Verpflichtet, Gedenkarbeit zu leisten – Kaufering erinnert an die KZ-Opfer und die Heimatvertriebenen

Auf dem Gedenk­ort „Rampe/Waggon“ am Bahnhof wird die Marktgemeinde zukünftig sowohl an die Geschichte der KZ-Häftlinge als auch an die der Heimatvertriebenen erinnern. Darauf hat sich der Gemeinderat auf seiner jüngsten Sitzung geeinigt. Laut Bürgermeister Dr. Klaus Bühler sei dieser Umstand bundesweit wohl einmalig: „Wir haben hier die einmalige Chance an ein und demselben Ort über beide Geschichten zu berichten, auch wenn diese von völlig anderen Zielrichtungen ge­prägt waren.“

So kamen die KZ-Häftlinge mit Waggons nach Kaufering, um unter der von den Nazis ausgewiesenen Parole „Vernichtung durch Arbeit“ Zwangsarbeit zu verrichten. Auch nach dem Krieg rollten dann wieder Waggons in den Kauferinger Bahnhof ein, jedoch mit Heimatvertriebenen, die hier die Chance für einen Neubeginn erhalten sollten. „Das Leid, das alle Beteiligten durch die Leiden des Krieges erfahren mussten, kann dabei nicht gemessen werden“, so Bühler. Kaufering sei daher dieser Geschichte und diesen Men­schen verpflichtet, Ge­denk­arbeit zu leisten. Deshalb hat sich das Gremium mit 12:7-Stimmen beziehungsweise einstimmig auf die beiden Textentwürfe „KZ-Häftlinge“ bzw. „Heimatvertriebene“ verständigt. Diese sollen nun zusammen mit Bildern auf eine von Prof. Hubertus von Pilgrim geschaffene Stele am Gedenk­ort „Rampe/Waggon“ manifestiert werden. Zusätzlich wird die vorhandene Stele samt Text am Lager Kaufering III mit den neuen Texten angepasst. Erarbeitet hatten die Texte der Ausschuss für kulturelle Fragen. „Es war schwierig diese zu verfassen“, resümierte Dr. Bühler – vor allem auch mit Blick auf die umstrittene Zahl der Toten, die in jüngster Zeit immer wieder für großen Wirbel gesorgt hatte. Doch gerade diese sei nicht Mittelpunkt der Gedenkarbeit, so der Rathauschef. Dennoch dürfe man nicht, wie von einigen gefordert (siehe unten stehenden Artikel) diese Zahl weglassen: „Sie gehört zur Gedenk­- arbeit und ist wichtig für die Geschichte. Sie darf nicht verschwiegen werden.“ Und so hat sich der Gemeinderat mit Blick auf die Zahl der Toten auf folgenden einführenden Satz verständigt: „Die Zahl der Toten konnte und kann immer nur geschätzt werden...“ Darüber hinaus wird in dem Text Bezug genommen auf die von Landrat Dr. Gerbel 1949 angeführte Zahl: 14500 Tote. Auf dieser Zahl „aufbauend kann man – nach sorgfältiger Auswertung inzwischen zugänglicher historischer Unterlagen – durchaus davon ausgehen, dass insgesamt bis zu 20000 Häftlinge aus den KZ-Lagern Kaufering I bis XI ums Leben gekommen sind.“ Die Mehrheit des Gemeinderates stimmte diesem Text zu. Damit setzt die Marktgemeinde seine Gedenkarbeit fort, dessen Mittelpunkt nun das Areal „Rampe/Waggon“ ist. Vor allem die Symbolhaftigkeit des alten authentischen Waggons sei aus Bühlers Sicht unumstritten: „Er steht zum einen für die leidvollen Transporte der KZ-Häftlinge in die Arbeitslager nach Kaufering und zum anderen für die Ankunft der vielen Heimatvertriebenen, die nach dem Krieg eine Chance erhielten, sich in der Region ein neues Leben aufzubauen.

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