Tourismus in Landsberg

Von Spaniern und anderen Rätseln

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Die Auslastung der Beherbergungsbetriebe in Landsberg ist überdurchschnittlich hoch. Dafür sorgen auch internationale Gäste. Kein Wunder, bei Anblicken wie diesem.

Landsberg – Die Kennzahlensammlung „Statistik kommunal 2015“ des Bayerischen Landesamts, die vergangene Woche veröffentlicht wurde, offenbart so manchen spannenden Einblick. Auch für den Tourismus in Landsberg. Im Vergleich zum Vorjahr gesunkene Gästezahlen und Übernachtungen prägen das Bild. Oder ist doch alles ganz anders? Der KREISBOTE unterhielt sich mit Ira Wild, Chefin der Landsberger Tourist Information. Ihre Daten sind umfassender. Vor allem die durchschnittliche Bettenauslastung liege auf „einem hohen Level“, ist sie zufrieden. Die Expertin kennt weitere Gunstfaktoren und Stärken der Branche in Landsberg. Doch alle Entwicklungen erklären kann auch sie nicht. Wo kommen beispielsweise im Jahr 2016 die ganzen Spanier her?

Der Tourismus ist ein eigenwilliges Feld. Emotionen, persönliche Wahrnehmungen und Vorlieben der Reisenden spielen ebenso eine wichtige Rolle, wie beispielsweise politische Entwicklungen sowie gesellschaftliche Trends. Das ergibt eine schwer zu durchschauende Gemengelage, die sich durchaus auch auf die touristischen Kennzahlen in Landsberg niederschlägt.

Dementsprechend kann auch Ira Wild, Chefin der Tourist-Information im Historischen Rathaus , teilweise nur Mutmaßungen anstellen, als sie einen Blick auf die Ergebnisse in der neusten Ausgabe von „Statistik kommunal“ des Bayerischen Landesamts für Statistik wirft. Doch bei einer der wichtigsten Größen, der durchschnittlichen Auslastung der angebotenen Betten, gibt es keine Zweifel. „Die liegt auf einem sehr hohen Level“, weiß Wild.

In „Statistik kommunal“ sind alle Beherbergungsbetriebe mit neun oder mehr Gästebetten erfasst. Wild kann ihrerseits auf noch genauere Werte zurückgreifen: Ihr liegen auch die Zahlen kleinerer Unterkünfte vor. „Normal ist eine Auslastung von 30 bis 38 Prozent“, erklärt sie. „Wir liegen über das Jahr gesehen, also inklusive ‚Saurer-Gurken-Zeit‘ bei 45 Prozent.“

Insgesamt elf Betriebe mit neun oder mehr Betten hatten im Juni 2015 in Landsberg geöffnet. Dort standen 589 Betten zur Verfügung. Ein Wert, der in den vergangenen sechs Jahren einigermaßen konstant blieb und rund 70 Prozent der Kapazitäten in der Stadt ausmacht. Den Rest, nämlich 261 Betten, stellen die „Kleineren“.

Unterschiedliche Zahlen

Der Blick auf die Ankünfte in Landsberg überrascht zunächst. Laut „Statistik kommunal“ nahmen diese zwischen den Jahren 2010 (41.879) und 2014 (48.393) kontinuierlich zu, um dann 2015 (45.994) wieder abzusacken. Woran das liegen könnte? Wild kann es auch nicht genau festmachen, vermutet aber die Renovierung des Vienna House Easy von November 2015 bis Februar diesen Jahres als möglichen Faktor. Doch ihrem Eindruck entspricht diese Entwicklung nicht – und auch nicht ihrem Zahlenwerk, wohlgemerkt inklusive der kleineren Beherbergungsbetriebe. „Die Kleineren haben das gut aufgefangen“, sagt sie. Aus ihren Aufzeichnungen gehen eher die Jahre 2013 und 2014 als kleine touristischer Dämpfer hervor. Das Jahr 2015 sei mit insgesamt knapp 150.000 Übernachtungen ein gutes gewesen und auch 2016 verlaufe erfreulich.

Betrachtet man die Herkunft der Gäste genauer, so zeigt sich, dass laut „Statistik kommunal“ im Jahr 2015 rund 39 Prozent derer aus dem Ausland stammten. „Erfahrungsgemäß sind da viele Italiener dabei“, erklärt Wild. Aber auch Asiaten. Vor allem in Japan sei man als Teil der romantischen Straße bekannt und geschätzt. Die Nähe zu Schloss Neuschwanstein, dem Endpunkt der Route, sei da ein Pluspunkt. Überraschenderweise zieht es in diesem Jahr auch viele Spanier, die bisher eine eher kleine Gästegruppe stellten, nach Landsberg. Warum das so ist, dazu besteht noch keine Klarheit. „Es ist traurig, aber vielleicht profitieren wird davon, dass andere Destinationen wie die Türkei oder Nordafrika derzeit nicht mehr so sicher scheinen“, mutmaßt Wild. „Möglicherweise rücken dadurch inner­europäische Reiseziele wie wir mehr in den Fokus.“

Günstige Lage

Bei deutschen Gästen spielte vor allem die Nähe zu München und Augsburg eine wahrnehmbare Rolle. Vor allem Kongresse und Messen dort ließen die Belegungszahlen in Landsberg nach oben schnellen. „Gewisse Hotels sind dann ausgebucht.“ Auch Monteure, die länger blieben, stellten ein wichtiges Nachfragepotenzial dar. Insgesamt sei die Aufenthaltsdauer von drei Tagen, die Wild erfasst hat, „extrem hoch“. „Statistik kommunal“ kommt für das Jahr nur auf derer 2,0 im Schnitt, wobei Reisende aus dem Inland (2,2) länger blieben als solche aus dem Ausland (1,8).

Rasso Schorer

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