Reisigbesen im OP

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Michael Wasserle, Geschäftsführer der Wasserle GmbH, mit den Mitarbeitern Warvan Ali, David Dossou und Yadgar Jamal sowie Otti Ecke vom Landsberger Verein Humanitäre Hilfe (von links). Mit gespendeten Reinigungsmitteln unterstützt die Firma Hilfsprojekte in Kamerun und dem Nordirak.

Windach – David Dossou tritt in diesen Tagen eine ungewöhnliche Urlaubsreise an. Der 58-jährige Mitarbeiter der Windacher Gebäudereinigungsfirma Wasserle fliegt nach Kamerun, das zentralafrikanisches Land in der Nähe seiner Heimat Benin. Im Gepäck hat er rund 40 Kilo Putzutensilien und Reinigungsmittel, wie sie in der professionellen Gebäudereinigung verwendet werden.

Die Desinfektionsmittel, Besen, Kehrschaufeln, Mikrofasertücher und Wischmopps sind für ein Krankenhaus in der Stadt Ndoungue gedacht. Dort mangelt es an einer der Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Medizin: der Hygiene.

Der von Ärzten und Pflegekräften des Klinikums Landsberg gegründete Verein Huma­- nitäre Hilfe ist seit zwei Jahren dabei, unter der Leitung von Dr. Soeren Gatz das Hopital Protestant de Ndoungue auf Vordermann zu bringen. Ziel ist ein stabiler Betrieb, der eine qualitativ hochwertige medizinische Betreuung der Bevölkerung ermöglicht. Mit Hilfe von Spenden konnten bereits dringend benötigte Geräte beschafft werden, als nächstes sollen die Sanitäranlagen restauriert, eine stabile Stromversorgung sichergestellt sowie einheimische Ärzte geschult werden.

"Ich möchte helfen!"

Eine große Baustelle ist das Thema Hygiene, denn von sterilen Operationssälen ist man noch weit entfernt. Für die Reinigung der Räume fehlen Geräte und Fachwissen. „Die OPs werden mit Reisigbesen gekehrt“, beschreibt Markus Wasserle die Situation. Deshalb spendet seine Firma die Ausrüstung, Dossou seinen Jahresurlaub. Wasserle: „Ich möchte den Leuten dort helfen.“

Beim Landsberger Verein Humanitären Hilfe ist man hocherfreut. „David spricht die Lan­dessprache und kennt die Mentalität der Menschen“, so Vorsitzender Dr. Werner Müller. „Er wird den Mitarbeitern vor Ort das notwendige Reinigungs-Know-How beibringen.“ Wasserle hat außerdem eine gene­ralüberholte Industriewaschmaschine aufgetrieben, die ebenfalls nach Kamerun verschifft wird. Auch diese wird dringend gebraucht. „Das vorhandene Gerät wird mehr repariert als dass man damit arbeiten kann“, weiß Müller.

„Diese Art von Hilfe hat in unserer Firma Tradition“, erklärt Wasserle. Nach dem Hochwasser 2010 schickte sein Unternehmen Desinfektionsmittel nach Polen und im März fliegen zwei Mitarbeiter in den Nordirak, um in einem Lager für syrische Kriegsflüchtlinge Reini­- gungsmittel zu verteilen. „Ich denke, es macht am meisten Sinn, einen Beitrag dazu zu leisten, den Menschen in ihrer Heimat zu helfen, damit eine Flucht in fremde Länder gar nicht erst erforderlich wird“, so Wasserle.

Ulrike Osman

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