Eis - Wasser - Dampf – Silvesterkurs in St. Ottilien vermittelt geistliche Transformation

Der Übergang von einem Jahr zum anderen – viele wünschen sich für diese Stunden einmal ein besonderes Erlebnis, etwas Tiefsinniges, das bleibt, das im Gedächtnis haftet. Das Benediktinerkloster St. Ottilien bietet schon seit Jahren einen „Silvesterkurs“, ein gemeinsames Erleben des Übergangs an. Dafür haben sich Bruder Otto Betler und sein Team ein passendes „Medium“ ausgesucht, nämlich die verschiedenen Aggregatzustände der chemischen Ver- bindung H2O: Eis – Wasser – Dampf.

Nichts, so der Benediktinermönch, ist mehr geeignet, um den Transformationsprozess zu veranschaulichen, um Übergänge von einem „Zustand“ in den anderen zu vermitteln. Ziel des Kurses, der drei Tage vor Silvester beginnt und am Neujahrstag endet, sei es, katholische Spiritualität mit Umweltbewusstsein zu verbinden. „Die Natur hat uns etwas zu sagen, und wir der Natur“, so Bruder Otto. Man wolle ein „freundliche Beziehung zu Mutter Natur entwickeln“. Andererseits geht es auch um Lebensfragen, um Rückblick und Vorschau. Deshalb wurde eine gewisse Altersbegrenzung vorgenom- men. Mit Unter-21-Jährigen wie auch mit Über-50-Jährigen sind andere Fragestellungen aktuell, ist der Fokus des Lebens ein anderer. Dass man in diesem Jahr die 51-Jährigen doch noch integrieren will, liegt an der verzweifelten Anfrage einer Dame, die im vergangenen Jahr schlicht die Anmeldung verpasst hatte. Wer weiß schon, dass sich Wassermoleküle, wenn sie die drei möglichen Aggregatzustände durchlaufen, wenn also aus Eis Wasser und dann Dampf wird, sie sich um das 1600fache vergrößern. Für diese physikalischen Fragen hat das Ottilien-Team in diesem Jahr sogar einen Experten vor Ort. Bruder Elias, einst zum Doktor für Geophysik avanciert und Fachmann für Gletscherforschung, wird den wissenschaftlichen Part beisteuern. In den Tagen vor Silvester wird man sich viel in der Natur bewegen, wird trotz Kälte einen Sonnenaufgang miterleben und so viel als möglich an den klösterlichen Gottesdiensten teilnehmen, singen und tanzen. Nachmittage mit Malen und Basteln sind angesetzt, die einen Übertragungsprozess in Gang setzen sollen, der zu tieferen Einsichten führt, weil nicht Gedanken, sondern Gefühle die Handlungen bestimmen. Ganz begeistert erzählt Bruder Otto davon, was in der Silvesternacht geplant ist. Die 50 Teilnehmer – der Kurs ist schon lange ausgebucht – werden zunächst in die Nacht wandern, sich dann an einem Lagerfeuer aufwärmen und schließlich zum Gottesdienst in die Abteikirche zurückkehren. Dort wird die Gruppe zum Chor mutieren und unter der Leitung von Barbara Kling zusammen mit dem Prior des Klosters die Zeit bis Mitternacht verkürzen. Dass es ein nachhaltiges Erlebnis sein muss, beweist die Tatsache, dass die Teilnehmer zu dreiviertel „Wiederholer“ sind. Man sei schon wie eine Familie, erläutert Bruder Otto, die Plätze für Neuzugänge sind rar. Und obwohl die meditativen Teile viel anstrengendes Sitzen erfordern, fasziniert dieses Angebot gerade auch Jüngere.

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