Kein Konzept von außen

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Dr. Hubertus Schröers Vortrag über ein kommunales Integrationskonzept stieß bei Bürgermeistern, Wohlfahrtsverbänden und Ehrenamtlichen auf offene Ohren. Eingeladen hatten die Grünen, vertreten von Fraktionssprecherin Monika Groner.

Landsberg – „Integrationsarbeit ist nichts Neues, im Moment nur verschärft gefordert“, leitete Dr. Hubertus Schröer vom Institut für interkulturelle Qualitätsentwicklung München (IQM) seinen Vortrag über ein kommunales Integrationskonzept ein. Ein Thema, das dem Referenten vertraut ist: Vor seiner Arbeit beim IQM war er Ausländerbeauftragter der Stadt München. In allen Kommunen, die solch ein Konzept aufgestellt hätten, habe sich die Integrationsarbeit verbessert, sagte Schröer. Wichtig sei dabei die Verankerung in der politischen Verwaltung: „Es macht keinen Sinn, ein Konzept von außen aufzudrücken.“

Zum Vortrag in den Beruflichen Schulen Landsberg eingeladen hatten die Grünen. Deren Fraktionssprecherin im Kreistag Monika Groner betonte gegenüber den gut 30 Zuhörern, dass es wichtig sei, auch die Gemeinden mit ins Boot zu holen. Bürgermeister waren nur zwei anwesend: Alexander Herrmann (Grüne) aus Schondorf und Peter Ditsch (CSU) aus Prittriching – Letzterer ausdrücklich in seiner Funktion als Kreistagsmitglied und Bürgermeister, nicht als Vertretung des Landrates.

Bei Integration solle man die positive und die notwendige Seite hervorheben, betonte Schröer: Deutschland brauche Immigranten, um den demografischen Wandel auszugleichen. Auch wenn die dadurch entstehende Vielfalt Gefahren berge, biete sie ebenso viele Chancen: „Deshalb benötigen wir nicht nur eine Willkommens-, sondern auch eine Anerkennungskultur“, also eine gesellschaftliche Haltung, die auch von ethischen Überzeugungen getragen werde. „Das heißt zum Beispiel, dass wir nicht ‚deutsche Schulen‘ brauchen, sondern ‚Schulen in Deutschland‘. Wir müssen unsere Strukturen der globalisierten Gesellschaft anpassen.“

Der erste Schritt zu einem Integrationskonzept sei die politische Entscheidung – hier eine Entscheidung des Landrates. Es gehe darum, konkrete Ziele zu formulieren und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, die regelmäßig überprüft werden müssten. Im gesamten Prozess solle man auf jeden Fall alle Beteiligten einbinden, also zum Beispiel auch Immigranten. Und man benötige als zentralen Ansprechpartner einen Integrationsbeauftragten, und diesen auf jeden Fall hauptamtlich.

Sowohl Herrman als auch Ditsch waren sich einig, dass ein kommunales Konzept notwendig sei. Sie würden dies so auch gegenüber ihren Kollegen kommunizieren. Zudem brauche jede Gemeinde einen eigenen Ansprechpartner. „Dafür ist sicherlich eine halbe Stelle notwendig, also ungefähr 25.000 Euro pro Jahr“, rechnete Herrmann. Es müsse allerdings „einen finanzieller Anreiz von Landesebene aus geben, wir als Gemeinden können das nicht stemmen“, betonte Ditsch. Nur so könne man diese Ausgabe den Bürgern gegenüber auch legitimieren.

Wie es denn jetzt konkret weitergehe, fragte Asylbeauftragter der Stadt Jost Handtrack. Groner antwortete, es bedürfe auf jeden Fall einer Diskussion mit dem Landrat. Auch das Rote Kreuz und die Caritas sprachen sich für das Konzept aus. Geschäftsführer des BRK Andreas Lehner sieht ebenfalls das Landratsamt als zentrale Anlaufstelle, „aber auch auf der Ebene darunter sind Ansprechpartner wichtig“. Das BRK habe sich bereits Gedanken zu einem Integrationskonzept gemacht und sei gerne bereit, „seinen Teil dazu beizutragen“. Auch die Integrationshilfe LLäuft könne solch ein Konzept erstellen, sagte Vorstandsmitglied Raffael Sonnenschein. Aber Schröer warnte ausdrücklich: „Das können Sie nicht von außen machen. Die Initialzündung muss vom Landrat kommen.“

Das Landratsamt war gefordert. Nur war kein Vertreter anwesend. Man habe fast jeden Abend einen Termin bezüglich Integration, sagte Pressesprecher des Landratsamtes Wolfgang Müller, „und an diesem Abend hatte einfach niemand mehr Zeit“.

Susanne Greiner

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