Das Aus für die Fuchstalbahn?

Unerfreulicher Bahn-Brief vom Minister

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Nur eines von zahlreichen infrastrukturellen Problemen der Fuchstalbahn: die Querung der Katharinenstraße am Landsberger Bahnhof (Hintergrund).

Landsberg/Schongau – Tyll-Patrick Albrecht redet gar nicht um den heißen Brei herum: „Das ist niederschmetternd“, sagt der Vorsitzende der Initiative Fuchstalbahn über den Brief von Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU).

Wie berichtet, hatte dessen Vorgänger Martin Zeil (FDP) noch Hoffnung auf einen Probebetrieb gemacht und Hilfe der staatseigenen Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) bei der Aktualisierung des alten Fuchstalbahn-Gutachtens von 2002 zugesagt. Die beiden Landkreise Weilheim-Schongau und Landsberg haben schon je 10000 Euro für dieses Gutachten zugesagt.

Doch in seinem Brief macht Herrmann deutlich, dass er noch gar nicht daran denkt, die BEG in dem Prozess zu beteiligen. Denn eine erste Grobabschätzung habe erhebliche Zweifel geweckt, ob die für eine Reaktivierung zwingend vorgesehenen 1000 Reisenden pro Werktag tatsächlich erreicht werden. Als Grund nennt Herrmann die dünne Besiedelung der Region, die siedlungsferne Lage vieler Bahnstationen und die parallel zur Bahnlinie verlaufende gut ausgebaute B17. Zudem sehe man Probleme bei der Eisenbahn-Infrastruktur, etwa beim Bahnübergang in der Katharinenstraße in Landsberg.

Deshalb fordert Herrmann ein klares Bekenntnis der Region zur Fuchstalbahn – und zwar handfest. Alle anliegenden Kommunen sollen bereit sein, sich an notwendigen Infrastrukturertüchtigungen auch finanziell zu beteiligen. Die ent­- sprechenden Beschlüsse von Gemeinde- und Stadträten will Herrmann sehen, bevor er tätig wird.

„Dass die Region dahinterstehen muss, ist klar“, sagt Albrecht. Doch dass jede Kom­mune explizit zustimmen muss, sei neu und in der derzeitigen Situation völlig unmöglich. „Da niemand weiß, was für Kosten auf einen zukommen könnten, sagt jeder Gemeinderat nein“, ist Albrecht realistisch. Zudem sei nicht definiert, um was es bei den angesprochenen Infrastruktur-Ertüchtigungen überhaupt geht. Vermutlich um Bahnsteige und -übergänge. Die Kosten von letzteren gehen schnell in sechsstellige Summen, auch wenn die Kommunen nur ein Drittel der Gesamtkosten bezahlen muss.

Landrat Friedrich Zeller (SPD) gibt sich dagegen kämpferisch. „Ich habe bereits mit meinem Landsberger Kollegen Eichner telefoniert, wir geben nicht auf“, sagte er. Als erfahrener Politiker kenne er die Tricks der zuständigen Landespolitiker: „Egal, mit welchem Anliegen man kommt, die spielen den Ball erst einmal zurück.“ Man werde sicher Mittel und Wege finden, damit die Entwicklung weitergehe. Schließlich sei die Verkehrsanbindung per Schienen aus dem Schongauer Land Richtung Norden wichtig. „Und da geht es nicht darum, dass jemand von Kinsau nach Unterdießen fährt, sondern wie jemand von Peiting nach Augsburg kommt“, macht Zeller deutlich. Es müssten sicher auch nicht alle Kommunen an der Strecke zustimmen.

Doch auch Zeller sieht das Henne-Ei-Problem in der Argumentation des Ministers: Ohne vorherige Untersuchung haben die Gemeinden keine Daten, mit denen sie zustimmen könnten. Und ohne Zustimmung will das Ministerium nicht tätig werden. Theoretisch wäre es möglich, ein eigenes Fahrgastpotenzial-Gutachten ohne die BEG zu erstellen. Doch das würde neben den zugesagten 20000 Euro, die die Aktualisierung kostet, noch einmal mit bis zu 15000 Euro zu Buche schlagen – und eine Menge Ärger provozieren. Doch Zeller und Albrecht sagen übereinstimmend, dass man nicht gegen Freistaat und BEG agieren will.

Boris Forstner

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