Das Klima im Wald

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Förster Ludwig Pertl bei seiner letzten Waldbegehung im Fuchstal – hier in einer Aufforstung im Wasserschutzgebiet bei Welden. Links Waldreferent Josef Weber und Bürgermeister Erwin Karg.

Fuchstal – Die Waldbegehung war auf Fuchstaler Flur; doch Förster Ludwig Pertl ließ bei dieser Veranstaltung auch mit Zahlen aufhorchen, die für den gesamten Landkreis Landsberg relevant sind. Da wurde es unter den Teilnehmern still, nachdem er auf die 11,9 Tonnen Kohlendioxid zu sprechen gekommen war, die jeder Einwohner im Kreis Landsberg verursacht – bundesweit sind es knapp zehn Tonnen. Die Natur verkrafte aber nur zwei Tonnen je Einwohner.

Schweigen im Walde herrschte (zumindest für kurze Zeit), nachdem Pertl folgende Gegenüberstellung gebracht hatte: Die Kosten im Landkreis für fossile Energien wie Öl und Gas belaufen sich pro Jahr auf über 500 Millionen Euro. Dagegen sind mit Holz aus heimischen Wäldern zwischen Kinsau und Prittriching „nur“ 20 Millionen Euro erlöst worden.

Der Förster nannte noch weitere Zahlen bei der Waldbegehung im Fuchstal. Beim Energieverbrauch im Landkreis Landsberg entfallen 17 Prozent auf Strom (davon ein Drittel aus Erneuerbaren Energien) und 45 Prozent auf Wärme (mit acht Prozent Anteil an Erneuerbaren Energien). 38 Prozent beträgt der Anteil für den Verkehr.

Aber es sind nicht diese Zahlen, die bei einer Bewertung der Waldwirtschaft im Mittelpunkt stehen. Neben dem Erlös aus dem Holzverkauf sind aus Sicht von Förster Ludwig Pertl Faktoren wie der Boden und das Klima im Wald „genauso wichtig“. Da dürfe man bei den Investitionen keinesfalls sparen. Eine „Schande“ sei es gar, „wie wenig wir die versauerten Boden beachten“.

Es gehe darum, durch den Umbau in einen Mischwald mit einem Maximum an Blattmasse wieder einen guten Wasserspeicher zu machen. Bei der Waldbegehung im Fuchstal machten Gemeinderäte, Waldbauern und Jagdgenossen mit Förster Pertl an drei Stationen Halt. Diese waren im Gemeindewald in Asch (nördlich der 2015 abgebrannten Stockwirtschaft), im Wasserschutzgebiet bei Welden und an der „ersten Steige“ südwestlich von Leeder, wo es nicht mehr weit ist bis zu den vier Windkraftanlagen im Kingholz.

„Wir gehen keinen bequemen Weg. Aber wir haben ein klares Ziel“, kommentierte Förster Pertl das Bestreben, mit Artenvielfalt im Wald einen gesunden Boden zu erhalten, was langfristig zu mehr Widerstandsfähigkeit führe. Jagdvorstand Otto Prinzing drückte es bei der Begehung mit diesen Worten aus: Man wolle „weg vom Zuchtbetrieb“.

Aus dem Gemeindewald von Leeder ist 2015 deutlich weniger Holz verkauft worden als in den Vorjahren. Josef Weber, Waldreferent im Gemeinderat, listete auf, dass es letztes Jahr nur 676 Festmeter beim Holz­einschlag waren. Grund dafür ist, dass durchs Aufarbeiten der Schäden nach dem Sturm Niklas vom 31. März 2015 sehr viel Ware auf den Markt gekommen ist.

In der Wasserschutzzone

Erholungswert, Gesundheitsförderung und Schutz des Trinkwassers: Diese Aspekte wurden bei der Besichtigung einer drei Hektar großen Fläche deutlich, die von der Gemeinde Fuchstal in der Wasserschutzzone bei Welden gekauft wurde. Das hügelige Areal nördlich der Ortschaft wurde vor fünf Jahren mit verschiedenen Baumarten wieder aufgeforstet. Darunter sind auch seltene Arten wie Walnuss, Wildapfel, Wildbirnen und Wildkirschen.

Das Einbringen von Laubbäumen in reine Fichtenbestände z.B. als Vorbau am Rand einer Pflanzung oder auf freien Flächen mittendrin sei die Grundlage dafür, dass sich die Bodenqualität wieder bessere, erklärte Förster Pertl beim ersten Halt, nämlich im Gemeindewald oberhalb von Asch. Es bilde sich eine gesunde Humusauflage. Bakterien und Regenwürmer seien unverzichtbare Bestandteile eines guten Bodenlebens.

Johannes Jais

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