Wider den schwachen Gesang

Sieht dem Jubiläum der Sing- und Musikschule Landsberg erwartungsvoll entgegen: das Jugendstreichorchester unter der Leitung von Birgit Abé (links). Foto: kb

Dem Ärger des damaligen Bürgermeisters verdankt die Städtische Sing- und Musikschule Landsberg ihre Gründung vor 125 Jahren: Johann Georg Arnold litt allsonntäglich in der Kirche angesichts des schwachen und uninspirierten Gesangs, der dort zu hören war. Um „die in Verfall geratenen Kirchenmusik“ wieder zum Ohrenschmaus werden zu lassen, regte das Stadtober­haupt die Einstellung eines städtischen Musiklehrers an. Damit legt Arnold den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert.

Das „Headhunting“ nach einem geeigneten städtischen Musiklehrer fand auf höchst professionelle Weise mit Anzeigen in mehreren überregionalen Zeitungen und einer eingehenden Prüfung der Bewerber statt. Die Wahl fiel auf Franz Xaver Aigner aus Landau an der Isar. Seine Aufgaben in der musikbegeisterten Lechstadt waren ebenso umfangreich wie vielfältig. Aigner unterrichtete pro Woche 15 Stunden Gesang, Streich- und Blasinstrumente, gründete und leitete ein städtisches Orchester, wirkte im Chor der Stadtpfarrkirche mit, gab Privatstunden und Unterricht an Schulen. Mit einem Jahresverdienst von 2000 Mark war der Musiklehrer im öffentlichen Dienst gut bezahlt – der Bürgermeister selbst verdiente nicht mehr als das Doppelte, was deutlich macht, wie sehr den Stadtoberen schon damals die musikalische Bildung der Jugend am Herzen lag. „Die Stadt war damals mehr als zukunftsorientiert“, bestätigt der heutige Musikschulleiter Lothar Kirsch. Man habe ganz klar erkannt, welch große Rolle die Musikausübung bei der Erziehung und Charakterbildung junger Menschen spielt. Als offizielles Gründungsjahr der Landsberger Sing- und Musikschule gilt das Jahr 1886/'87, als neben Aigner auch der Chorregent Bern­hard Heinrich im städtischen Auftrag zu unterrichten begann. 1920 wurden neben Gesangskursen Abteilungen für Blasinstrumente, Violine und weitere Streichinstrumente eingerichtet. Später kam Gitarrenunterricht hinzu. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Musikschule geschlossen, doch schon 1946 beschloss der Stadtrat ihre Wiedereinrichtung. Singen und Musizieren bleiben offenbar in jeder nachwachsenden Generation populär und halten sich bis heute unbeschadet durch das immer breiter werdende Angebot an anderen Freizeitaktivitäten. In 1971 besuchten 344 Schüler die Städtische Musikschule, 1987 waren es 773. Inzwischen sind es über 1000 Musikbegeisterte, die die Kurse und Unterrichtsstunden von inzwischen 25 Lehrkräften besuchen. Und die Schüler sind beileibe nicht nur Kinder und Jugendliche. Junge Erwachsene sind ebenso vertreten wie die mittlere Generation und über 65-Jährige. Ensemble-Killer G8 Die gesellschaftlichen Trends spiegeln sich auch im Musikbetrieb wider. So gibt es mehr Alleinstehende, die die Musik als Hobby pflegen, und ältere Menschen, die sie nach dem Ausscheiden aus der Arbeitswelt begeistert wieder aufnehmen – oder sogar ganz neu mit dem Erlernen eines Instrumentes beginnen. Auf der anderen Seite schnürt bei den ganz Jungen die Schule das Zeitbudget zunehmend ein. „Das G8 ist ein Ensemble-Killer“, bedauert Lothar Kirsch. „Die Schüler haben zwar Interesse, aber keine Zeit mehr für musikalische Aktivitäten, die über den Unterricht hinaus gehen.“ Also bringt man die Musik verstärkt in die Schulen, zum Beispiel in Form von Streicherklassen in Grundschulen. „Es hat sich gezeigt“, so Kirsch, „dass 50 Prozent dieser Kinder später weiterhin Musik machen.“

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