Die Familie ist oft allein

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Heute Abend soll im Stadtrat der Wechsel besiegelt werden, dann ist (von links) Christian Jungbauer neuer Kommandant der Landsberger Feuerwehr, Karl-Heinz Novy sein Vorgänger und Markus Obermayer sein Stellvertreter.

Landsberg – „Es ist für mich kaum zu glauben, wie schnell die 20 Jahre vergangen sind“, wundert sich Karl-Heinz Novy. 1995 wurde er, nach vier Jahren als Stellvertreter, zum Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Landsberg gewählt. Jetzt macht er den Weg für seinen Nachfolger Christian Jungbauer und den 2. Kommandanten Markus Obermayer frei, die beide am heutigen Mittwochabend vom Stadtrat bestätigt werden sollen.

Novy freut sich jetzt auf mehr Motorradtouren und auf das Reisen generell. „Das ist halt immer zu kurz gekommen, man kann ja nicht von seiner Mannschaft verlangen, dass sie im Lande bleibt und dann selbst anders handeln.“ Wenn auch nicht mehr an vorderster Front, will er trotzdem noch zwei Jahre Dienst als Aktiver leisten, „dann bin ich 63 und muss ja aus Altersgründen aufhören.“ Bis dahin wird er seinem Nachfolger und dessen Stellvertreter natürlich noch mit Rat und Tat zur Seite stehen. Eines prognostiziert er ihnen jetzt schon: „Man muss die Familien oft allein lassen, eigentlich ist man mit der Feuerwehr verheiratet.“

Für Jungbauer ist das kein ganz neues Gefühl, immerhin hat der 44-Jährige selbst schon acht Jahre lang als Stellvertreter von Novy („wir haben uns blind verstanden“) reichlich Erfahrung gesammelt. Diese Rolle übernimmt jetzt der neun Jahre jüngere Markus Obermayer. „Das ist sicher auch für ihn nicht schlecht, wenn man in diesem Alter schon so eine Position hat.“

Ein Wort war ein Wort

Obermayer, der die Familie bereits in dritter Generation in der Landsberger Wehr vertritt, weiß schon vor dem offiziellen Amtsantritt in etwa, was auf ihn zukommt. „Ich habe erst gedacht, ich verwalte die Termine mit meinem iPhone-Kalender, aber da habe ich keine Chance.“ Die Aufgabe werde immer zeitintensiver, inzwischen könnte man fast schon eine Sekretärin für den Papierkram brauchen. Für Novy ist das auch ein Zeichen der sich stetig ändernden Zeiten. „Es muss heute alles schriftlich sein. Früher war ein Wort einfach ein Wort, das gibt es leider nicht mehr.“

Den beiden Führungskräften der Landsberger Wehr wird in ihrer sechsjährigen Amtsperiode auch zugute kommen, dass sie bei der Stadt Landsberg angestellt sind und so auf viel Verständnis für den großen Zeit- aufwand bei ihrem Dienstherrn hoffen können. „Als Freiberufler ist so etwas gar nicht mehr zu stemmen“, weiß Obermayer. Jungbauer: „Auch ein ,normaler‘ Arbeitgeber macht das meistens nicht lange mit.“ In seiner neuen Funktion setzt er jetzt darauf, „dass mich die Mannschaft so unterstützt wie meinen Vorgänger. Ohne die und ohne die Politik funktioniert‘s nicht.“ Langweilig werden wird es dem Kommandan- ten und seinen 76 Aktiven jedenfalls auch heuer wieder nicht: Nach 344 Einsätzen im Vorjahr steht man jetzt bereits wieder bei über 30.

Wenn seine Karriere bei der Wehr einmal zuende geht, hofft Jungbauer, ähnlich zufrieden zurückblicken zu können wie jetzt nach zwei Jahrzehnten Karl-Heinz Novy: „Mir hat die Arbeit immer Spaß gemacht, die schönen Zeiten haben deutlich überwogen. In all der Zeit hatten wir nur einen Unfall, als sich eine Kameradin beim Aussteigen den Fuß gebrochen hat.“ Ansonsten stehen nur Blechschäden auf der Negativseite, zweimal gab es einen Totalschaden mit einem Einsatzleitfahrzeug.

Kommandant Christian Jungbauer steht jetzt gleich vor großen Herausforderungen. Die Ausbildung wird landesweit erneut komplett umgestellt, zudem stehen wichtige Be- schaffungen für seine Freiwillige Feuerwehr an. „Und die Stadt weiß, dass wir räumlich an unsere Grenzen stoßen und irgendwann mehr Platz brauchen; vielleicht in 20 Jahren sogar einmal ein neues Feuerwehrhaus.“

Christoph Kruse

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