Weniger Frauenwald für Edeka – Stadtrat fasst Aufstellungsbeschluss für eigenen Edeka-Bebauungsplan

Von Krisenstimmung keine Spur. Mit großer Mehrheit hat sich der Stadtrat vergangene Woche dafür ausgesprochen, die baurechtlichen Grundlagen für weitere Ansiedlungen im Industrie- und Gewerbepark Frauenwald zu schaffen: im Südosten fürs Edeka-Logistikzentrum und im Westen für die Erweiterung der Systaic Technologies GmbH.

Nachdem sich Edeka endgültig von dem vieldiskutieren Standort Kaufering-Süd verabschiedet und für den Frauenwald ausgesprochen hat, arbeiten Stadt und Konzern fieberhaft an der Ansiedlung. Vorgesehen ist das Logistikzentrum auf dem größtenteils gerodeten Areal zwischen Klausner Holz Bayern und Iglinger Straße. Das Quartier 1 des Bebauungsplanes „Gewerbe- und Industriepark Frauenwald 3“ war bereits Mitte vergangenen Jahres höchstvorsorglich von 13,3 auf rund 23 Hektar ausgedehnt worden. Und östlich davon wurde zudem noch ein „schallschutztechnisch eingeschränktes Industriegebiet“ mit insgesamt 17,6 Hektar ausgewiesen. 50 Meter-Waldsaum Die Edeka-Ansiedlung erfordere nun gravierende Änderungen in der Bauleitplanung, da das Unternehmen nurmehr 18,58 Hektar benötige. Damit könne unter anderem der Waldsaum entlang der Iglinger Straße breiter als vorgesehen bleiben – mindestens 50 Meter – und der Rest der östlich angrenzenden Gewerbefläche zugeschlagen werden. Diese soll später in einem neuen Bebauungsplan „Gewerbe- und Industriepark Frauenwald 5“ dargestellt werden. Abschnitt 4, für den der Stadtrat am Mittwoch gegen die Stimmen von Bündnis 90/Grüne den Aufstellungsbeschluss fasste, ist einzig für Edeka vorgesehen. Nach den vorliegenden Plänen benötigt das Logistikunternehmen keine öffentliche Erschließung im Osten, möchte den Lkw-Verkehr auf dem eigenen Grundstück organisieren. Zufahrten sind im Westen und im Norden nur von der Franz-Kollmann-Straße vorgesehen. Und die soll an die Celsiusstraße angeschlossen werden. Das Areal ist in drei Baufenster eingeteilt, wobei eines für Werkstatt und voraussichtlich Tankstelle vorgesehen ist. Die beiden anderen sind für den ersten und den zweiten Ausbauabschnitt (Erweiterung zum Zentrallager) vorgesehen, wobei Gebäudehöhen von bis zu 26 und 36 Meter vorgesehen sind. Letzteres hinterfragte Grünen-Stadtrat Dr. Andreas Hartmann mit Verweis auf die Vorgaben für den Klausner-Kamin, wurde von OB Ingo Lehmann (SPD) aber auf den nichtöffentlichen Teil der Sitzung vertröstet. Dort wollte das Stadtoberhaupt weitere Details zu Edeka darlegen. Mit Rücksicht roden Laut Referatsleiter Alfred Ganzmüller müssen für Edeka weitere 7,4 Hektar Wald gerodet werden – „zeitnah zur Ansiedlung des Unternehmens und an den Brutzeiten der Vogelwelt orientiert.“ Nach dem Erwerb von Gut Mittelstetten stünden der Stadt ausreichend Ausgleichsflächen für neuen Wald – voraussichtlich 8,9 Hektar – zur Verfügung. Wo im Detail das geschehen soll, ist laut OB Lehmann noch nicht definiert. Rücksicht genommen wird beim Roden übrigens nicht nur auf die gefiederten Frauenwaldbewohner, sondern auch auf die mit sechs Beinen. So müssen etwa 20 Ameisenkolonien umgesetzt werden, was laut technisch ohne weiteres möglich sei. Aus Sicht der Ameisenschutzwarte Bayern sei dabei ein benachbarter Standort zu bevorzugen. Systaic baut zwei neue Hallen Einstimmig hat sich der Stadtrat für eine Änderung der Bebauungspläne „Gewerbepark Frauenwald 1 und 2“ ausgesprochen. Das Plenum ebnete damit den Weg für die Systaic Technologies GmbH, die ihr bestehendes Werk in zwei Abschnitten erweitern möchte. Erst im vergangenen Jahr war das Landsberger Systaic-Werk an der Emmy-Noether-Straße in Betrieb gegangen, verfügt nach eigenen Angaben über „eine der fortschrittlichsten Produktionsstätten für Fotovoltaik in Europa“ und benötigt dringend Expansionsflächen. In zwei Abschnitten möchte das Unternehmen die bestehende Halle mit 3700 Quadratmeter um jeweils rund 2600 Quadratmeter erweitern. Da das Systaic-Areal im Grunde voll bebaut ist, bietet sich eine Ausdehnung in Richtung Süden an – auf knapp 8500 Quadratmeter zusätzlicher Gewerbefläche, die noch bewaldet ist. Als Ausgleich für die Rodung muss an anderer Stelle etwa ein Hektar neuer Wald entstehen, was laut Referatsleiter Alfred Ganzenmüller kein Problem darstellt.

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