Weltoffen mit viel Tradition

Hatten am Donnerstag beim Rundgang über den Dießener Töpfermarkt richtig viel Freude (von links): Marktleiter Ernst Lösche, Ministerpräsident Horst Seehofer und Bürgermeister Herbert Kirsch. Fotos: Nagl

Rund 55000 Besucher sind in diesem Jahr zum viertägigen Töpferfestival an den Ammersee gekommen und zum ersten Mal in der 34-jährigen Töpfermarkttradition beehrte auch Bayerns Ministerpräsident die nach den Kaltenberger Ritterspielen zweitgrößte Veranstaltung zwischen Ammersee und Lech. Beeindruckend war auch der Anblick der weiß-blauen Flotte, deren Dampfer von Donnerstagfrüh bis Sonntagabend zwischen Dießen und Herrsching pendelten – stets ausgebucht.

Empfangen wurden Ministerpräsident Horst Seehofer und Ehefrau Karin in Deutschlands ältester Binnensee-Segelschule aus dem Jahr 1928. Hier trug sich Seehofer ins Goldene Buch der Marktgemeinde ein und freute sich über die Bemerkung von Bürgermeister Herbert Kirsch, wonach Dießen bei der Staatsregierung an so einem wunderbaren Tag keine Wünsche offen habe. Marktleiter Wolfgang Lösche informierte den Ministerpräsidenten und die Ehrengäste über die Jahrhunderte alte Töpfertradition in Dießen, deren Wurzeln bis ins frühe Mittelalter zurückreichen. Sichtlich begeistert waren die Seehofers von seinem Gastgeschenk, die Nachbildung eines Fayencekruges, der einem Original aus 1684 nachempfunden wurde. Beim anschließenden Marktrundgang informierte sich der Ministerpräsident im Gespräch mit den Keramikern Alain Déjardin aus Frankreich, Peter Beard aus England, Astrid Schrö­- der aus Finning und mit Töpfersprecher Gerhard Trommler aus dem fränkischen Kasendorf aus erster Hand und erfuhr unter anderem, dass sich beim Dießener Töpfermarkt wohl um den „schönsten Keramikmarkt Europas“ handle. Der Markt, so Seehofers Resümee, offenbare in der Marktgemeinde das „Zusammenspiel von Mensch, Natur und Kultur“, hier sei man tief verwurzelt in Geschichte und Tradition und zugleich überaus weltoffen. Viel Aufmerksamkeit erregte auch das Jahresmotto des Töpfermarktes, das „Keramische Bestiarium“. Zu den „wildesten Viechereien“, die ständig dicht umlagert waren, zählten die Fantasy- und Fabelwesen aus Estland. „Jedes von ihnen hat eine Seele“, betonte Keramikerin Ülle Sink und erzählte Geschichten aus Estland. Zuspruch fanden auch die Vertreter der keramischen Industrie und Zulieferung. Für die Töpfer am Markt, so hörte man immer wieder, sei es ein Gewinn, keramisches Zubehör und Brennofenhersteller mit ihren Sortimenten und Neuheiten am Markt zu treffen. Einfach gut Auch die Verleihung des Keramikpreises 2012 zum Thema „Einfach gut“ war einmal mehr ein gesellschaftlicher und kultureller Höhepunkt. 65 Werkstätten hatten sich mit hochwer­tigen Arbeiten um das begehrte Gütesiegel beworben, zwei Töpferinnen wurden von der fünfköpfige Fachjury zu gleichen Teilen für ihre gelungene Umsetzung des Themas ausgezeichnet. Den Arbeiten der beiden Preisträgerinnen, Si Sook Kang aus Kellinghusen und Maria Fischer aus Passau, liege, so Marktleiter und Laudator Wolfgang Lösche, ein „bekenntnishafter Bezug zur Tradition, eine Nobilisierung alter Formen“ und zugleich eine klare, eigene Handschrift zugrunde. Klar und schnörkellos ist die Porzellandose von Si-Sook Kang auf die reine Form in vollendeter Proportion und makelloser monochromer Farbwirkung reduziert. Konzentration und Disziplin gehören zur Aura dieses Stückes. Maria Fischer hingegen gestaltet Gebrauchsgeschirr für den Alltag. Es ist schlicht und leise, dabei aber von hoher emotionaler Wirkung. Mit wenigen zarten Details verleiht sie ihren Stücken etwas Charmantes. Das einfache Geschirr hat eine klare Handschrift, die klassische Form und die weiße Glasur gehen eine wunderbare Symbiose ein.

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