Windkraft im Fuchstal:

10H-Regelung bleibt gewahrt

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Technisches Herzstück eines Windrades: die Nabe, an der die Rotoren befestigt sind.

Fuchstal – Eine große Mehrheit der Fuchstaler Gemeinderäte – die einzige Gegen- stimme kam von Christoph Kneißl – hat den Beschluss mitgetragen, die geplanten vier Windkraftanlagen im Südwesten der Gemeinde um 400 Meter weiter Richtung Osten zu verrücken. Damit wird die 10-H-Regelung gewahrt, wonach der Abstand zur nächsten Wohnbebauung das Zehnfache der Höhe eines Windrades betragen muss. Der Abstand zur Ortschaft Frankenhofen in der Gemeinde Kaltental liegt damit leicht über zwei Kilometer. Die Windräder sind mit Rotoren 200 Meter hoch.

Die Entscheidung im Fuchstaler Gemeinderat ist verbunden mit dem Antrag auf eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung der vier Windkraftanlagen, die im Staatsforst in der Flur Kingholz (nördlich der Straße von Dienhausen nach Osterzell) errichtet werden sollen. Das entscheidende Datum ist dabei der Januar 2017. Ab diesem Monat müssen die Anbieter von Strom aus Windkraft die Einspeisevergütung frei auf dem Markt verhandeln. Darum ist es das Bestreben, dass die vier geplanten Windkraftanlagen bis Ende 2016 in Betrieb gehen, damit noch eine feste Vergütung vertraglich festgeschrieben werden kann.

„So halten wir uns an geltendes Recht“, kommentiert Gerhard Schmid, der geschäftslei- tende Beamte bei der Verwaltungsgemeinschaft Fuchstal, im Nachhinein den Beschluss des Gemeinderates. Die Erfolgsaussichten für eine angekündigte Klage der Gemeinde Kaltental gegen die Errichtung der vier Windkraftanlagen im Waldgebiet Kingholz seien durch die Entscheidung für den Standort 400 Meter weiter östlich bei weitem geringer. Mehr noch: Fuchstal möchte einer Klage gleichsam die Grundlage entziehen, ergänzt Geschäftsstellenleiter Schmid im Gespräch mit dem KREISBOTEN.

Auftrag erteilt

Zudem haben die Gemeinderäte mehrheitlich bei zwei Gegenstimmen (Dr. Walter Reitler und Christoph Kneißl) den Beschluss gefasst, das Fachbüro Sing in Landsberg mit Ingenieurleistungen zu beauftragen, die für das immissionsschutzrechtliche Verfahren noch notwendig sind. Abgerechnet wird dabei nicht pauschal, sondern nach dem tatsächlichen Aufwand, der grob auf 3400 Stunden beziffert wird.

Auf Daten in bisher schon erstellten Gutachten könne dabei zurückgegriffen werden, hieß es im Gemeinderat. Gemeint ist damit etwa das Windertragsgutachten. Ende Februar 2015 haben die Fuchstaler Räte ein weiteres Fachgutachten vergeben. Dabei geht es, wie berichtet, um die Auswirkungen auf das Landschaftsbild. Erstellt wird es für knapp 2000 Euro von Landschaftsarchitekt Dr. Sören Schöbel aus Glonn.

In der Summe ist davon auszugehen, dass die Gemeinde für die Leistungen des Ingenieursbüros Sing aus Landsberg knapp 300000 Euro aufwenden muss. Das entspricht grob 1,5 Prozent der Investitionssumme. Bürgermeister Erwin Karg ging vor den Gemeinderäten in der öffentlichen Sitzung ins Detail: Der Bürochef rechne die Stunde mit 82 Euro ab, bei Fachkräften (Geografen) seien es 72 Euro, bei Hilfskräften liege der Satz deutlich darunter. Der Rathauschef bezeichnete das Ingenieurbüro Sing als „zuverlässigen Partner“, der die Gemeinde bereits seit Projektbeginn im Jahr 2011 begleite.

Übrigens: Weil zwei der geplanten vier Windräder in der Schutzzone 3 (äußerer Bereich) für die Fuchstaler Wasserversorgung liegen, sind auch Bohrungen beim „schönen Brunnen“ im Südwesten der Gemeindeflur notwendig. Dabei wird der Messpegel fürs Grundwasser justiert.

Weitere Entscheidungen

Nach dem Beschluss, die vier geplanten Anlagen im Staatsforst wegen der 10-H-Regelung 400 Meter weiter nach Osten zu rücken, wo der Windertrag nur leicht geringer sei als auf dem bewaldeten Höhenzug im Westen, müssen sich die Fuchstaler Gemeinderäte innerhalb der nächsten Monate mit dem Thema befassen, wie sich Bürger finanziell an dem Projekt beteiligen können. Die Investitionskosten je Windrad betragen 5,5 fünf Millionen Euro.

Bei vier Anlagen geht man von 22 Millionen Euro Investitionskosten aus. Dabei sind Fragen maßgeblich, wie hoch die Eigenkapitalquote sein soll, wie viel Geld von Gesellschaftern eingesammelt wird („Bürger-Windräder“), welche Rechtsform für den Betrieb gewählt wird und wie die Gemeinde einsteigt.

Johannes Jais

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