tellschützen Leeder feiern 125-Jähriges

Mitten in der Diskussion um die Verschärfung des Waffenrechts die Jubiläumsfeier eines Schützenvereins? Das es widerspruchslos möglich ist, haben die über 100 „Tellschützen Leeder“ am Wochenende bewiesen. Sie begingen mit ihrem Patenverein Issing, den drei „Patenkindern“ aus Eresing, Denk- lingen und Asch, den Seestaller Schützen und weiteren Ortsvereinen selbstbewusst ihr 125-jähriges Gründungsjubiläum.

„Es gehört schon viel Idealismus, Zusammengehörigkeitsgefühl und persönlicher Einsatz dazu, um einen Verein über Generationen hinweg mit Leben zu erfüllen“, so Festredner Landrat Walter Eichner. Er charakterisierte Schützenvereine als ein „gesellschaftliches Aushängeschild“, als unverzichtbare Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens in den Gemeinden. Es werde nicht nur der Sport gepflegt. Zu würdigen sei der Einsatz für den Erhalt von Traditionen und der bayerischen Kultur. „Die Schützen tragen und übernehmen mit Fingerspitzengefühl Verantwortung.“ Auch deshalb reagierten Sportschützen landauf, landab auf den Amoklauf in Winnenden mit Entsetzen. Die „besondere Sorgfalt und das Verantwortungsbewusstsein“ sowie die hohen Sicherheitsstandards machten aus seiner Sicht eine weitere Verschärfung des Waffengesetzes nicht notwendig. „Wir sind keine Rambos und keine Waffenfetischisten. Wir sind Sportschützen mit langer Tradition“, hob Gauschützenmeister Lothar Poppinger hervor, ebenso die besondere Pflicht zur moralischen Verantwortung vor alle in der Jugendarbeit. „Wir sehen uns als eine Gemeinschaft, in der das Vereinsleben ebenso wichtig ist wie Training und sportlich faire Wettkämpfe“, betonte 1. Schützenmeister Winfried Harich. Im Schießstand Leeder werde fast aus- schließlich mit erlaubnisfreien Luftdruckwaffen auf runde Zielscheiben geschossen. „Neuen Mitgliedern vermitteln wir den sachge- mäßen Umgang mit dem Sportgerät.“ Später wurde Harich mit der „Silbernen Gams“ des BSSB ausgezeichnet. Sechs Salven zum Auftakt Pünktlich um 17 Uhr donnerten am Freitag vor der Fuchstalhalle die ersten Böllerschüsse. 27 Schützen und eine Damen zelebrierten sechs Salven, angefangen von der Langsamen, der Versetzten und Schnellen Reihe, über dem Reißverschluss und Doppelschlag bis zum Salutschuss. Mit dieser Kombination und der Präzision der Salven dokumentierten sie die hohe Qualität ihrer Schützenformation. Bei unangenehmen Nieselregen führte der Kirchgang dann hoch auf den Berg zur Pfarrkirche. Vielfältige Auszeichnungen für ehrenamtliches Engagement im Verein und für Schützenglück beendeten am späten Abend in der Fuchstalhalle die Jubiläumsveranstaltung. Im Fazit wurde Landrat Eichner bestätigt, der „gern bei den Schützen“ ist, „weil es umgängliche und traditionsbewusste Leute, die zu Recht feiern und auf ihre lange Tradition stolz sind.“ Die Leederer Schützen freuten sich über seinen Landkreis-Scheck mit einem „dreistelligen Betrag“ zur Förderung der Jugendarbeit ebenso wie über die 250 Euro von Bürgermeister Erwin Karg für den gleichen Verwendungszweck. Der Frohsinn blieb Die Geschichte des Schützenvereins lässt sich nur nicht mehr gänzlich dokumentieren, denn in Kriegswirren gingen die Unterlagen ver- loren. Gesichert ist nur, dass 1884 ein Verein namens „Zimmerstutzen-Schützen-Gesellschaft Frohsinn“ damals mit dem legitim national eingefärbten Leitspruch „Üb Aug und Hand fürs Vaterland“ ins Leben gerufen wurde. Auf zehn Jahre später ist die Gründung von „Frohsinn 2“ datiert, mit der sich die bislang ausgeschlossenen Handwerker und die Jugend Leeders einen eigenen Schützenverein schufen. Ihnen war es kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges um einen frohen Sinn nicht zumute. Sie befanden 1913 den Namen des Meisterschützen, Freiheitskämpfers, Thyrannenmörders und Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell für würdig. Die elitäre „Zimmerstutzen-Gesellschaft“ existierte nicht mehr, und 1924 nahmen die Leederer Schützen unter „Tell“-Leeder den Schießbetrieb auf. Der Frohsinn blieb allerdings erhalten: mit Schützen- und Faschingsbällen, königlichem Preisschießen, Feiern diverser Art bis hin zu gemeinsamen Ausflügen.

Meistgelesene Artikel

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

"Wir wollen Hilfe zurückgeben"

Landsberg – Mal eben den Rasen mähen oder kurz zum Arzt fahren – kein Problem für die Meisten. Alleinstehende oder Senioren stoßen jedoch mit diesen …
"Wir wollen Hilfe zurückgeben"

Gewinnspiel: Tschiller und die Keinohrhasen

Landsberg – Er ist zweifellos der vielseitigste aber auch streitbarste Schauspieler und Filmemacher Deutschlands: Til Schweiger. Mit rund 50 …
Gewinnspiel: Tschiller und die Keinohrhasen

Kommentare