Starker Gegenwind

Denklingen bleibt beim Windkraft-Nein

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In Denklingen gibt es bereits zwei privat betriebene Windkraftanlagen. Neue Windräder lehnen die Denklinger vehement ab. Grundlage dafür ist ein Bürgerentscheid.

Denklingen – Eine massive Beeinträchtigung des Landschaftsbildes sowie Bedenken wegen des Natur- und insbesondere Artenschutzes waren für Denklingens Ratsmitglieder Grund genug, sich erneut gegen die vier Fuchstaler Windräder im Sachsenrieder Forst auszusprechen. Konkret ging es um die immissionsrechtliche Genehmigung, zu der Denklingen als Nachbargemeinde und „Träger Öffentlicher Belange“ eine Stellungnahme abgeben durfte.

Die Zeit dafür war knapp. Immerhin gelang es den Denklingern über ihre Anwälte noch, beim Landratsamt eine Fristverlängerung bis zum 11. Juni zu erreichen. So konnte in der Sitzung am Tag zuvor noch der Beschluss des Gemeinderates mit der ablehnenden Stellungnahme abgesegnet werden. Die Nachbargemeinde Fuchstal hatte gegenüber dem Landratsamt dagegen ein hohes Interesse an einer baldigen Ent- scheidung deutlich gemacht, „da durch eine weitere Verzögerung erhebliche wirtschaftliche Interessen berührt werden können“. Wegen der Änderung bei den Einspeisevergütungen müssen die Anlagen im zweiten Quartal 2016 in Betrieb gehen.

Bürgermeister Michael Kießling (CSU) begründete im Gemeinderat erneut ausführlich die Beweggründe für die ablehnende Haltung. Grundsätzlich sei Denklingen für eine regenerative Energiegewinnung, jedoch lehne man die Errichtung von weiteren Windkraftanlagen in der heutigen Situation in der Region Fuchstal, Reichling und Vilgertshofen ab. „Im Hinblick auf die erheblichen Vergütungskürzungen des neuen EEG für Windenergieanlagen ist die Wirtschaftlichkeit neuer Anlagen in Gebieten mit einer im deutschlandweiten Vergleich nicht sehr guten Windhöffigkeit nicht mehr sichergestellt“, so Kießling. Hinzu komme, dass es derzeit an den gesetzlichen Rahmenbedingung fehle.

Wie mehrfach berichtet, plant die Gemeinde Fuchstal auf in der Gemarkung Kingholz die Errichtung von vier Windkraftanlagen vom Typ Enercon E-11/3000 kW. Die Nabenhöhe beträgt 149 Meter, der Rotordurchmesser 115,7 Meter. Die Anlagen sollen im Nordwesten des Waldes auf dem westlichen Höhenrücken des Ascher Tals entstehen.

Gemeinsame Vision

Einst war es eine gemeinsame Vision von Denklingens Bürgermeisterin Viktoria Horber und ihres Amtskollegen Erwin Karg aus Fuchstal. Mit einem Windpark im Sachsenrieder Forst wollten beide Gemeinden den Umstieg in die „Erneuerbaren Energien“ vollziehen. Sie wollten auch privaten Investoren zuvorkommen und selbst Geld verdienen. Nach den Kommunalwahlen hatte sich der Wind in Denklingen um 180 Grad gedreht. Die Windkraftgegner hatten sich durchgesetzt, während Erwin Karg weiterhin Rückenwind für das Projekt in seinem Gemeinderat hatte.

Bürgermeister Kießling ging noch einmal auf die Bürgerentscheide vom 4. Mai 2014 ein. Damals hatten sich über 81 Prozent der Wahlbeteiligten Denklinger quasi für den Ausstieg aus dem Projekt entschieden. Im benachbarten Fuchstal hingegen fand sich, ebenfalls im Bürgerentscheid, eine, wenn auch knappe, Mehrheit für die Errichtung von vier Windkraftanlagen.

Während Erwin Karg in der Vergangenheit vor allem nicht gut auf die Gemeinderäte der Nachbargemeinde zu sprechen war, hofft Michael Kießling, dass das Verhältnis nicht nachhaltig gestört ist. Beim Thema Windkraft gebe es eben unterschiedliche Meinungen in den Gemeinden, sagte Kießling auf Nachfrage des KREISBOTEN, und fügte schmunzelnd hinzu: „Wir reden aber nach wie vor miteinander“.

Siegfried Spörer

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