Inventur im Wald:

Für die neue Abschusszahl

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Inventur im Wald: Forstamtsleiter Hans-Jürgen Gulder (links) und Forstamtsrat Erwin Schmid demonstrieren beim Pressetermin, wie mit Stäben und bunten Klammern junge Bäume systematisch untersucht werden.

Landkreis – Seit vergangener Woche sind in den Wäldern des Landkreises wieder verstärkt die Förster unterwegs. Sie nehmen insgesamt 144 Bestände an jungen Bäumen unter die Lupe, um festzustellen, wie stark die Verbissschäden durch Rehe sind. Auf der Grundlage dieser Bewertung erstellt das Forstamt in Fürstenfeldbruck ein Gutachten und legt die Abschusszahlen für die kommenden Jahre fest. Obwohl die Empfehlungen bei Waldbesitzern und Jägern zuweilen Kritik auslösen, herrscht bei den Verantwortlichen Einigkeit, dass die Wälder dank der regelmäßigen Inventur heute besser dastehen als vor 30 Jahren.

Die Erfassung des Ist-Zustands dauert bis Ende April und verläuft nach einem bayernweit einheitlichen Schema. Die Aufnahmeflächen werden anhand eines systematisch angelegten Gitternetzes definiert. Auf einer Länge von jeweils 100 Metern werden mit rot-weißen Stäben fünf Aufnahmepunkte definiert, an denen die 15 nächstgelegenen Jungbäume auf Schäden an den Haupt- und Seitentrieben untersucht werden. Berücksichtigt werden dabei in erster Linie Bäumchen, deren Größe zwischen 20 Zentimetern und der maximalen Verbisshöhe liegt.

Neu ist in diesem Jahr, dass die Förster ihre Beobachtungen gleich an Ort und Stelle in einen Gelände-Laptop eintippen. Die Daten laufen bei Hans-Jürgen Gulder zusammen, dem Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürstenfeldbruck. Er erstellt im Sommer das Gutachten für die über 300 Reviere seines Amtsbereichs.

Es ist das elfte Forstliche Gutachten seit 1986. Nachdem die Abschusszahlen zunächst stark erhöht wurden, konnten sie beim letzten Mal relativ stabil gehalten werden. „Wenn der Trend so weitergeht, können wir die Zahlen sogar senken“, sagte Gulder bei der offiziellen Eröffnungsveranstaltung der Baum-Inventur, zu der das Forstamt in den Wald bei Hofstetten geladen hatte.

Paul Zahn, im Jagdbeirat des Landkreises zuständig für Natur- und Waldschutz, sprach gar von einer „unermesslichen Verbesserung des Lebensraums“, die die auf die Waldverjüngung abgestimmte Ab- schussplanung mit sich gebracht habe. Die Empfehlungen liegen, je nach Beschaf- fenheit des Reviers, bei drei bis zehn Rehen pro 100 Hektar und Jahr.

Nicht alle Waldbesitzer und Jäger sind glücklich über diese Zahlen. Mick Kratzeisen, stellvertretender Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Landsberg, sprach gar von einer „Farce“. Bei der letzten Begutachtung vor drei Jahren sei sein Revier zunächst gut weggekommen, anschließend seien die Abschusszahlen trotzdem erhöht worden. „Das war ein Schreibtisch-Urteil, das nicht begründet wurde“, kritisiert Kratzeisen. Hans-Jürgen Gulder erklärte dazu, er müsse verhindern, dass Revierleiter zu scharf oder zu milde urteilten.

Der Forstamtsleiter verweist auf die insgesamt rückläufigen Verbissschäden an der Mehrzahl der Baumarten. Bei jungen Fichten waren 2012 noch 2,4 Prozent betroffen (2009: vier Prozent), bei den Tannen waren es 19 Prozent gegenüber 36,6 Prozent drei Jahre zuvor. Und bei den Laubhölzern sank der Anteil der geschädigten Bäume von knapp 17 auf immerhin elf Prozent.

Ulrike Osman

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