Der Wille entscheidet

Ein agrarpolitisches Schwergewicht beim Kreisbauerntag: der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler (rechts) mit BBV-Kreisobmann Leonhard Welzmiller. Foto: Osman

„Hat der bäuerliche Familienbetrieb in Bayern Überlebenschancen?“ Zu dieser Fragestellung trat beim diesjährigen Kreisbauerntag der frühere österreichische Landwirtschaftsminister und spätere EU-Agrarkommissar Franz Fischler als Referent auf. Fischler gilt als einer der Architekten der europäischen Agrarpolitik und brachte sich als Vorsitzender der bayerischen „Zukunftskommission Landwirtschaft“ auch stark in die jüngsten agrarpolitischen Entscheidungen des Freistaats ein. Seine Prognose ist ebenso optimistisch wie herausfordernd: „Die Betriebe werden überleben, wenn sie den Willen dazu haben.“

Aufgrund der Zunahme der Weltbevölkerung wird die Nachfrage nach Nahrungsmitteln insgesamt steigen, erklärte Fischler vor dem voll besetzten Saal des Bürgerheims in Schwifting. Vor allem in den Schwellenländern werde mehr tierisches Eiweiß verzehrt werden. „Das sind gute Nachrichten für die Landwirtschaft.“ Auf dem deutschen Markt dagegen müssten sich die Erzeuger auf einen rückläufigen Verbrauch einerseits und unterschiedliche Konsuminteressen andererseits einstellen. „Der eine sucht das günstigste Sonderangebot, der nächste legt Wert auf Bio-Produkte.“ Hilfe aus Brüssel Gebeutelt wird die Landwirtschaft sowohl von heftigen Preisschwankungen als auch von der Zunahme der Wetterextreme. In Brüssel denke man deshalb über einen Fonds nach, der den Landwirten bei klimabedingten Ernteausfällen und Marktzusammenbrüchen helfen soll. „Hier müssen die Bauernvertreter für eine ausreichende Finanzausstattung kämpfen“, forderte Fischler. Die EU-Kommission wolle außerdem den Wettbewerb stärken, denn letztlich bestimmten die Märkte das Schicksal der Betriebe. „Subventions- und Quotenregelungen laufen aus, und die verbleibenden Instrumente sind weniger wirksam als früher.“ Um ihre Interessen zu wahren, müssten die Bauern „in einen intensiven Dialog mit der Gesellschaft treten“ und den Verbrauchern ein realistisches Bild der eigenen Arbeit vermitteln. „Viele Leute wissen noch nicht einmal, dass eine Kuh ein Kalb haben muss, um Milch zu geben“, sagte Fischler. „Und viele Kinder meinen, eine Henne legt grundsätzlich sechs Eier.“ Auch könne es nicht sein, dass „ein einzelner Krimineller zigtausend Bauern in Misskredit bringt“, erklärte der Agrarpolitiker mit Blick auf den jüngsten Dioxin-Skandal. Der liegt auch Leonhard Welzmiller, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), schwer im Magen. „Die Landwirte werden hingestellt wie Giftmischer“, stellte Welzmiller empört fest. Dabei habe niemand einen gesundheitlichen Schaden erlitten, und dank der funktionierenden Kontrollen sei der Verursacher des Skandals in kurzer Zeit ermittelt worden. Steigende Preise Die Preise sieht Welzmiller derzeit wieder im Aufwind. „Bei der Milch wird ein gewaltiger Anstieg erwartet. Auch für Getreide und Schweinefleisch sind die Aussichten gut.“

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