Vergessliche Anstreicher und mehr

Eine „einbalsamierte Leiche“ in Darios Fos Farce „Anstreicher sind vergesslich“ verwandelt sich in der aktuellen Inszenierung der Commedia Diessen in drei lebenslustige Giorgos (v.l. Erwin Kloker, Erich Stracke, Carli Stracke). Foto: Nagl

„Nein, ich halte das nicht aus! Ich halte das nicht aus“, stöhnt Bankdirektor Sipucin (Wolfgang Noack) in höchster Verzweiflung, während sich die Zuschauer des aktuellen Theaterabends der Commedia Diessen, der am Freitag im Kulturforum Premiere feierte, lachend die Bäuche halten. Zwei Einakter, „Das Jubiläum“ von Anton Tschechow und „Anstreicher sind vergesslich“ von Dario Fo, wurden von der beliebten und versierten Laienspieltruppe zu einem abendfüllenden Programm formiert. Das Publikum belohnte es mit lang anhaltendem Applaus.

Damit ja nichts schief geht hat Sipucin die Jubiläumsfeier seiner Kreditanstalt bis ins Detail geplant. Dass sie dann aber doch zum Desaster gerät, liegt an zwei hartnäckigen Frauen, die ihn daran hindern, sich und seine Verdienste ins rechte Licht zu rücken. Augenzwinkernd spielt Tschechow in seinem komödiantisch angelegten Einakter, den er selbst als Schwank in einem Akt bezeichnet, mit Geschlechter­klischees, menschlichen Schwächen und witzigen Alltagssituationen. Doch bei aller Komik sind es anspruchsvolle, oft von Bosheit und Ironie funkelnde Dialoge, die den Zuschauer tief in die Seelen der Protagonisten blicken lassen: Da ist Tatjana Alekseevna (Uta Merkel), die Gattin des Bankdirektors, ein herzallerliebstes Non-Stopp-Plauderpüppchen, das in Nicolaevic (Georg Nesch), dem gewissenhaften Buchhalter der Bank, einen heftigen Frauenhass auflodern lässt, dem die erpresserische Nervensäge Mercutkina Nastasja Fedorovna (Angelika Forster-Walter) allerdings energisch Kontra bietet. Es kommt wie es kommen muss, das Jubiläum endet dank der Damen im Chaos, während die chaotischen Protagonisten in Dario Fos Clownerei „Anstreicher sind vergesslich“ wenig später ein eigen­williges Happy End einfahren dürfen. Besonders schön ist es, dass die beiden Einakter mit ihrem großen Rollenangebot der Commedia die Gelegenheit geben, einmal wieder (fast) alle Darsteller des Ensembles auf die Bühne zu bitten. Sogar ein paar vielversprechende neue Gesichter (Carli Stracke, Nana Metz, Louis Panizza) sind dabei. Bühnenbildner Erwin Kloker und sein Team gestalten mit wenigen Mitteln einen wechselweise weißen und schwarzen Spielraum, der mit seinen Seitengassen viele Möglichkeiten für rasante Szenenwechsel, artistische Auftritte und komödiantische Rasereien bietet. Mit Erwin Kloker und Erich Stracke als vergessliche Anstreicher kreiert Regisseur Wolfgang Noack ein einzigartiges, unvergessliches Clown-Duo, das sich im Handumdrehen in die Herzen der Zuschauer spielt: Slapsticks, Pantomime vom Feinsten, einfacher, aber genialer Wortwitz, deftige Flirts und unzählige Gags werden entlang einer langen Holzleiter, die für die Bühne eigentlich zu groß ist, höchst amüsant dargeboten. Vor und nach den Vorstellungen (Beginn 19.30 Uhr) am 25./26. März und am 1./2. April öffnet auch das Kultcafe im Kulturforum nochmals seine Pforten, so dass man die leckere Bioküche des scheidenden Päch­- terehepaars Yvonne und Michael Schmidt ein letztes Mal im gewohnten Ambiente genießen kann. Wie man hört, soll zum 1. Mai ein gastronomischer Nachfolger gefunden worden sein.

Meistgelesene Artikel

Voreiliger Kahlschlag?

Landsberg – In Kaufering und Igling ist man verstimmt. Der Grund: Die beiden Kommunen sind im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung von der Stadt …
Voreiliger Kahlschlag?

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Teststadt für "intelligente Mobilität"?

Landsberg – Wie kann man erreichen, dass die Bürger und Besucher der Lechstadt im Jahr 2035 problemlos, zeitsparend und umweltgerecht mobil sind? Das …
Teststadt für "intelligente Mobilität"?

Kommentare