Weiches für die Harten

Das hölzerne Oval ist fast 30 Jahre alt und entspricht seit geraumer Zeit nicht mehr den Erfordernissen des aktuellen Eissports. Im Zuge der Gesamtsanierung wird die städtische Eissporthalle, der „Hungerbachdome“, mit einer neuen Bande ausgestattet: Polyäthylen statt Holz. Einstimmig votierte der Bauausschuss am Mittwoch für die PE-Bande der „AST Eis- und Solartechnik GmbH&Co.KG“ aus Reutte. Haken an der Geschichte: Die aktuelle Bandenwerbung lässt sich nicht wiederverwenden. Wer für die Ersatzbeschaffung finanziell gerade steht ist noch offen.

Trotz des klaren Abstimmungsergebnisses blieben im Sitzungssaal des Rathauses doch einige Fragezeichen zurück – etwa in punkto Material. Mit der PE-Bande aus dem Lechtal hat sich das Gremium für ein Modell entschieden, das der Hersteller auf www.ast.at als „Bandensystem für den Publikumslauf“ anbietet. Und weiter beschreibt er sein Produkt, das die Stadt knapp 136000 Euro kostet: „Mehr als eine ,Umrandung‘ einer Eisfläche. Keine Bandenchecks, keine hohen Belastungen, einfach eine stabile Begrenzung oder Umrandung der Eisfläche. Es gibt viele Möglichkeiten!“ Eine davon ist die neue Landsberger Bande, bestehend aus einem feuerverzinkten Stahlbau, beplankt mit weißen Polyäthylenplatten. Der Handlauf und die Stoßleisten seien in vielen Farben möglich, so AST. Billiger und weicher Keine Bandenchecks? Keine hohen Belastungen? Diese Details der Produktbeschreibung kamen im neuen Sitzungssaal nicht zur Sprache, wohl aber, dass das Banden-Modell bereits in Weiden montiert sei. Im Vergleich zu der wesentlich teureren, äußerst stabilen GFK-Variante – sie kostet 206000 Euro und ist im Curt-Frenzel-Stadion in Augsburg sowie in Bad Tölz installiert – seien die Kunststoffbanden „weicher und damit besser für die Spieler“, erläuterte Ulla Höss vom städtischen Hochbaureferat. Die etwas geringere Verletzungsgefahr gefiel denn auch Sportreferentin Ursula Schaller (SPD), das sei wichtig für den Schulsport. Weiches für ihre harten Jungs habe laut Höss auch die Vorsitzende des EV Landsberg 2000 favorisiert und sich ebenfalls für die „Publikumslauf-Bande“ ausgesprochen. Dies allerdings erst einen Tag vor der Ausschusssitzung und ohne bei der Besichtigung der verschiedenen Banden dabei gewesen zu sein. „Es wäre wünschenswert gewesen“, kritisierte BAL-Stadtrat Reinhard Skobrinsky, „wenn man die Leute vom EVL 2000 schon früher mit dem Thema befasst hätte.“ Für Gunnar Kahmke (SPD) war dies Anlass für eine Klarstellung: Es handle sich hier um Eissporthalle und nicht um eine Eishockeyhalle, da seien auch andere Nutzer drin. "Nicht der Steuerzahler" Deutlich mehr wird die Gemüter in der Lechstadt aber der Umstand erhitzen, dass die Werbeanlagen an der neuen Bande nicht mehr zu installieren sind. Neue, leichtere müssen angefertigt werden, was laut Höss mit bis zu 30000 Euro zu Buche schlagen wird. Wer aber soll das bezahlen? Die Stadt als „Verursacher“? Das sei keinesfalls Sache des Steuerzahlers, stellte OB Ingo Lehmann (SPD) auch mit Blick auf den Gleichbehandlungsgrundsatz klar. Die Sponsoren? „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir das auf sie verlagern können“, positionierte sich Harald Reitmeir (CSU) schützend vor den Gönnern des EVL. Und der EV Landsberg 2000? „Solange es dazu keine Entscheidung gibt, möchte ich mich auch nicht äußern“, sagt Vorsitzende Karin Federl. Im Moment in der Öffentlichkeit darüber zu diskutieren halte sie für ungeeignet.

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