Weniger tanzen

Drei Monate Zeit hat das „Moritz“, dann muss das neue Konzept stehen – sagt OB Mathias Neuner. Foto: Schwaiger

Ob Latin Night oder gepflegter Sushi Chill am Mittwoch, Afterwork am Donnerstag, Spectacular Friday oder Saturday Night mit Dresscode „chic und sexy“ – wer in der Landsberger Szene was auf sich hält, der muss einfach ins „Moritz“. Seit fünf Jahren ist das so. Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr gibt es ein Problem: Auf Betreiben der Regierung von Oberbayern muss der Tanzbetrieb in dem Nachtlokal unter dem Bräustüberl auf ein Minimum reduziert werden. Auslöser ist ein Landsberger Gastronom, der mit einem ähnlichen Vorhaben gescheitert war.

Nur ein paar Steinwürfe vom Moritz entfernt, in der Augsburger Straße und damit ebenfalls im Altstadtbereich, schwebte jenem Gastronom ein Nachtlokal vor Augen. „Was der eine kann, das kann ich auch“, war wohl sein Motto. Weit gefehlt, die Abfuhr aus der Verwaltung ließ nicht lange auf sich waren. Der aus den 80er Jahren stammende Bebauungsplan „Altstadt und Zufahrtsbereiche“ schließe „nicht kerngebietstypische“ Ver­gnügungsstätten aus. Und dazu gehören auch Nachtlokale, in denen getanzt wird. Die baurechtliche Betrachtung: In einem Mischgebiet, als solches sind sowohl der Bereich Waitzinger Wiese als auch Augsburger Straße ausgewiesen, darf in einer Gaststätte nur einmal pro Monat Tanzbetrieb stattfinden. „Wieso darf der eine, was die Stadt mir verwehrt?“ Die Antwort darauf suchte der Antragsteller im Juni vergangenen Jah­res in der Landeshauptstadt bei der Regierung von Oberbayern. Sie sei als Aufsichtsbehörde mit dem Fall befasst, bestätigt Pressesprecher Heinrich Schuster. Man stehe mit der Stadt in engem Kontakt. Zur Sache äußern will er sich nicht – wohl auch deshalb, weil kurz nach der Anfrage des KREISBOTEN eine Delegation aus der Lechstadt bei Regierungsvizepräsident Ulrich Bögner und Sachgebietsleiter Dr. Josef Weiß vorsprach: Moritz-Geschäftsführer Claus Moritz, Waitzinger Bräu-Eigentü­mer Horst Krah und OB Mathias Neuner ersuchten um eine einvernehmliche Lösung. Der Erfolg ist eher mäßig, wie der Oberbürgermeister erläutert: „Es hilft alles nichts, der Tanzbetrieb muss innerhalb der nächsten drei Monate runtergefahren werden.“ Zehn Veranstaltungen pro Jahr seien für die „Schankwirtschaft mit Imbissabgabe“ – als solche ist das Moritz laut Baugenehmigung de­- klariert – erlaubt, vielleicht ließe sich das ja noch verdoppeln, so Neuner. Er selbst bedaure den Vorgang, denn das Moritz sei eine Bereicherung für Landsberg, allerdings seien ihm in der Sache die Hände gebunden. Er räumt aber auch Versäumnisse der Verwaltung ein. Seit der Eröffnung sei der Tanzbetrieb geduldet worden, „wohlwissend, dass das nicht ganz koscher ist.“ Daran hat sich auch Ende vergangenen Jahres nichts geändert, nachdem sich der Ältestenrat des Stadtrates mit dem Problem beschäftigt hatte. Eine Änderung des Bebauungsplanes als letztes Mittel? Neuner hält davon nichts, „das wäre juristisch ein echtes Problem.“ Trotz allen Ungemachs ist der Geschäftsführer der Moritz Gastronomie GmbH, Claus Moritz, nach wie vor auf die Stadt gut zu sprechen. „Sie stand immer hinter uns und hat alles getan was machbar war.“ Doch das hilft jetzt nicht mehr weiter, das Moritz-Konzept muss sich im Bereich Lounge&Music verändern. Claus Moritz: „Wir warten den Bescheid der Regierung ab, dann prüfen wir, was da noch zu machen ist; dann arbeiten wir Plan B aus.“ Die Botschaft: „Das Moritz bleibt.“ Ungeachtet dessen stelle sich aber die Frage, ob die aktuelle Entwicklung in der Szene gut für Landsberg sei. Claus Moritz: „Das Libre ist ja auch davon betroffen.“

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