Waldbegehung

Trittsteine für die Vielfalt

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Forstamtsleiter Hans-Jürgen Gulder (2. von rechts) mit den (wenigen) Teilnehmern der Waldbegehung im Westerholz.

Westerholz/Landkreis – Widerspricht Waldbewirtschaftung zwangsläufig den Zielen des Naturschutzes? Nein, sagen Staatsregierung und Forstbehörden. Das laufende Jahr wurde von Staatsminister Hubert Brunner sogar zum Aktionsjahr Waldnaturschutz ausgerufen. Aus diesem Anlass trafen sich Behördenvertreter und Naturschützer am Samstag zum Lokaltermin im Westerholz zwischen Scheuring und Kaufering, um den aktuellen Zustand des Waldes gemeinsam in Augenschein zu nehmen.

Das zumindest war die Idee. Tatsächlich waren einige Aktive des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) anwesend, aber kein offizieller Vertreter vom ebenfalls eingeladenen Bund Naturschutz. Von staatlicher Seite begrüßten Forstamtsleiter Hans-Jürgen Gulder und Nikolaus Stöger, der Chef des Landsberger Forstbetriebs, die über- schaubare Zahl der Interessierten.

Ihnen wurde unter anderem ein „waldmäßiges Kleinod“ (Gulder) präsentiert: der Reiherschlag, ein Naturwaldreservat innerhalb des Westerholzes. Hier stehen alte Bäume mit dichten Kronen, ungestört von Harvestern, unberührt von Äxten. In ganz Bayern gibt es nur 160 solcher Gebiete, flächenmäßig machen sie einen winzigen Teil des gesamten Waldbestands im Freistaat aus.

Umso wertvoller sind sie. Gulder zufolge wachsen im Reiherschlag 15 Baumarten. Der Wald ist bewusst „unaufgeräumt“, das heißt, Totholz wird am Boden liegen gelassen. Es dient als wichtiger Lebensraum für eine Vielzahl von Pilzen und Käfern. Sechs Spechtarten sind hier zuhause. Über 200 Nistkästen hängen für Blaumeisen in den Bäumen, weil das Max-Planck-Institut in einer langfristigen Studie die Populationsentwicklung der Vögel untersucht. Im sogenannten „Wirtschaftswald“ gleich nebenan herrschen keine derart paradiesischen Zustände, doch mit dem Konzept der integrativen Waldbewirtschaftung bemüht man sich um Naturnähe. Laut Forstamt geht es darum, mit einer naturnahen Waldbewirtschaftung auf der ganzen Fläche die Artenvielfalt zu verbessern, „ohne die Käseglocke Naturschutz drüberzustülpen“, wie Gulder sagte.

Neu ist im Westerholz das Konzept der sogenannten Trittsteine. Dabei handelt es sich um einzelne Baumgruppen, die bewusst aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden, um zum Beispiel Lebens- raum für gefährdete Vogelarten wie den Schwarzspecht zu bieten. „Wir können beweisen, dass mit dem Trittstein-Konzept die Artenvielfalt steigt“, unterstreicht Gulder.

Ebenso wichtig sind Totholz-Biotope wie die Überreste einer mächtigen alten Eiche, die im Unterholz liegen. An dem toten Holz leben Pilze und Insekten, die ebenso wertvoll wie unscheinbar sind, darunter der Eremit, der auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht.

Ulrike Osman

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