Ausmähen und Ausräumen

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Idyllisch gelegen und nur schwer zugänglich: der Hungerbach, hier nahe des Kalkbrennerweges.

Seestall – Der Starkregen an mehreren Tagen im Sommer, in dessen Folge einige Keller unter Wasser standen, ist der Anlass dafür: In Seestall soll demnächst der Hungerbach ausgeräumt werden. Dabei soll der Graben vor allem ausgemäht und verbreitert werden. Das Gefälle dieses Gewässers ist sehr gering – es liegt im niedrigen Promillebereich.

Eine Besonderheit ist, dass der Hungerbach, der östlich der Hangkante mit ihren zahlreichen Quellen entspringt, gar nicht den nahen Lech erreicht, sondern nahe der Ortschaft Dornstetten „verhungert“. In Seestall selbst hat sich im Lauf der letzten Jahrzehnte die Zahl der Anlieger deutlich erhöht. Früher waren es wenige Landwirte, inzwischen sind es durch Verkauf von Boden an Bauwillige mehrere Dutzend Anlieger, auf deren Privatgrundstück der Hungerbach verläuft.

An vielen Stellen ist der zugewachsene Graben nur ein bis zwei Meter breit. Lediglich südlich des Kalkbrennerwegs weitet er sich zu einem kleinen Weiher. Von dort fließt das Wasser durch ein Rohr unter der Straße in den Graben, der Richtung Dornstetten führt.

Die Fuchstaler Gemeinderäte haben einmütig beschlossen, dass was getan werden muss. Die Gemeinde beauftragt eine Firma mit dem Ausmähen und Ausräumen des Grabens. Dies soll auf jeden Fall in Angriff genommen werden, bevor wegen eventuellen Niederschläge im Spätherbst bzw. starken Schneefalls im Winter die Wahrscheinlichkeit zunimmt, dass in einigen Häusern Seestalls wieder Wasser in den einen oder anderen Keller eindringt – sei’s durch nicht abfließendes Oberflächenwasser bzw. durch hohes Grundwasser.

Die Räumung des Grabens soll auf einer Länge von 375 Metern erfolgen. Die Maßnahme wird ungefähr drei Tage beanspruchen, informierte zweiter Bürgermeister Martin Brennauer in der letzten Gemeinderatssitzung. An einigen Stellen ist der Bach bereits von Anliegern geräumt worden, schildert ein Anwohner.

Gründlich machen

Gemeinderat Heinz Nehrenheim macht sich für ein gründliches Ausmähen stark. „Vier Buschel Gras ausreißen – das reicht nicht“, kommentierte der Seestaller, der selbst an der Ortsstraße wohnt und Anlieger am Hungerbach ist. Auch müsse die Gemeinde klar machen, dass sie trotz mancher Anlieger-Meinung nach dem Motto „Ich lass da keinen rein“ die Hoheit für dieses Gewässer habe.

Ebenso wie Nehrenheim plädierte auch dessen Kollege Dr. Walter Reitler dafür, wegen der Situation fachlichen Rat einzuholen und ein Ingenieurbüro zu beauftragen. „Die Zusammenhänge kennt kein Mensch“ sagte er im Gemeinderat. Auch Stephan Völk war dafür, heuer das Thema Grabenräumung anzugehen und evtl. im Jahr 2017 einen Gutachter einzuschalten.

Franziska Welz wies auf drei Punkte hin. Das Ausräumen mit einem Verbreitern des Grabens sollte gemacht werden, wenn es trocken ist. Zweitens sollte ein gleichmäßiges Gefälle hergestellt werden, und dabei müsse bereits oberhalb des Weihers angefangen werden. Drittens sei es wichtig, die Anlieger seitens der Gemeinde zu informieren. Welz, Nehrenheim und Dr. Reitler sind die drei Seestaller Räte im Fuchstaler Gremium.

Zweiter Bürgermeister Brennauer stellte klar, dass beim Ausräumen darauf zu achten sei, an der Sohle des Hungerbachs keine Lehmschicht zu verletzen. Zudem könne man keine Verrohrung vornehmen. Das wäre eine wasserrechtliche Erlaubnis notwendig.

Keine Keller mehr

Die Thematik mit Wasser im Keller einiger Seestaller Häuser war bereits in den Jahren 1999 (Pfingsthochwasser) und 2002 aktuell. In den zurückliegenden Jahren gab es damit weniger Probleme. Das hat sich heuer durch Starkregen-Ereignisse im Sommer wieder geändert.

In die Thematik waren auch Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt eingebunden. Weil Seestall an einem quellenreichen Gebiet liegt, hat der eine oder andere Hauseigentümer seinen Keller in eine Wanne gesetzt. Neuerdings gibt es auch Häuslebauer, die auf den Keller ganz verzichten und Versorgungsräume im Erdgeschoss oder im ersten Stockwerk platzieren.

Johannes Jais

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