Dann flog das Tablett

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Landsberg – Ein momentaner Ärger, ein fliegendes Tablett, ein minimaler Sachschaden – und eine ganze Existenz steht auf dem Spiel. So erging es einem 29-Jährigen, der im April in einer Raststätte an der A96 bei Landsberg randalierte.

Der Maurer, der im Allgäu lebt, hatte mit seiner Firma die Messe Bauma in München besucht. Dort gab es Freibier, dem er im Laufe des Nachmittags reichlich zusprach. Auf dem Heimweg machte der Bus mit der Belegschaft Station an der Raststätte bei Landsberg. Der 29-Jährige wollte sich am Automaten Geld ziehen, es sei jedoch nichts herausgekommen – so zumindest kam es ihm vor. Für wahrscheinlicher hielt es Richter Alexander Kessler, dass der Angeklagte in seinem betrunkenen Zustand das Gerät falsch bedient hatte.

„Ich habe mich ziemlich aufgeregt“, gab der gebürtige Brandenburger zu. Als er sich bei einer Kassiererin in der Raststätte beschwerte, fertigte sie ihn kurz ­angebunden ab – sie habe mit dem Geldautomaten nichts zu tun. Daraufhin ergriff der Angeklagte ein Tablett und warf es in die Ecke. Eine Untertasse ging zu Bruch, der Deckel einer Vitrine wurde beschädigt. Insgesamt entstand ein Sachschaden von 42,50 Euro.

Eigentlich eine Lappalie, die „nach einer Einstellung des Verfahrens schreien würde“, so Kessler. Doch der Angeklagte hatte fünf Vorstrafen und stand wegen zweier Verurteilungen noch unter doppelter Bewährung. Und so wurde die kleine Sachbeschädigung zum großen Problem. „Die Luft wird richtig, richtig dünn für Sie“, warnte der Vorsitzende. Dem Antrag von Staatsanwalt Benjamin Rüdiger, der eine viermonatige Haftstrafe ohne Bewährung forderte, wollte er dennoch nicht folgen.

Auch Verteidiger Karl Mayer hielt Gefängnis für seinen Mandanten für völlig überzogen. Er sei höchstens „wegen Dummheit“ zu verurteilen. Der Mann habe eine feste Arbeit und sein Leben im Griff. „Alles läuft, wenn da nicht dieser Ausraster gewesen wäre.“ Eine Haftstrafe hätte bedeutet, dass Job und Wohnung verloren wären. Mayer beantragte eine Geldstrafe am unteren Limit – 1.200 Euro.

Eine Geldstrafe wurde es dann tatsächlich, allerdings fiel sie gepfeffert aus. 4.500 Euro muss der 29-Jährige berappen, wenn das Urteil rechtskräftig wird. „Für Sie ist es eine Minute vor zwölf“, so Kessler an die Adresse des Maurers. Es dürfe nun nicht mehr die kleinste Kleinigkeit vorfallen, sonst führe am Gefängnis kein Weg mehr vorbei. „Ich gehe davon aus, dass Sie das endgültig kapiert haben.“

Ulrike Osman

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