Oft zu risikobereit

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Die Beteiligung von jungen Verkehrsteilnehmern an schweren Unfällen war auch 2015 wieder hoch: Im März verlor eine 21-Jährige auf der B17 die Kontrolle über ihren Wagen und stieß mit einem entgegenkommenden Pkw zusammen.

Landkreis – Mehr Unfälle, mehr Verletzte, mehr Tote – so lässt sich die Verkehrsbilanz 2015 im Landkreis zusammenfassen. Insgesamt starben zehn Personen auf Landsberger Straßen, vier mehr als im Vorjahr. Die Entwicklung ist damit gegenläufig zum allgemeinen Trend im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, wo ein Rückgang der Verkehrstoten um rund 18 Prozent zu verzeichnen ist.

Insgesamt kam es im Landkreis zu 3.086 Verkehrsunfällen – ein Anstieg von zirka sechs Prozent im Vergleich zu 2014. Dabei waren 698 Verletzte und zehn Tote zu beklagen. Auch hier zeigt der Trend also nach oben.

Weniger Unfälle waren 2015 auf Alkohol- und Drogeneinfluss zurückzuführen. „Berauschende Mittel“ waren nur bei einem Verkehrsunfall im Landkreis die Ursache, 37 passierten unter Alkoholeinfluss. Deutlich mehr Unfälle sind dagegen auf die Geschwindigkeit zurückzuführen: Bei 237 Unfällen war das im Landkreis die Ursache. Im Vorjahr handelte es sich noch um 265, hier ist ebenfalls ein Abwärtstrend zu verzeichnen.

Im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, zu dem neben dem Landkreis Landsberg auch die Landkreise Erding, Freising, Ebersberg, Dachau, Starnberg, Fürstenfeldbruck, Eichstätt, Pfaffenhofen an der Ilm und Neuburg-Schrobenhausen sowie die Stadt Ingolstadt gehören, zeigt sich ebenfalls eine leicht ansteigende Tendenz bei den Gesamtunfallzahlen. Bei 46.531 Verkehrsunfällen wurden insgesamt 8.759 Personen verletzt. Rund 60 Prozent dieser Unfälle ereigneten sich innerorts, jedoch sind die meisten Todesopfer außerorts zu beklagen. Die Staatsstraßen waren bei den tödlichen Verkehrsunfällen am höchsten belastet, gefolgt von den Bundesstraßen und den Gemeindestraßen.

Die Beteiligung junger Verkehrsteilnehmer zwischen 18 und 24 Jahren an schweren Verkehrsunfällen war auch 2015 wieder hoch, wie es in der Statistik des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord heißt. Die Beteiligung an den Geschwindigkeitsunfällen und an den Alkoholunfällen zeige dabei die außerdem die „verhängnisvolle Risikobereitschaft“ und die Unerfahrenheit der jungen Fahrer.

Im Mai wurde „nicht angepasste Geschwindigkeit“ auch einem 20-jährigen Augsburger auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Prittriching und Winkl zum Verhängnis: Der junge Mann, bei dem sich noch drei weitere Personen im Alter zwischen 17 und 22 Jahren befanden, kam in einer starken Linkskurve vor der Brücke über den „Verlorenen Bach“ von der Fahrbahn ab, prallte gegen einen Metallpfosten des Brückengeländers und überschlug sich. Der Fahrer des Audi wurde bei dem Unfall leicht verletzt, seine Mitfahrerauf dem Beifahrer- und den Rücksitzen wurden im Wagen eingeklemmt und schwer verletzt mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Ein 17-Jähriger Mitfahrer verstarb wenige Tage später an seinen schweren Verletzungen. An der Unfallstelle war die Geschwindigkeit auf 60 km/h beschränkt, ein Gutachten ergab, dass der Audifahrer mit rund 120 km/h unterwegs war.

An immer mehr Unfällen sind auch Fahrradfahrer beteiligt. „Radfahrer werden vor allem durch abbiegende und einbiegende Kfz gefährdet bzw. gefährden sich selbst durch Nutzung von Radwegen in der falschen Richtung, durch Nichtbeachtung von Verkehrsregeln und durch Alkoholeinfluss beim Radfahren“, so die Verkehrsbilanz. Die unzureichende Infrastruktur, abgestellte Fahrzeuge und hohe Geschwindigkeiten der Autofahrer spielen dabei eine zusätzliche Rolle. Auch bei den Fußgängern ist ein Anstieg der Verkehrstoten um rund 30 Prozent zu verzeichnen. Fußgängerunfälle gehören im gesamtdeutschen Vergleich sogar zur zweithäufigsten Unfallart mit getöteten Personen. Besonders gefährdet seien hierbei ältere Menschen und Kinder.

Auch für eine 86-jährige Frau, die mit ihrem Rollator eine Straße in Dießen überqueren wollte, endete ein Unfall mit einem Lkw im Juli tödlich. Der 60-jährige Lkw-Fahrer bog nach rechts von der Lachener in die Neudießener Straße ab, wobei er die 86-Jährige übersah. Die Fußgängerin wurde vom Lkw erfasst und überrollt. Sie kam mit schwersten Verletzungen in ein Klinikum, wo sie einige Tage später verstarb.

Astrid Erhard

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