Verkehrsunfälle fordern zwölf Menschenleben

Es war Horror pur, an diesem 10. September: Auf der A96 bei Windach kommt ein 46-Jähriger mit seinem Auto ins Schleudern und kollidiert auf dem Standstreifen mit einem Baustellenfahrzeug. Zwei Arbeiter, 49 und 43 Jahre alt, sowie die Mitfahrerin (76) sterben, der Unfallverursacher und mit ihm drei weitere Personen erleiden schwere Verletzungen. Es war einer von acht Ver­kehrs­­­un­fällen mit Todesfolge im vergangenen Jahr. Zwölf Menschen starben auf den Straßen im Landkreis, ebenso viele wie im Vorjahr. Die Zahl der Schwerverletzten (147) aber ging zurück – um acht Prozent. „Das ist erfreulich“, befand der Leiter der Polizeiinspektion Landsberg, Alfred Geyer, bei der Präsentation der Verkehrsstatistik 2009.

Der Blick auf die Unfallstatistik, vor allem auf die prozentualen Veränderungen von Jahr zu Jahr, spiegelt nicht unbedingt ein reelles Bild der Entwicklung wider. Da lohnt in vielerlei Hinsicht die Betrachtung des Zehn-Jahres-Zeitraumes, wie der Landsberger Polizeichef andeutet. Trotz des stetig zunehmenden Verkehrs schwankt die Gesamtun­fallzahl seit 1999 beständig zwischen 2550 und 2800, im ver­- gangenen Jahr hat es im Landsberger Zuständigkeitsbereich 2790 Mal gekracht – 25 Mal weniger als im Jahr zuvor. Deutlich abzulesen ist die erfreuliche Tendenz, dass es immer weniger Verletzte gibt. Lag diese Zahl bis 2001 noch leicht über 1000, so ging sie danach kontinuierlich zurück – bis auf 763 im vergangenen Jahr. Geyer schreibt dies der stetig verbesserten Sicherheit der Fahrzeuge zu. Was sich im übrigen auch auf die Zahl der Verkehrstoten auswirkt. „Noch vor zehn Jahren waren es um die 20, inzwischen sind es meist um die zwölf und damit immer noch zu viele“, so Geyer. Zwei Todesopfer forderte am 17. Mai der Unfall bei Hechen­wang: Während eines auch durch den Landkreis Landsberg führenden Radmara­thons kam es zu dem folgenschweren Zusammenstoß eines 48-jährigen Rennradlers und eines 21-jährigen Motorradfahrers. Die Konsequenz bekommen nun auch hiesige Vereine und Veranstalter zu spüren: „Wir werden Veranstaltungen dieser Art ohne eine Totalsperre nicht mehr zulassen“, kündigte Geyer an. Fehler beim Überholen, Vorbeifahren und falsche Straßenbenutzung rangieren in der Liste der Hauptunfallursachen mit 28,8 Prozent ohnehin an erster Stelle. Das Überschreiten der zu­lässigen Höchst­ge­schwin­digkeit und nicht angepasste Geschwindigkeit folgen mit 15,9 Prozent erst auf Platz vier, wobei 227 Unfälle mit 135 Verletzten auf dieses Konto gehen. „Wegen zu schnellen Fahrens verloren in 2009 sieben Menschen ihr Leben“, be­tont Pres­se­sprecher Franz Kreuzer. Die beiden Laserpistolen der Landsberger und Dießener Polizei seien im vergangenen Jahr 46 Stunden zum Einsatz gekommen. Dabei hagelte es für die Temposünder 228 Anzeigen und 115 Verwarnungen. Die Spitzenreiter außerorts waren auf der B17 mit Tempo 162 und auf der Osttangente mit 141, statt erlaubter 100 Kilometer pro Stunde unterwegs. Innerorts, in Landsberg, lag der traurige Rekord bei 90 Sachen. Spitze des Eisbergs Besonderes Augenmerk legt Alfred Geyer auf das Thema „Alkohol am Steuer“ – aus gutem Grund: Nach 41 Verkehrsunfällen im Vorjahr gingen im vergangenen Jahr 60 nachweislich auf das Konto Alkohol. „Das ist eindeutig zu viel“, sagt Geyer, „zumal wir wissen, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist.“ Und kündigt verstärkt Kontrollen für die nahende Zeit der Feste an. 163 Trunkenheitsfahrten blieben im vergangenen Jahr ohne (Unfall)Folgen, 84 Mal stellten die Ordnungshüter einen Führerschein sicher. Sie verhinderten aber auch in 63 Fällen, dass sich ein An- oder Betrunkener hinter das Steuer setzen konnte. Lob hatte Polizeichef Geyer für die jungen Leute übrig. Hier scheint es bei gemeinsamen (Disco-)Touren klare Regeln zu geben: Der Fahrer trinkt nichts. „Und das klappt.“ Verkehrssplitter 2009 • Bei jedem fünften Unfall begeht der Verursacher Fah­rerflucht. Im vergangenen Jahr notierte die Polizei dieses Vergehen 564 Mal. Die Aufklärungsquote liegt bei gut 40 Prozent. Polizeichef Geyer: „Unfallflucht ist kein Kavaliersdelik, deshalb muss man mit der absoluten Härte des Gesetzes rechnen.“ • Bei neun Schulwegunfällen (2008: 13) wurden im vergangenen Jahr neun Kinder verletzt. Geyer lobte hier das Engagement der Schulweghelfer. „Allein deren Anwesenheit sorgt schon für Disziplin.“ Ein „absolut positives Ergebnis“ habe auch die unangekündigte Über­­prü­fung einiger Schulbusse ge­­bracht. Es habe nur eine Beanstandung gegeben. • Die zwei Verkehrserzieher der Polizeiinspektion Landsberg haben in 162 Tagen 1350 Kinder aus 58 Klassen ausgebildet. Insgesamt 1328 Buben und Mädchen nahmen an den Fahrradprüfungen teil, die 96,7 Prozent bestanden. • Im Gegensatz zu früheren Jahren gibt es im Landkreis keinen Unfallschwer­punkt mehr, allenfalls von einer „Häufung“ könne die Rede sein. Seit der Freigabe der B17neu am 17. September habe sich die Situation auf der B17alt zwischen Landsberg und Kaufering deutlich entschärft.

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