Wer baut Sozialwohnungen?

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Wie an den Oberen Wiesen sollen nun auch am „Wiesengrund“ Sozialwohnungen entstehen. Die Stadt will allerdings nicht als Bauherrin auftreten.

Landsberg – Rund 300 Personen warten in der Lechstadt auf eine Sozialwohnung; Antragsteller aus dem Landkreis und von auswärts kommen hinzu. Zwei Grundstücke, die Baufelder A1 und A2 des Baugebiets „Wiesengrund“, stehen für den Neubau zur Verfügung. Stadtrat und Verwaltung schließen aus, dort selbst als Bauherren tätig zu werden. Sie wollen das Ziel aber über Investoren erreichen.

Zwar steht das Thema „Sozialer Wohnungsbau“ bereits seit Langem auf der Agenda des Stadtrats, aber eher in mittelfristiger Hinsicht. Die SoBoN-Richtlinie regelt, dass bei der Neuerrichtung von Wohnquartieren immer auch Sozialwohnungen geschaffen werden müssen. Das gilt aber nur, wenn neues Bauland entsteht und damit eine Bodenwertsteigerung eintritt. Erster und größter Anwendungsfall der Richtlinie ist das Areal der Pflugfabrik.

Kurzfristig hatte der Stadtrat die Baufelder A1 und A2 des Baugebiets „Wiesengrund“ an der Schongauer Straße für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen. Mehr ist allerdings noch nicht geschehen. Ein Grund dafür ist, dass die Stadt nicht selbst als Bauherrin auftreten will, weil das Bauamt das neben vielen anderen Projekten nicht schaffen kann. Zwei Fraktionen hatten daher Vorschläge vorgelegt, wie man das Ziel dennoch in angemessener Zeit erreichen könnte. Die Landsberger Mitte hatte das Modell „Optionsleasing“ eingebracht, die Grünen hatten das Konzept des „konzeptionellen Mietwohnungsbaus“ ins Spiel gebracht.

Der Gedanke „Optionsleasing“ sah vor, die beiden Baufelder zu teilen. Auf einem Teil sollte ein Bauträger nach eigenen Wünschen bauen können. Der andere Teil sollte im Eigentum der Stadt verbleiben. Der Bauträger sollte dort „nach den Vorgaben der Stadt überschaubare Wohneinheiten in modularer Bauweise errichten“. Dieser Wohnraum sollte für zehn Jahre an die Stadt vermietet werden. Die Stadt hätte nach zehn Jahren die Möglichkeit, die Wohneinheiten zu kaufen.

Die Stadtverwaltung hatte von dieser Konstruktion vor allem deswegen abgeraten, weil sie offenbar noch detailliert ausgearbeitet werden muss. „Wir haben das Wort Optionsleasing gegoogelt und außer aus dem Autobereich kaum etwas gefunden“, sagte Alfred Ganzenmüller vom Städtischen Bauamt in seinem Bericht. Stadtrat Wolfgang Weisensee berichtete hingegen, das Modell werde in der Praxis durchaus angewandt. Bei der Abstimmung votierten letztlich nur die Stadträte der Landsberger Mitte und der UBV für die Idee; die Mehrheit lehnte sie ab.

60 Jahre Bindung

Der in München entwickelte „konzeptionelle Mietwohnungsbau“ sieht ebenfalls die Errichtung von Wohnungen durch Investoren vor. Dafür bestehen jedoch 60 Jahre lang geltende Bindungen, zu denen die Begrenzung der Erstvermietungsmiete und die Mietanpassung nach Verbraucherindex gehören.

Mit diesem Gedanken konnten sich nahezu alle Stadträte anfreunden. Im Ergebnis wird die Stadt die Baufelder daher mit Auflagen ausschreiben und ein Interessenbekundungsverfahren durchführen. Der Wortlaut der Ausschreibung soll noch einmal in den Gremien beraten werden. Geplant ist eine vergünstigte Vergabe mit der Zweckbestimmung des sozialen Wohnungsbaus unter Wahrung der Belegungshoheit der Stadt. „Wir vergeben das Grundstück dann an den, der das beste Konzept hat“, fasste Oberbürgermeister Mathias Neuner am Ende der Beratung zusammen.

Werner Lauff

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