Sorge ums Dörfliche

+
Die Straße Am Lech in Dornstetten. Die Grundstücke der Hausbesitzer sind bislang sehr groß. Weiter südlich soll bald ein neues Baugebiet entstehen.

Unterdießen/Dornstetten – Heftiger Widerstand regt sich in Dornstetten dagegen, dass auf der Terrasse oberhalb des Lechs ein Baugebiet mit 21 Grundstücken ausgewiesen wird, das über eine neue Ringstraße erschlossen werden soll. Dies sei für eine ländlich geprägte Ortschaft, die gerade einmal 100 Einwohner hat, eindeutig zu viel. Zudem seien die Grundstücke, im Schnitt 600 Quadratmeter groß, für so ein Dorf zu klein parzelliert. Kritik entzündet sich auch daran, dass Pultdächer zulässig sein sollen.

Außerdem hinterfragen Bürger aus Dornstetten, warum ausgerechnet ein Mitarbeiter des Planungsbüros, das mit dem Erstellen des Bebauungsplanes betraut ist, das artenschutzrechtliche Gutachten angefertigt hat. Dabei handelt es sich um das Büro OPLA in Augsburg (Bürogemeinschaft für Ortsplanung und Stadt­entwicklung). Das artenschutzrechtliche Gutachten war eine Auflage des Landrats­amtes Landsberg.

Diese Behörde, im aktuellen Fall der Bereich Bauordnung und Naturschutz, ist dabei als Träger öffentlicher Belange zu beteiligen. Bei Planungen im „Grünen“ werde regelmäßig vom Naturschutz eine artenschutzrechtliche Prüfung gefordert, weil immer der Verdacht besteht, dass schützenswerte Flora und Fauna beeinträchtigt werden könnte, schildert Pressesprecher Wolfgang Müller. In Dornstetten grenzt noch dazu ein Landschaftsschutzgebiet direkt an.

Wie im Landratsamt denn die Tatsache bewertet wird, dass für dieses Gutachten zum Artenschutz das gleiche Planungsbüro beauftragt wurde, das den Bebauungsplan ausarbeitet, wollte Müller nicht näher eingehen. Bei der Aufstellung eines Bebauungsplanes sei stets die jeweilige Gemeinde „Herr(in) des Verfahrens“.

Laut hergegangen

Dem Vernehmen nach muss es zum Schluss der letzten Sitzung im Rathaus Unterdießen heiß hergegangen sein, als Egon Eibl, der einzige Gemeinderat aus Dornstetten und mit 74 Jahren der älteste im Gremium, seine Bedenken und die vieler Bewohner aus Dornstetten vorbrachte. Seine Meinung hat er gegenüber Bürgermeister Alexander Enthofer laut und deutlich bekundet.

Der Rathauschef räumt auf Anfrage ein, dass es heftig zur Sache gegangen und er „dazwischen gegangen“ sei. Im Gespräch mit dem KREISBOTEN wehrt er sich gegen den Vorwurf aus Dornstetten, die Gemeinde habe Infos vorenthalten.

Zur Thematik, dass der Verfasser des artenschutzrechtlichen Gutachtens aus dem gleichen Büro sei, das den Bebauungsplan erstelle, erklärt Bürgermeister Enthofer, man habe vor der Beauftragung drei Vorschläge bekommen. Aber zwei Büros hätten keine Zeit gehabt. Und wo der Experte, der das Gutachten erstelle, herkomme, sei doch egal. Entscheidend sei: „Ich muss mich drauf verlassen können.“

Enthofer spricht davon, dass die Gemeinde Unterdießen eigenes Bauland anbieten wolle. Er wisse von mindestens zehn Familien, die daran interessiert seien. Mit den fünf Bauplätzen, die auf einem kürzlich erworbenen Grundstück nahe der Unterdießener Kirche ausgewiesen werden können, sei der Bedarf nicht zu decken.

Zugleich signalisiert der Bürgermeister aber Kompromissbereitschaft. Die Zahl der Grundstücke sei noch nicht endgültig festgezurrt. Würde diese letztlich auf 15 verringert, habe er „damit kein Problem“. Er plädiert aber klar für den vom Planungsbüro OPLA vorgestellten Entwurf mit dem geschwungenen Straßenverlauf. Nur so könne der Verkehr verlangsamt werden. Unterhalb der Dornstettener Kirche gibt es auf der bislang freien Lechterrasse, die übrigens auf zwei Seiten von FFH-Gebiet eingesäumt ist, nur eine kerzengerade Straße, die zu den elf Häusern Am Lech führt.

Die Bebauung erfolge keinesfalls in kurzer Zeit, sondern in mehreren Etappen, fügt Enthofer hinzu. Er verweist auf eine gewisse „Bevorratung“. Dass die Einwohnerzahl Dornstettens – jetzt zirka 100 Bewohner – um 60 bis 80 zunimmt, sei über einen langen Zeitraum zu sehen.

„Sein Wort in Gottes Ohr“ kommentiert Gemeinderat Egon Eibl aus Dornstetten die Äußerung Enthofers. Die Bauplätze seien innerhalb von fünf Jahren „garantiert weg“. Er glaube auch nicht, dass dort nur Heimische zum Zuge kämen. Bei zwei anderen Bauplätzen in Dornstetten – nämlich Im Forchet – hätten ebenfalls Auswärtige zugelangt. Eibl stellt sich die Frage: „Wer ziagt denn von Oberdießen und Unterdießen nach Dorn­stetten runter?“ Man solle nicht die Lechterrasse „zupflastern“. Außerdem sei er bei der ländlichen Umgebung dagegen, dass Pultdächer zugelassen werden. Er sei ein Verfechter von Dachüberstand, sagt der 74-jährige Gemeinderat.

Zu den Wortführern unter den Kritikern einer solchen Bebauung gehört Gerald Büchelmaier. Er schildert, dass Dorn­stettener deswegen, weil artenschutzrechtliches Gutachten und Bebauungsplan im selben Büro erstellt wurden, nun eine weitere fachliche Meinung einholen möchten. Diesbezüglich habe man mit dem Landesbund für Vogelschutz Kontakt aufgenommen. Büchelmaier verweist des Weiteren darauf, dass es Sorgen um die Fischzucht am Ort gebe, wenn aufwändige Tiefbauarbeiten erfolgen. Viele neue Keller könnten zudem Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel haben.

Generell sei man nicht gegen das Baugebiet, das in einem ersten Entwurf mit 14 statt mit 21 Einheiten vorgesehen gewesen wäre. Aber, so ergänzt Büchelmaier mit drastischem Vokabular: „Käfighaltung“ sei in dieser Gegend fehl am Platz. Grundstücke mit unter 600 Quadratmetern würden den Charakter Dornstettens massiv verändern, findet Büchelmaier, der schon mehr als 30 Jahre in Dornstetten Am Lech wohnt.

Noch bis zum Freitag, 11. November, können Bürger ihre Bedenken und Einwände zum ausgelegten Bebauungsplan bei der Gemeinde Unterdießen vorbringen. Dann erfolgt die Abwägung durch den Gemeinderat. Ende 2017 sollen, so Enthofers Ausblick, die ersten Grundstücke auf der Lechterrasse verkauft werden.

Johannes Jais

Meistgelesene Artikel

Umbau für eine "strahlende Zukunft"

Landsberg – Aus Irland direkt in die Lechstadt: Richard Kingston (CMC Capital) hat am Mittwoch mit Erfolg für das neue Lechland-Center geworben. Eine …
Umbau für eine "strahlende Zukunft"

Hände weg von der Kreisumlage!

Landkreis – Es ist ein klares ­Signal, das die Mitglieder des Finanz- und Kreisausschusses in ihrer jüngsten Sitzung gesendet haben: Einer Erhöhung …
Hände weg von der Kreisumlage!

Bauland soll auf einmal kein Bauland mehr sein

Kinsau/Schongau – Baugrund oder Außenbereich? Mit dieser Frage setzte sich der Kinsauer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung auseinander. Ein …
Bauland soll auf einmal kein Bauland mehr sein

Kommentare