Die JVA im Wäschekorb verlassen – Filmreife Flucht aus Landsberger Gefängnis

Versteckt in einem Wäschecontainer ist Ende Mai vergangenen Jahres einem Häftling der Justizvollzugsanstalt (JVA) Landsberg eine filmreife Flucht gelungen. Jetzt stand sein Bruder vor dem Amtsgericht, der den Häftling seinerzeit in seinem Auto ins Ausland gebracht hatte. Der 31-jährige Angeklagte erklärte, er habe aus Mitleid mit seinem zwei Jahre älteren Bruder gehandelt. Dafür handelte er sich nun eine Geldstrafe in Höhe von 5400 Euro ein.

Mirko und Dragan H. (Namen geändert) haben ein besonders enges Verhältnis, auch wenn ihre Lebenswege denkbar unterschiedlich verliefen. Als Söhne bosnischer Eltern wurden sie beide in München geboren, wuchsen zusammen auf, teilten 18 Jahre lang ein Zimmer. Mirko absolvierte eine Ausbildung zum Industriemechaniker und arbeitet seit elf Jahren bei BMW, ebenso wie sein Vater. Er nahm die deutsche Staatsangehörigkeit an, ist sei einem Jahr verheiratet und wünscht sich Kinder. Dragan dagegen wurde straffällig und landete wegen Raubes für elf Jahre hinter Gittern. Er hätte die Möglichkeit gehabt, nach Verbüssung von gut der Hälfte seiner Strafe nach Bosnien abgeschoben zu werden. Doch nach drei Jahren Haft begann er seine Flucht zu planen. Mirko riet ihm davon ab und drängte ihn, lieber auf den Abschiebetermin zu warten. „Aber er hat gesagt, er hält es im Gefängnis nicht mehr aus.“ Dennoch war Mirko zunächst nicht an der Flucht beteiligt. Ein Freund hatte sich bereit erklärt, Dragan im Auto wegzubringen, überlegte es sich aber kurzfristig anders. In dieser Situation wandte sich der Häftling an seinen Bruder. „Er war so fertig und hat mir Leid getan“, erklärte Mirko H. So wartete er am nächsten Tag im Auto am Hindenburgring vor den Toren des Landsberger Gefängnisses, folgte dem Wäschetransporter auf die Autobahn A96 und weiter in Richtung St. Ottilien. An einer Kreuzung kletterte Dragan H. aus dem Wäschecontainer, schlüpfte unbemerkt aus dem Fahrzeug und stieg zu seinem Bruder ins Auto. Wieder in Landsberg Die Flucht in dem Pkw ging über Österreich in die italienische Hafenstadt Ancona, wo Dragan eine Fähre nach Kroatien bestieg und nach Bosnien weiterreiste, um bei seiner Familie unterzutauchen. Allerdings nicht für lange: Der Entflohene wurde, wie im KREISBOTEN berichtet, wieder festgenommen und sitzt inzwischen erneut in der JVA Landsberg – mit deutlich geringeren Aussichten auf eine vorzeitige Entlassung oder irgendwelche Hafterleichterungen. Alle Umstände zusammen bewogen Amtsrichterin Beate Kreller zu einem recht milden Urteil. Die im Strafbefehl der Staatsanwaltschaft verhängten 150 Tagessätze à 60 Euro reduzierte sie auf 90 Tagessätze. Für Mirko H. hat das den großen Vorteil, dass die Verurteilung nicht in seinem Führungszeugnis auftaucht – dort werden erstmalige Geldstrafen nur dann vermerkt, wenn sie über 90 Tagessätzen liegen. Kreller sah keinen Grund, ihm mit einer Eintragung den künftigen Lebensweg zu erschweren.

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