Kunst zum Mitmachen

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Schon bei der Vernissage zur „lechART akademie“ griffen die Besucher beherzt zum Stift und vervollständigten die kleinen Farbkleckse zu Kunstwerken.

Landsberg – „Mit beiden Händen denken“, das ist es, was die Künstlerin Katinka Schneweis erfahrbar machen möchte. Zusammen mit sieben weiteren Künstlern gibt sie bei der Landsberger „lechART akademie“ vom 8. bis zum 12. August Kurse für Anfänger und Profis: Die Teilnehmer können malen, zeichnen, aquarellieren und auch gestalten, gegenständlich oder abstrakt – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Abgerundet wird die künstlerische Arbeit durch ein kulturelles Rahmenprogramm. „Und ab Dienstag können die Teilnehmer gemeinsam im Rosarium Mittagessen. Eine Freundin von mir kocht“, verspricht Schneweis. Einen ersten Eindruck von dem, was sie erwartet, bekamen die Besucher der Vernissage am Freitagabend im Rathausfoyer.

Kulturbürgermeister Axel Flörke begrüßte die zahlreichen Besucher im dezent bestückten Foyer. Jeder der acht Dozenten ist mit nur einem Werk vertreten, das typisch für sein Schaffen ist. So ist von Schneweis ein luftiges dreidimensionales Objekt ausgestellt, das einen Vorgeschmack auf die Gebilde gibt, die in ihrem Kurs entstehen können. Sybille Raths Kunstwerk zeugt von der ihr eigenen Kombination aus Zeichnen und Malerei, Somyot Hananuntasuks großes abstraktes Gemälde dominiert den Raum in Rot. Die Kunst der Dozenten soll hier nicht aus der Distanz bewundert werden. Vielmehr laden die Kursleiter zum Gespräch, zum Kennenlernen: Kunst zum Anfassen und Mitmachen. Nicht umsonst ist das Motto der lechART „Die Künste lassen Menschen und Städte erblühen“.

Dass es ums Mitmachen geht, wurde auch den Vernissage-Besuchern schnell klar: Die beiden Künstler und Atelierkollegen Schneweis und Johann Neuhauser hatten kleine Farbkleckse auf Postkarten vorbereitet, die von den Anwesenden ergänzt werden sollten. Schon bald standen an allen Tischen begeisterte Zeichner, Blei- und Filzstifte waren begehrte Mangelware. Die Ergebnisse waren lustig, kreativ, schön: „Ich weiß noch nicht wie, aber diese Karten werden hier auch ausgestellt“, verspricht Schneweis. Dass schon so ein kleiner Anstoß ausreicht, um Menschen zum Zeichnen zu ermutigen, unterstützt Flörkes abschließende Aussage: „Es kommt etwas Schönes auf Sie zu.“

Zum Beispiel ein Grundlagenkurs Zeichnen bei Neuhauser, „ein Autodidakt, der in keine Schublade passt und alles verwendet, was Spuren auf dem Papier hinterlässt“, erzählt Flörke. Neuhauser freut sich schon auf den Kurs: Es gebe nichts Schöneres, als mit Leuten zu tun zu haben, die künstlerisch tätig sein wollen, „die, die nichts können und die Profis. Und alle anderen auch. Außerdem bekommt man von den Teilnehmern neue Ideen – da kann man viel klauen“, lacht er. Mit Somyot Hananuntasuk können die Teilnehmer Farben- und Formenspiele des Alltags in ungegenständliche Malerei übersetzen – und dabei erfahren, dass in der Malerei alles frei ist. „Beim Unterrichten lernt man sich auch selber besser kennen“, sagt der Thailänder. Ihm ist jeder willkommen, denn: „Jeder kann etwas.“

Sybille Raths Kurs wird Grundlagen in Farbenlehre und Komposition vermitteln, gleichzeitig aber die Experimentierfreude der Teilnehmer fördern. Die Münchener Künstlerin wird dabei die Teilnehmer individuell begleiten. Abstrakte Aquarelle, in denen jeder dennoch etwas für sich erkennt, sind das Erkennungsmerkmal von Professor Fridhelm Klein. „Er versprüht Lebensfreude und fasziniert durch unerschöpfliche Ideen“, beschreibt Flörke den Künstler, der über 30 Jahre an der Kunstakademie in München lehrte: als Dozent für „experimentelles Spiel und Medien“, was sicher auf seinen Aquarellkurs abfärben wird. Als Kunstlehrer in Buchloe hat auch der in Washington geborene Steven Hicks massenhaft pädagogische Erfahrung, weshalb sich sein Kurs an Jugendliche ab elf Jahren richtet: Wer schon immer mal mit Farbe in bisher unbekannten Techniken ohne Grenzen (wie zum Beispiel Sauberkeit) experimentieren will, ist bei Hicks an der richtigen Adresse. Und für Kinder ab sechs Jahren bieten Martina B’shary und Jeanne Dees ihren Mal- und Bastelkurs an: Unter dem Motto „Leichtigkeit“ kann alles entstehen, was Flügel hat … oder haben könnte.

Organisiert wird die lechART vom Kulturbüro der Stadt Landsberg und der Volkshochschule. Den Anstoß dazu gab Schneweis, die bereits an den früher in Landsberg stattfindenden Sommerakademien der Universität Augsburg teilgenommen hatte: „Wir hoffen, dass sich die Leute für die Kurse Zeit nehmen, sozusagen Urlaub in Landsberg machen.“ Die Kurse finden sowohl in der VHS als auch in der Säulenhalle statt – stimmungsvolle Räume, die die Kreativität anregen. Schneweis will keinen „elitären Klüngel“, die ganze Stadt werde mit einbezogen: Das Olympia-Kino wird einen Film zum Thema Kunst zeigen, „ob wir den über Peggy Guggenheim bekommen, wissen wir noch nicht“. Das Kunstcafé am Hauptplatz wird die Werke der Teilnehmer ausstellen. „Und wir wollen auch ein Picknick am Herkomermuseum machen, um Museum und Café miteinzubeziehen“, plant Schneweis.

Fachübergreifende Theorie ist federführend für eine Gesprächsrunde mit Teilnehmern aus unterschiedlichsten Bereichen. Die Moderation übernimmt Rupert Fegg, Direktor der Akademie der bildenden Künste Kolbermoor. Und schließlich gibt’s noch Kunst für die Ohren: Die Kontrabassistin Sophie Lücke wird ein Konzert im Rathaus geben. Eine Ausnahmekünstlerin, weiß Kulturbüroleiterin Claudia Flörke: „Eine Musikerin, die mit ihrem Instrument tanzt.“ Weitere Informationen zur Anmeldung und zum Ablauf der „lechART akademie“ sowie Details zum Rahmenprogramm gibt es unter www.lechart.de.

Susanne Greiner

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