Vorwärtsstrategie fürs Spital

Ein ausfahrbarer Pavillon im Arkandenhof des Heilig-Geist-Spitals? „Warum denn nicht“, sagt Unternehmensberater Joachim Vetter. Animation: F.R.A.U.

Allein in den letzten vier Jahren fast vier Millionen Euro Defizit, ein nicht mal drei Jahre alter und über drei Millionen Euro teurer Anbau, dessen Bestimmung bereits wieder auf den Prüf­stand sollte, und ein Altbau unter Denkmalschutz, in dem ein Altenpflegebetrieb auch nach einer Sanierung nicht sinnvoll erscheint. Im Heilig-Geist-Spital krankt es an allen Ecken und Enden. Und dieses Millionengrab möchten die Stadtoberen schnellstmöglich zugeschaufelt wissen. Allein es fehlt noch am passenden Konzept für eine Neuausrichtung. Joachim Vetter von der Erdinger Consolutions GmbH präsentierte am Mittwoch seine „Vorwärtsstrategie“ fürs Spital: Weg von der Pflege, hin zum Betreuten Wohnen mit Stern.

Den Dreiklang von Wohnen, Betreuung und Pflege gelte es am Heilig-Geist-Spital in jedem Fall zu halten, schickte OB Ingo Lehmann (SPD) der Debatte im Stadtrat voraus. Gut zwei Stunden währte sie, und an deutlichen Worten mangelte es für- wahr nicht. So sprach Joachim Vetter, Unternehmensberater in der Sozialwirtschaft, mit Blick auf das jährliche Millionendefizit von einer „unvorstellbaren Größe“. Und fügte im nächsten Atemzug hinzu: „Ein Pflegeheim erwirtschaftet kein Defizit, es sei denn, man macht ganz viel falsch.“ Zu viel Personal? Nicht minder hart ins Gericht mit der städtischen Einrichtung ging Dieter Schmied vom Kommunalen Prüfungsverband Bayern. Von den 900000 Euro De­fizit in 2010 seien 400000 allein den ungünstigen strukturellen Bedingungen geschuldet. „Das hat sich die Stadt auf die Fahnen zu schreiben.“ Und die selbe Summe sei der betrieblichen Situation zuzuschreiben. „Zu viel Personal, unwirtschaftliches Arbeiten und Defizite in der Organisation“ mahnte der Fachmann aus München an. Vernichtend. Schmied machte aber auch Mut: „Mit einer Neuorientierung wäre das innerhalb eines guten Jahres abbaubar.“ Und griff sogleich wieder zur Keule: Die Vergütung der Pflegekräfte sei „überdurchschnittlich hoch und über die Pflege­- sätze nicht refinanzierbar“. Deshalb weitere 100000 Euro Defizit, die wohl nur im Zuge von „Personalfluktuation“ zu umgehen seien, mit jüngeren und billigeren Kräften. Das konnte und wollte Lehmann so nicht stehen lassen. Eine angemessene Vergütung sei der politische Wille des Stadtrates. Außerdem schlage sich allein der Überhang von drei Stellen aufgrund der ungünstigen Bedingungen am Heilig-Geist-Spital mit rund 120000 Euro nieder. Weiterhin lasse sich das konkrete Defizit nach Darstellung des OB um 100000 Euro mindern, wenn unter anderem die Kosten für die Grünanlagen, die Personalbewirtschaftung und die Verwaltung organisatorisch anders verteilt, sprich anderen Kostenstellen zugeordnet würden. Das sei Verhandlungssache. Neuer Anbau Einig hingegen waren sich Lehmann, Schmied und Vetter hinsichtlich des Standortes für einen möglichen Neubau. Das ebenerdige Altenpflegeheim mit 30 Betten, vielleicht auch mit Kurzzeit- oder Tagespflege, sei nur dort denkbar, wo man von der Architektur her keine Kompromisse eingehen müsse: im nördlich angrenzenden Jesuitengarten. Dort war schon vor einem Jahrzehnt die Erweiterung des Heilig-Geist-Spitals geplant, scheiterte damals aber an nicht mehr verfügbaren Zuschüssen vom Freistaat. Der jetzt ins Gespräch gebrachte Um- und Anbau des Bürgerheimes dürfte nach Consolutions-Berechnungen mit 1,96 Millio­nen zu Buche schlagen. Parallel dazu sieht Vetters „Vorwärtsstrategie“ für das Heilig-Geist-Spital 75 Einheiten für das Betreute Wohnen vor. Im Westflügel des Altbaus könnten „1- bis 4-Sterne-Appartements“ und im Anbau, der am 11. September 2009 eingeweiht worden war, „3- bis 4-Sterne-Sui­ten“ in einem „einzigartigen Umfeld“ entstehen. Kostenpunkt: rund 1,8 Millionen Euro. Die energetische Sanierung des im Norden gelegenen Neubaus bezifferte Vetter auf rund 540000 Euro. Für insgesamt 4,3 Millionen Euro ließe sich ein Topambiente für alle Senioren schaffen, sagte der Unternehmensberater und legte sogleich einen äußerst sportlichen Zeitplan vor: Baubeginn im Januar kommenden Jahres, Fertigstellung im Sommer 2014. „In drei Jahren können Sie aus dem Tal der Tränen rauskommen“, weckte Vetter große Hoffnungen, bereits in 2015 könne das Defizit weniger als 20000 Euro betragen. Lehmann drosselte das Tempo ein wenig und gab das Konzept inklusive Businessplan erst mal an die Ratsmitglieder weiter. So könnten sie sich bis zur Entscheidung in einer der nächsten Sitzungen eingehend mit dem Thema befassen. Klar sei aber bereits, dass man sich im Altbau von der Pflege verabschieden müsse. Pavillon im Innenhof Die „neue Ordnung“ des Heilig-Geist-Spitals sieht laut Vetter rund 55 Prozent der Gesamtfläche für Betreutes Wohnen vor. Ein Ambulanter Dienst sei zudem denkbar. Den Rest würde er verschiedenen kulturellen Nutzungen zuführen – Museum, Bibliothek und Lehranstalt. Nicht ausgeschlossen sei Gastronomie im Kellergewölbe des Spitals. Und schließlich möchten die Fachleute den Arkadenhof des Heilig-Geist-Spitals der Öffentlichkeit zugäng­lich und ihn für die Bewohner ganzjährig nutzbar machen. In dem zum Neuen Stadtmuseum hin geöffneten Innenhof präsentierte Vetter auf seiner Computeranimation einen ausfahr­- baren Glaspavillon.

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