Weniger Kormorane, mehr Fische

Es ist fürwahr ein schönes Bild, wenn die Am­mer­seefischer am Fischerjahrtag, dem Namenstag der Apostel Peter und Paul, angeführt von der Entrachinger Blasmusik zum Gottesdienst in die Kirche ziehen – auch wenn die Schar zusehends kleiner wird. Passend zum Anlass gab Klaus Münzer vom Historischen Verein Landsberg einen Diskurs in die Geschichte der Zunft. Einen Schatten auf das alljährliche Beisammensein warf aus Sicht der Fischer allerdings einmal mehr der „Vogel des Jahres 2010“, der Kormoran.

Seit mehr als zehn Jahren setzt sich Eleonore Dambach-Trapp, Bezirksrätin und Berichterstatterin für das Fischereiwesen des Oberbayerischen Bezirkstages mit der „Kormoran-Plage“ auseinander. In der Vergangenheit, so Dambach-Trapp vor den Ammersee-Fischern im Gasthof Unterbräu, sei der Kormoran vom Aussterben bedroht gewesen. 1970 gab es in Westeuropa geschätzt noch 30000 Exemplare. Aufgrund der ge­- troffenen Schutzmaßnahmen stieg die Zahl der Tiere auf mehr als zwei Millionen. „Und die Kor­mo­ranpopulation wächst unaufhaltsam weiter“, betonte die Referentin. Der jährliche Schaden in Europa werde auf eine Milliarde Euro geschätzt – abgesehen von den Auswirkungen auf die Ökosysteme und die Verluste der bis zum Aussterben bedrohten Fischarten. Deshalb seien entsprechende Möglichkeiten zur Bekämpfung der Kormoran-Plage notwendig, um endlich zu einer erträglichen Ausgewogenheit zwischen Fisch- und Großvogel­po­pulation zu kommen. Das fordern auch die Ammerseefischer massiv. Erschwert wird dieser Wunsch jedoch dadurch, dass sich die Brutkolonie der Kormorane am Ammersee-Südufer in einem europaweit bedeutenden Vogelschutzgebiet befindet. Jede Störung der Kormorane bedeutet auch eine Stö­rung anderer gefährdeter Arten. Innovative Ideen zum Umgang mit dem Kormoran-Problem hatte Franz Geldhauser, Fischereireferent im Landwirtschaftsministerium, auch nicht im Gepäck. Er konnte lediglich ankündigen, dass sich auf Initia­tive des Landesamts für Umwelt erneut ein Runder Tisch gebildet habe, an dem Vertreter der Fischerei und Naturschützer konkrete Maßnahmen ausloten. Bezüglich der Entschädigung für Kormoranschäden an Beständen und Netzen, die von den Ammerseefischern eingefordert werden, sei nicht das Ministerium, sondern der Naturschutz zuständig, da der Kor­- moran unter Artenschutz stehe. „Das ist schade für die Zeit“, meinte Hans Ernst, Vorstand der Fischereigenossenschaft Ammersee, mit Blick auf den Runden Tisch. Bald werde es in den hiesigen Gewässern kaum noch Fische geben, so dass auch die Vögel nichts mehr finden. Daran ändere auch der Besatz durch die Fischereiverein in Flüssen und Bächen nichts. Dieser werde, so Dr. Peter Wißmath, Fischereifachberater des Bezirks, im Winter, während sich die Ammerseefische in für Vögel unerreichbaren Tiefen auf­halten, von den Kormoranen aus den flachen Fließgewässern geholt. Abhilfe könne nur eine verschärfte Bejagung schaffen, die nach mehr als 150 Jahren und einigen Auseinandersetzungen leider nicht mehr von den Ammerseefischern ausgeführt werde, bedauerte Wißmath. Nur so könnten sich auch die geschwächten Renkenbestände wieder erholen.

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