Die Welt ist voller Narren – Seebühne Utting überzeugt mit "Falstaff – Die lustigen Weiber von Windsor"

Soviel ist sicher: Die lustigen und listigen Bürger von Windsor und der fette Ritter Sir John Falstaff (Florian Münzer), sind sich gar nicht grün. Fast alle, die in der ersten Szene von „Die lustigen Weiber von Windsor“ engelsgleich im Kirchenchor singen, haben es faustdick hinter den Ohren. Da muss sich sogar der ausgebuffte Falstaff warm anziehen…

Heuer haben sich die 25 Darsteller der Uttinger Seebühne viel zugetraut – aber nicht zu viel: Riesig ist die Spielfläche, die es mit Leben zu erfüllen gilt, als Naturkulisse brilliert der Ammersee. Als Requisiten wechseln sich lediglich ein Sofa, auf dem sich Falstaff gerne räkelt, ein Wäschekorb in den er sich vor seinen Verfolgern flüchten muss und ein Teppich ab. Der wird von seiner kongenialen Gegenspielerin, der gschaftigen Haushälterin und Kupplerin Frau Hurtig (Julia Rahneberg), auf höchst possierliche Weise ausklopft. Und selbst den musikalischen Teil bestreiten die Schauspieler selbst – mit Gesang. Aber was schwierig klingt, gelingt! Angeblich soll der große Dichter William Shakespeare, der die Posse „Die lustigen Weiber von Windsor“ wohl um 1598 geschrieben hat, dies auf Wunsch von Königin Elisabeth getan haben. Sie soll über den verfressenen Maulhelden Sir John Falstaff in „König Heinrich der Vierte“ so gelacht haben, dass sie innerhalb von 14 Tagen eine Fortsetzung wünschte. Gelacht wurde auch am Uttinger Premierenabend gut 400 Jahre später. Denn es ist in der Tat lustig anzusehen, wie der fette Säufer und Aufschneider Falstaff, seine drastische Philosophie der Faulheit und des Genusses auf Kosten der Bürger zu kultivieren sucht. Gleich zwei Bürgersfrauen will er verführen, um an die Geldbeutel ihrer Männer zu gelangen. Dabei wird er allerdings von den Damen (Sieglinde Haim, Michaela Scheithauer) im Handumdrehen selbst aufs Kreuz gelegt, während das ganze Dorf – besonders die Ehemänner – Kopf stehen. Ideal besetzt sind dabei nicht nur die Hauptrollen – Regisseur Florian Münzer musste sich den Text aufgrund einer kurzfristigen Umbesetzung in nur vier Tagen aneignen –, sondern auch die Nebenrollen, in denen sich die theatererprobten Darsteller von ihrer besten Seite zeigen. Das gilt für den hitzköpfigen, unglücklich verliebten, französisch parlierenden Dorfarzt (Gerhard Brauckmann) der aus Eifer- sucht den Pfarrer (Karl Wilhelm) zum Duell im See fordert ebenso, wie für die gewitzten Diener (Dieter Lindenthal, Fritz Hirschvogel, Kurt Haban) des liebes- und geldgeilen Ritters, die ganz im Sinne Shakespeares die mit allen Wassern gewaschenen Spaßmacher geben. „O Jupiter, schenke mir eine geile Brunftzeit“, röhrt im letzten Bild der als Hirsch verkleidete Falstaff, der sich an den nächtlichen Gestanden des Ammersees auf die Suche nach seinen „Ricken“ macht. Die übrigen Komödianten nutzen die Gelegenheit, um sich nochmals mit viel Spielfreude auf den typischen Zauber der Shakespearschen Komödien einzulassen: Sie verwandeln sich allesamt in singende, tanzende Feen, um den brünstigen, nimmersatten Ritter rechtzeitig zum Happy End eines Besseren zu belehren. Und zum Schluss singen alle im Chor: „Die Welt ist voller Narren, voll Wirbel, voll Trubel …“. Wie wahr. Bis zum 8. August findet täglich - außer montags – um 20 Uhr eine Aufführung von „Die lustigen Weiber von Windsor“ auf der Seebühne statt. Karten gibt es ab 19 Uhr an der Abendkasse oder im Vorverkauf bei den Sparkassen Utting und Schondorf und im Internet unter www.seebuehne-utting.de.

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