Weiter Schranken abbauen

Die Holzhausener Raben, ein Chor von Regens-Wagner Holzhausen, umrahmte das 20-jährige Jubiläum des Behindertenbeirates Landsberg musikalisch. Foto: Osman

Seit 20 Jahren vertritt der Behindertenbeirat des Landkreises Landsberg die Interessen von gehandicapten Menschen. Er setzt sich für Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln ein, für behindertengerechte Parkplätze und Sanitäranlagen, für geschärftes Bewusstsein und Barrierefreiheit in den Köpfen. Und er hat in diesen 20 Jahren schon einiges bewegt, wie am Donnerstag beim Jubiläums-Festabend im Landratsamt deutlich wurde.

1992 ging der Behindertenbeirat aus einem Zusammenschluss örtlicher Organisationen hervor und machte sich sogleich an eine der wichtigsten Aufgaben: die Öffentlichkeitsarbeit. Aus Info-Ständen und Straßenfesten wurde bald ein regelmäßiger Aktionstag. Der Behindertenbeirat organisierte Stadtbegehungen, um auf Missstände aufmerksam zu machen – zum Beispiel darauf, dass es in der Landsberger Innenstadt viel zu wenige Behindertenparkplätze gab, dass die frühere Schranke vor dem Sportzentrum für Rollstuhlfahrer unüberwindlich war, dass der Landsberger Bahnhof kein Behinderten-WC besaß. All das ist heute anders, wie der Sprecher der Mitgliederversammlung, Ulrich Hauser, konstatierte. Er nannte weitere positive Beispiele: „Der neue Eingang des historischen Rathauses, der barrierefreie Zugang zum Peter-Dörfler-Weg und auch die Rampe am Eingang der Dorfkirche in Eresing, das sind schöne Fortschritte.“ Trotzdem wird dem Behindertenbeirat auch in Zukunft die Arbeit nicht ausgehen. Der Münzeinwurf an den neuen WC-Kassenautomaten auf der Waitzinger Wiese sei viel zu weit oben, kritisierte Hauser. „Und die Parkscheinautomaten sind auch gewachsen. Da kommt kein Rollstuhlfahrer mehr ran.“ Zwischen den Rasengittersteinen auf Parkplätzen könnten Rollstuhlräder leicht stecken bleiben. „Die Behindertenparkplätze sollte man durchgängig pflastern.“ Landrat Walter Eichner (CSU) lobte in seinem Grußwort die Arbeit des Behindertenbeirats als „überaus konstruktiv, lösungsorientiert und auch pragmatisch“. Im Landkreis habe man schon einiges erreicht: Aufzüge in Schulen, die Bahnüberführung am Ammersee-Gymnasium und eine barriere­freie Internetseite. Der Haupteingang der Landratsamtes soll demnächst mit einer Rampe ausgestattet werden. Selbstzufriedenheit sei dennoch unangebracht, denn von einer voll­ständigen Inklusion ist man noch weit entfernt. Gerade bei diesem Thema bat Eichner jedoch auch um Augenmaß. Ideale fordern Barbara Juchem, die Behindertenbeauftragte des Landkreises, konterte. Um möglichst viel zu erreichen, müsse man Ideale fordern – auch wenn es nie eine ideale Gesellschaft geben werde. „Eine Fähre, die über einen Fluss mit starker Strömung übersetzt, steuert immer einen Punkt oberhalb der Anlegestelle an, damit sie nicht abgetrieben wird“, machte Juchem deutlich. Für den musikalischen Rahmen des Abends sorgten Künstler aus den Mitgliedsvereinen: die Percussion-Gruppe Ramba Zamba, die Chöre der Lebenshilfe, der Arche und der Gehörlosenvereinigung sowie die Holzhauser Raben.

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