Aus Wiese darf Wald werden

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Die Verhandlung des Bayerischen Verwaltungsgerichts vor Ort in Dienhausen leitete Verwaltungsrichter Josef Nuber (mit Sonnenbrille), Bürgermeisterin Viktoria Horber (rechts) war mit dem Urteil alles andere als zufrieden. Ebenfalls mit dabei: Heinrich Heiß (2. v. rechts), Teamleiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt.

Denklingen – Eine etwas unerwartete „Klatsche“ bekam die Gemeinde Denklingen jüngst vor dem Ver­waltungsgericht München. Hintergrund des Gerichtsverfahrens war der Wunsch eines Forstwirtes aus Dienhausen, eine 5000 Quadratmeter große Wiese mit Bäumen zu bepflanzen – die Gemeinde wollte das nicht zulassen.

Der Antragsteller zog dann aber vor Gericht und bekam recht. Doch nun der Reihe nach. Das zuständige Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Für­stenfeldbruck hatte am 19. Juli 2011 die Genehmigung zur Aufforstung erteilt. Diese Entscheidung wurde am 20. September desselben Jahres in der 17. Sitzung des Denklinger Gemeinderates thematisiert. Mit 12:3 Stimmen wurde damals beschlossen, gegen den Ermessensbescheid des Amtes und somit gegen den Freistaat Bayern zu klagen.

Als Begründung gab die Gemeinde an, die Fläche sei im Landschaftsplan als Wiese und nicht als Waldfläche ausgewiesen. Geprüft werden sollte, ob der Ermessenentscheid des Amtes richtig ausgeübt worden sei. Das Gericht hatte dann nach einer Ortsbesichtigung entschieden, dass der Ermessensscheid der Landwirtschaftsbehörde in diesem speziellen Einzelfall richtig gewesen sei, da der Forstwirt ausschließlich von der Holzwirtschaft lebe und eine Wiese ihm nichts bringe.

Als Niederlage empfindet Bürgermeisterin Viktoria Horber das Urteil trotzdem nicht. „Wir sprechen auch weiter miteinander“, sagte die Rathauschefin zum Verhältnis mit dem klagenden Forstwirt aus dem Ortsteil im Süden. „Uns ging es darum zu klären, wie weit unser gültiger Landschaftsplan in Zukunft noch Wert hat“. Der betroffene Forstwirt selbst, Günther Martin, wollte sich auf Anfrage des KREISBOTEN weder zu dem Fall noch zum Urteil äußern.

Horber befürchtet nun, dass es nach dem Urteil zu weiteren Wünschen für Wiesen-Aufforstungen kommen könnte. Und bestätigt im nächsten Atemzug, dass es in der Vergangenheit schon derartige Ansinnen gegeben habe. Das Gemeindegebiet von Denklingen sei stark von Wald geprägt, erläuterte Horber. Von den 57 Quadratkilometer Gesamt-Gemeindefläche entfallen mit rund 30 Quadratkilometer mehr als die Hälfte auf Waldfläche.

Der Landschaftsplan war laut Viktoria Horber in den Jahren 1996 bis 2002 von dem Landschaftsarchitekten Christoph Goslich aus Dießen erstellt worden. Dieser erläuterte auf Anfrage, dass die übergeordnete Planung des Freistaates mit eingeflossen sei. Unter Berücksichtigung der großen kulturhisto­- rischen Bedeutung des Denklinger Raumes, speziell der Römerstraße, war die Vorgabe, „dass alles so bleiben soll wie es ist“, sagt Goslich.

Und es gab noch ein zweites wichtiges klimatechnisches Kriterium in der Planung, so der Landschaftsplaner: Auf den Wiesen und landwirtschaftlichen Flächen entstehe Kaltluft. Diese „Frischluft“ bewege sich im Tal abwärts in Richtung Denklingen und habe somit Einfluss auf das örtliche Klima hat. Zusätzliche Waldflächen würden wie Barrieren wirken, zeigt Goslich auf, und führten so zu einer geringfügigen Verschlechterung des örtlichen Klimas.

Siegfried Spörer

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