Fehler liegt im Komma

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Zwei Stichstraßen, jeweils mit Wendehammer, führen ins Baugebiet Eichat in Epfach. Noch fehlt die Deckschicht.

Epfach – Der Fehler steckt im Detail: Von 4,60 Euro Stundenlohn für einen Vorarbeiter ist in der Ausschreibung für die Asphalt-Deckschicht im Epfacher Baugebiet die Rede. Richtig muss es aber heißen, dass die Baufirma Strommer, die unter vier Firmen mit 28 130 Euro das günstigste Angebot abgegeben hatte, für Regiearbeiten die Vorarbeiterstunde mit 46 Euro pro Stunde kalkuliert. Falsch war also die Kommastelle. Der Fehler mit der Ziffer 4,60 Euro hat aber dazu geführt, dass die Denklinger Gemeinderäte den Beschluss zur Vergabe der Arbeiten vertagt haben.

Bei der Sitzung des Gemeinderates ist die Sache mit der Kommastelle nicht aufgeklärt worden. Vielmehr ist dort die Diskussion erst ins Rollen gekommen, nachdem Reinhard Megele vor versammelter Runde auf die in der Vorlage genannte Zahl von 4,60 Euro aufmerksam gemacht hatte. Dies würde bedeuten, dass die Firma nicht mal den Mindestlohn zahle, hieß es im Gremium. 

Anlass für die Diskussion zur Vergabe der Asphaltarbeiten war zudem das Bedauern darüber, dass die Firma Herbst Tiefbau aus Epfach nicht zum Zug gekommen ist. Sie lag im Preisspiegel nach der Firma Strommer aus Schongau und nach einer Tiefbaufirma aus Wehringen an dritter Stelle. Ingenieur Wolfgang Buchner aus Dießen erklärte am Tag danach auf Anfrage des KREISBOTEN, dass der Kommafehler lediglich fünf Regiestunden betreffe. Er könne sich nicht vorstellen, dass die 200 Euro Mehrkosten, die aufgrund des falsch gesetzten Kommas bei den Vorarbeiterstunden aufträten, für die Firma Strommer aus Schongau existenziell seien, antwortete der Architekt, der auch in Denklingen und Fuchstal mehrere Tiefbau-Projekte betreut. Im aktuellen Fall ginge es um „Peanuts“, kommentierte Buchner. 

Im Übrigen sei er als Planer gehalten, sich nach der beschränkten Ausschreibung der Gemeinde zwischen Abgabe der schriftlichen Angebote und Vergabe der Arbeiten möglichst neutral zu verhalten, ergänzt Wolfgang Buchner. Zum Eingreifen hätte er sich dann veranlasst gesehen, wenn es sich um eine „eklatante Geschichte“ gehandelt hätte, z.B. falls Angebote um 30 Prozent über bzw. unter der Kostenschätzung gelegen hätten. Zudem verweist Buchner auf Anfrage darauf, dass es für ihn nur logisch sei, wenn die Firma Strommer aus Schongau für die Einbringung der Deckschicht im Eichat ein günstigeres Angebot abgebe als die Firma Herbst aus Epfach, weil der Schongauer Betrieb alles im eigenen Haus habe und den Asphalt selber herstelle. Die Firma in Epfach sei auf Subunternehmen angewiesen, was zu Mehrkosten führe. Konsequenz des Vertagens ist, dass der Gemeinderat die Arbeiten für die abschließende Asphaltschicht im Baugebiet Eichat frühestens auf der nächsten Sitzung im Juni vergibt. 

Aufgabe des Architekten ist es nun, das Zeitfenster, wofür die Angebote der Firmen Gültigkeit besitzen, um einige Wochen zu verlängern. Dies dürfte aber leicht machbar sein, sagt Wolfgang Buchner. Der Aufwand einer neuen Ausschreibung könne wohl vermieden werden, fügt er hinzu. Die Firma Strommer bestätigt, dass es sich um einen Schreibfehler handle. Man stehe dazu und werde – innerhalb der vertraglichen Fristen – die 4,50 Euro bei den Regiestunden für den Epfacher Auftrag abrechnen. Aber jeder dürfe versichert sein, dass der Lohn an die Facharbeiter deutlich höher sei, gibt Niederlassungschef Markus Rieder zu verstehen. Das Epfacher Baugebiet Eichat umfasst 29 Bauplätze im Westen der Ortschaft. Die Erschließung erfolgte bereits 2007. Auch damals war das Unternehmen Strommer mit den Bauarbeiten inklusive Tragschicht auf den Straßen beauftragt. 

Wenn nun alle Kosten zusammengerechnet werden, so kommt man auf 550000 Euro. Das sind 1,8 Prozent mehr als bei der Kostenberechnung. In der Vorlage zur Vergabe heißt es „um zu vernachlässigende 1,8 Prozent“. Auf diese Formulierung angesprochen, antwortet Buchner, dies sei im Bereich Tiefbau und im Hinblick auf die Zeitspanne eine „Punktlandung“. Im Juni werden sich die Räte wieder mit den abschließenden Arbeiten im Baugebiet Eichat befassen. Bleibt die Aussicht, dass nach der Irritation wegen der Kommastelle doch ein Punkt bzw. ein Schlussstrich gesetzt werden kann.

Johannes Jais

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