Interkommunal Energie erzeugen

Windpark im schönen Westerholz?

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Eines der Referenzprojekte von Robert Sing: die Fuchstaler Windkraftanlage im Kingholz. Eine ähnliche Anlage könnte nun auch im Westerholz nördlich Kauferings entstehen.

Kaufering – Soll die Marktgemeinde zusammen mit den Nachbarn Weil und Scheuring in die Windkraft einsteigen? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Ratsmitglieder vergangene Woche erstmals in öffentlicher. Dazu hatten sie Robert Sing aus Landsberg eingeladen. Sein Ingenieurbüro ist auf die Planung und Konzeption von Windrädern spezialisiert. Sings Referenzprojekte sind unter anderem die Anlagen in Fuchstal und in Lamerdingen.

Robert Sing hat bereits einen Standort ausgemacht, der sich nach seiner Ansicht für die Aufstellung von zwei bis vier Windrädern eignet. Es ist das Waldgebiet „Westerholz“, das zwischen den Gemeinden Kaufering, Weil und Scheuring liegt. Die Abstände zu den Gemeinden seien ausreichend, um der sogenannten „10H-Regelung“ Rechnung zu tragen. Einzelgehöfte fallen nach Aussage des Ingenieurs nicht unter diese Regelung.

Selten hat ein Vortrag so viel Aufmerksamkeit bei den Kauferinger Ratsmitgliedern hervorgerufen wie der über die Windkraft. „Das ist ein wichtiges Thema“, befand 3. Bürgermeisterin Gabriele Hunger. Rathauschef Erich Püttner war im Urlaub. Im Moment gibt es keine Untersuchungen darüber, ob es genügend Wind gibt. Anhaltspunkte sind für Robert Sing aber die beiden Windräder im nur wenige Kilometer entfernten Lamerdingen. Deren könne man als vorläufige Referenz heranziehen. Demnach könnten sich die Investitionen im Westerholz lohnen. Sing konnte darauf verweisen, dass die Gemeinde Lamerdingen nicht nur ökologisch Strom erzeuge, sondern damit auch Geld verdiene und verwies auch auf die Windkraftanlagen in Bidingen. Dort nutze man sie zur Haushaltssanierung.

Es ist allerdings noch ein weiter Weg, bis sich im Westerholz tatsächlich Windräder drehen könnten. Noch haben sich die Gemeinderäte in Scheuring und Weil nicht offiziell mit diesem Thema beschäftigt, betonte der Spezialist. Auch sei noch nicht geprüft, ob es K.o.-Kriterien gäbe. Dazu gehören diverse Gutachten zum Artenschutz oder zur Ökologie. Auch die Bundeswehr hat ein Wörtchen mitzureden, denn sie betreibt ja zwei Fliegerhorste in unmittelbarer Umgebung – Penzing und Lagerlechfeld. Die Luftwaffe habe aber inzwischen ein gängiges Verfahren entwickelt, wie man Flugsicherheit und Wind­räder unter einem Hut bringen kann. „Wenn Flugzeuge im Anflug sind, werden die Anlagen durch die Fluglotsen kurzzeitig abgeschaltet“, erläuterte Sing.

Der erste Schritt nach einer Einigung der Gemeinden wäre die Ausweisung von Konzentrationsflächen für die Windkraft. Dann könne man in die notwendigen Verfahren im kommenden Jahr einsteigen. Dazu gehöre auch eine Vogelkartierung. Läuft alles gut, könnte 2018 die Gründung einer Betreibergesellschaft erfolgen. Das empfahl Sing ausdrücklich, denn dann könnten sich auch die Anwohner und andere Bürger beteiligen können. Spätesten 2019 könnten sich die Windräder drehen.

Erst nichtöffentlich

Neu ist das Thema für Kauferings Marktgemeinderäte nicht. Robert Sing hatte seine Ideen bereits in einer nichtöffentlichen Sitzung vorgetragen. Die Räte hatten eine Reihe von Fragen zur Wirtschaftlichkeit, Lebensdauer von Windkraftanlagen, oder deren Rückbau. Wenn die Gemeinden nichts tun, können auch private Investoren in die Windkraft im Westerholz einsteigen. Die gesetzliche Grundlage dazu ist die Privilegierung der Windkraft, ähnlich wie die Baugenehmigungen für die Landwirtschaft in Außenbereichen.

Bernhard Mödl sah die Sache wegen der notwendigen Fällung von 250 bis 500 Bäumen im Naherholungsgebiet Westerholz kritisch. Gabriele Triebel (GAL) fand dagegen, die Windkraft passe gut zum Kauferinger Energiekonzept mit Biomasse und Photovoltaik.

Der Anschluss der geplanten Windräder an das Stromnetz ist nach Aussage von Robert Sing noch nicht endgültig geprüft. In unmittelbarer Nähe des möglichen Standorts im Westerholz verlaufen Stromleitungen. Für die Fuchstaler Anlagen im Kingholz sei der Anschluss viel schwieriger gewesen. Dort mussten insgesamt rund elf Kilometer unterirdische Kabel verlegt werden.

Siegfried Spörer

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